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US-Präsidenten mit nur einer Amtszeit: So würdevoll trat George Bush Senior ab

  • Aller Klagen zum Trotz ist Donald Trump als US-Präsident wohl bald Geschichte.
  • Zuletzt wurde George Bush Senior 1992 nach nur einer Amtszeit abgewählt.
  • Dessen Umgang mit seiner Niederlage macht die Unterschiede in der politischen Kultur von damals und heute deutlich.
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Washington. Donald Trump ist inzwischen als US-Präsident abgewählt. Auch wenn das Ergebnis fest steht, ist allerdings nicht zu erwarten, dass der Wahlverlierer einen Sieg von Joe Biden offiziell anerkennen wird – von einer Gratulation oder einer „consession speach“, in der der Unterlegene nach US-Tradition seine Niederlage öffentlich eingesteht, ganz zu schweigen. Stattdessen dürfte Trump wohl die absurde Legende kultivieren, dass ihm sein Wahlsieg „gestohlen“ worden sei. So kündigte er bereits kurz nach dem Bekanntwerden des Wahlsiegs an, diesen nicht anerkennen zu wollen.

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Merkel gratuliert Biden zum Sieg
1:49 min
Kurz nach der Bekanntgabe mehrerer Datenbanken und US-Medien gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Demokraten Joe Biden auf Twitter.  © Reuters
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Bush Senior nahm seine Abwahl gefasst hin

Der letzte US-Präsident, der bereits nach vier Jahren sein Amt abgeben musste, war George Bush Senior. Er unterlag bei der Wahl 1992 seinem jüngeren, dynamischeren demokratischen Herausforderer Bill Clinton. Bush Senior nahm seine Abwahl in der Öffentlichkeit klaglos hin. Er ging sogar so weit, Clinton einen kurzen persönlichen Brief im Oval Office zu hinterlassen. In diesem schrieb er:

„Lieber Bill, als ich gerade dieses Büro betrat, empfand ich das gleiche Gefühl des Staunens und des Respekts, das ich vor vier Jahren empfand. Ich weiß, dass Sie das auch empfinden werden. Ich wünsche Ihnen viel Glück hier.

Ich habe nie die Einsamkeit gespürt, die einige Präsidenten beschrieben haben. Es wird sehr harte Zeiten geben, die durch Kritik, die Sie vielleicht nicht für fair halten, noch schwieriger werden. Ich bin nicht sehr gut darin, Rat zu geben; aber lassen Sie sich nicht von den Kritikern entmutigen oder vom Kurs abbringen. Sie werden unser Präsident sein, wenn Sie diese Notiz lesen.

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Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ich wünsche Ihrer Familie alles Gute. Ihr Erfolg ist jetzt der Erfolg unseres Landes. Ich drücke Ihnen fest die Daumen. Viel Glück George“

Der TV-Sender CNN nannte den Brief damals „eine Lektion darin, wie man würdevoll verlieren kann“. Und tatsächlich entfaltete das kurze Schreiben einen größere Wirkung als vielleicht selbst von Bush erwartet. Obwohl sich die beiden Politiker im Wahlkampf heftig attackiert hatten, blieben sich die beiden Männer nach der Machtübergabe freundschaftlich verbunden.

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Noch im Juni 2018 – wenige Monate vor dem Tod Bushs – besuchte Clinton den damals 94-Jährigen auf dessen Familiensitz im US-Bundesstaat Maine. Bush Senior nannte ihn dabei „einen guten Freund“, machte Werbung für dessen neues Buch und trug anlässlich des Treffens sogar Socken mit dem Konterfei seines Nachfolgers. Bunte und ausgefallene Socken waren lebenslang ein skurriler Spleen des 41. Präsidenten der USA.

In der aufgeheizten politischen Stimmung in den USA scheint ein ähnlich menschlicher Umgang zwischen Trump und Biden heute absolut unvorstellbar.

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