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Texas: Camp mit haitianischen Migranten leert sich

  • Die USA und Mexiko suchen weiter nach einem Weg aus der humanitären Krise an ihrer gemeinsamen Grenze.
  • Unter einer internationalen Brücke im texanischen Del Rio versammelten sich zuletzt Tausende Asylsuchende aus Haiti.
  • In den vergangenen Tagen ist die Zahl jedoch drastisch geschrumpft.
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Del Rio. Ein Lager mit vormals rund 15.000 geflüchteten Haitianern in der texanischen Grenzstadt Del Rio ist drastisch geschrumpft. Noch etwa 225 Menschen hielten sich in dem provisorischen Camp auf, wie der für den Bezirk Val Verde zuständige Richter Lewis Owens am Freitag erklärte. In einer Textbotschaft an die Nachrichtenagentur AP schrieb er, er habe erfahren, dass alle verbliebenen Migranten bis zum Ende des Tages weggebracht würden.

Zuvor hatte eine Gewährsperson der AP gesagt, es habe am Mittwoch drei Abschiebeflüge gegeben, am Donnerstag fünf - am Freitag und Sonntag sollten an Bord von jeweils sieben Flügen täglich Menschen zurück nach Haiti gebracht werden, am Samstag waren demnach sechs Flüge geplant.

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Die Zahl der in der Grenzstadt auf Asyl hoffenden Haitianer war am Wochenende in die Höhe geschossen, angesichts von Verwirrung über die Migrationspolitik der Regierung von Präsident Joe Biden und Desinformation in sozialen Netzwerken. Die Haitianer suchten in den USA nach humanitärem Schutz, nachdem die Regierung jüngst den Schutz für etwa 100.000 Haitianer ausgeweitet hatte, die sich bereits in den USA befanden. Doch galt dies nicht für Neuankömmlinge aus dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre.

Bemühen um Ende der humanitären Krise

Die USA und Mexiko bemühten sich um eine Beendigung der zunehmend politisierten humanitären Situation an der Grenze. Diese führte zum Rücktritt des Sondergesandten der US-Regierung für Haiti aus Protest gegen eine „inhumane“ Deportation haitianischer Migranten aus den USA in ihre Heimat, und zog Kritik unter anderen durch Unicef nach sich.

Präsident Biden kritisierte am Freitag den Einsatz von berittenen Sicherheitskräften Anfang der Woche, die Menschen mit ihren Pferden an einer Durchquerung des Grenzflusses Rio Grande hinderten. Der Einsatz sei gefährlich und falsch gewesen, die Verantwortlichen müssten dafür „bezahlen“, sagte er. „So sind wir einfach nicht“, sagte Biden. Der Zwischenfall wird untersucht, er hatte einen Aufschrei der Empörung ausgelöst.

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USA schieben hunderte Migranten nach Haiti ab
1:05 min
Die USA haben am Freitag rund 2000 Menschen aus der texanischen Grenzstadt Del Rio in andere Immigrationszentren verlegt.  © Reuters

Das Heimatschutzministerium hat erklärt, bislang seien etwa 2000 Haitianer mit Flügen seit Sonntag außer Landes gebracht worden. Etwa 3900 Fälle seien für eine mögliche Rückkehr nach Haiti oder an Einwanderungsgerichten in Bearbeitung. Weitere Menschen aus Haiti wurden aus Del Rio zunächst ziehen gelassen, mit der Auflage, vor Gerichten zu erscheinen oder sich bei den Einwanderungsbehörden zu melden.

Tausende bemühen sich um Papiere in Mexiko

Tausende kehrten zudem nach Mexiko zurück. Sie bemühen sich um Papiere dort. In Tapachula an der Grenze zu Guatemala, in Monterrey im Norden von Mexiko und in der Hauptstadt Mexiko-Stadt bildeten sich am Freitag lange Schlangen vor den Büros der mexikanischen Kommission für Flüchtlingshilfe (Comar). „Nachdem ich gesehen habe, was an der US-Grenze passiert ist, will ich da nicht mehr hin. Ich will hier in Mexiko leben. Aber wir brauchen Papiere, um arbeiten zu können“, sagte der 27-jährige Haitianer Marcius Marckenson der Deutschen Presse-Agentur in Tapachula. „Mir geht das Geld aus. Ich schlafe auf der Straße.“

Viele Haitianer wollen nun vorerst in Mexiko bleiben, arbeiten und warten, bis sich die Lage an der US-Grenze beruhigt. „Ich will eines Tages in die Vereinigten Staaten, aber wenn ich Papiere bekomme, würde ich zwei oder drei Jahre in Mexiko arbeiten“, sagte ein anderer Haitianer in Tapachula. Die meisten Haitianer sind über Süd- und Mittelamerika nach Mexiko gekommen. Teilweise lebten sie bereits jahrelang in Brasilien oder Chile, bevor sie sich auf den Weg in die USA machten.

RND/AP

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