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US-Arbeitsmarkt: Trumps Triumph entpuppt sich als zynisches Trugbild

  • Eine kurzfristige Erholung am Arbeitsmarkt lässt den US-Präsidenten jubeln.
  • Doch der vermeintliche Aufschwung ist durch dramatisch steigende Corona-Infektionszahlen erkauft.
  • Die kopflose Öffnung des Landes wird der Wirtschaft mittelfristig schwer schaden und Tausende Menschenleben kosten, kommentiert Karl Doemens.
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Washington. Die Zahl lässt Donald Trump jubeln: Binnen eines Monats ist die offizielle Arbeitslosenquote in den USA um 2,3 Punkte auf 11,1 Prozent gefallen. Zwar unterzeichnet die Statistik regelmäßig das Problem, und immer noch sind etwa 20 Millionen Menschen zwischen Seattle und Miami ohne Job. Doch der Präsident hat einen eindrucksvollen Beleg für das versprochene “amerikanische Comeback” nach der Corona-Pandemie gefunden – scheinbar.

Tatsächlich entpuppt sich der ökonomische Erfolg als zynisches Trugbild. Er ist erkauft durch eine kopflos-überstürzte Öffnung des Landes, die Tausende Menschen das Leben kosten und überdies die Wirtschaft dauerhaft beschädigen dürfte. Der zwei Wochen alten Momentaufnahme vom Arbeitsmarkt steht nämlich eine andere, dramatische Zahl gegenüber: Mehr als 50.000 neue Corona-Infektionen werden in den USA inzwischen täglich festgestellt.

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Das sind doppelt so viele wie Mitte Juni, als die Erwerbslosenquote erhoben wurde. Und es sind hundertmal so viele wie in Deutschland. Nach dem Ende der Restriktionen hat vor allem die lebensbedrohliche Pandemie einen Aufschwung erlebt.

Nicht nur hat Trump die Gesundheitsgefahren für seine Mitbürger bewusst in Kauf genommen, als er die Gouverneure zu den überstürzten Lockerungen trieb. Mit seinen Lästereien über das “Kung-Flu-Virus”, der Kritik an den Tests und der Diskreditierung des Maskentragens hat er auch jede erforderliche Eindämmungsmaßnahme hintertrieben. Dafür erhält er nun die Quittung.

Panisch versuchen seit ein paar Tagen die Politiker in Arizona, Texas oder Florida, die Öffnung wieder zurückzudrehen. Sie schließen Bars, Innenrestaurants, Fitnessstudios und Strände. Andere Bundesstaaten führen Einreisebeschränkungen ein. Dieser chaotische Zickzackkurs belastet die Wirtschaft schwer: Trumps Neubeschäftigte landen wieder auf der Straße. Mehr als 1,4 Millionen haben sich in der vorigen Woche arbeitslos gemeldet.

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Viel spricht dafür, dass Trumps vermeintliches “Comeback” in einem Debakel endet. Den Preis dafür müssen alle Amerikaner bezahlen.

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