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  • Urlaub trotz Corona: Massentourismus am Strand oder Vereinsamung - gibt es einen Mittelweg?

Corona auf Reisen: Ein Sommer wie kein anderer

  • Die Bilder feierwütiger Touristen auf Mallorca rufen zu Recht Empörung hervor.
  • Sie räumen aber auch die Illusion ab, Urlaub sei trotz Corona in gewohnter Weise üblich.
  • Zwischen Vereinsamung daheim und Massenexzess am Strand gibt es einen durchaus gangbaren Mittelweg, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Schon vor Corona waren Bilder von feierwütigen Touristen auf Mallorca nicht immer schön anzusehen. In Zeiten einer Pandemie aber, die weltweit mehr als eine halbe Million Todesopfer gefordert hat und Volkswirtschaften ins Verderben stürzt, gehen solche Szenen wie am Wochenende auf der Baleareninsel gar nicht.

Dicht an dicht stehen meist junge Männer grölend beieinander, als habe es das Virus nie gegeben. Damit dürften sich all jene bestätigt sehen, die in der Wiederaufnahme des innereuropäischen Tourismus eine leichtsinnige, gefährliche Übertragung der Verantwortung von der Politik an die Bürgerinnen und Bürger sehen.

Ärgerlich ist das Verhalten der deutschen und britischen Urlauber aus mindestens zwei Gründen. Erstens, weil sie sich vorsätzlich dumm stellen. Man muss das letzte halbe Jahr schon weit, weit weg vom Planeten Erde zugebracht haben, um nichts mitbekommen zu haben von der tückischen Ausbreitung des Coronavirus – Stichwort: Aerosole.

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Was sind Aerosole?
0:59 min
Rund 240 Wissenschaftler haben gefordert, die Gefahr einer Coronavirus-Übertragung durch Aerosole in der Luft ernster zu nehmen.  © RND

Urlaub auf Kosten anderer

Und zweitens rufen die Aufnahmen Empörung hervor, weil sie vom arroganten Egoismus einiger zeugen, die sich Urlaub trotz Krise leisten können.

Sie missachten die extremen Einschränkungen, die ihre Gastgeber, die Spanier, über Monate erduldeten, um den heftigen Corona-Ausbruch im Land einzudämmen. Dieser Erfolg wird nun aufs Spiel gesetzt von Mallorca-Touristen. Nur so, aus Spaß.

Fahrlässigkeit ist aber auch der örtlichen Verwaltung und der Polizei vorzuwerfen. Sie achten nicht allzu streng auf die Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln. Sie schauen weg, wohl auch auf Druck der Tourismusbranche.

So aber droht einzutreten, wovor Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt: dass der Ballermann zu einem zweiten Ischgl wird. Dass sich das Virus mit den ein- und ausreisenden Mallorca-Urlaubern über ganz Europa verbreitet wie bereits zu Beginn des Jahres, als Skiurlauber den Erreger von Österreich aus in alle Richtungen streuten.

Gewiss geht nicht nur vom Tourismus auf Mallorca das Risiko hochschnellender Infektionszahlen aus. Es besteht überall dort, wo Menschen kommen und gehen und in der Zeit dazwischen sorgenfrei und ausgelassen leben wollen. Kurzum: wo Urlaubsstimmung herrscht. Die Bilder aus Mallorca, aber auch solche von der deutschen Küste bei gutem Wetter führen vor Augen, dass Urlaubsroutinen mitunter schwer in Einklang zu bringen sind mit den Verhaltensanforderungen in einer Pandemie. Abstand halten ist das Gebot dieser Zeit. Aber nichts liegt dem Massentourismus ferner.

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Spahn: Ballermann soll nicht zum zweiten Ischgl werden
1:54 min
Bundesminister Jens Spahn sagte, die Gefahr einer zweiten Infektionswelle könne nur durch Einhalten der Hygieneregeln - auch auf Reisen - eingehalten werden.  © Reuters

Einfach mal abschalten? Vielleicht nächstes Jahr

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Allmählich reift die Erkenntnis heran, dass der allseits ersehnte Urlaub trotz Corona mehr Illusion als Wirklichkeit ist. Jedenfalls dann, wenn Urlaub gleichgesetzt wird mit: “einfach mal abschalten”, “die Seele baumeln lassen” oder “Fünfe gerade sein lassen”. Fürs Erste gibt es keinen Urlaub von Corona. Es gibt nur Urlaub mit Corona.

Aufgabe der Politik ist es, dafür zu sorgen, dass sich in der Bevölkerung nicht ein Eindruck trügerischer Sicherheit breitmacht. Dazu gehören klare Ansagen zur Maskenpflicht, zu Abstands- und Quarantäneregeln. Zur Not müssen diese gesetzlich durchgesetzt werden – etwa gegenüber Fluggesellschaften, die Reisende in ausgebuchten Maschinen befördern.

Theoretische Lockerungsdebatten, etwa zum Verzicht der ohnehin nur in wenigen Situationen erforderlichen Maske, schaden dem Gesundheitsschutz. Sie schaden auch profilierungsbestrebten Politikern, die diese Debatten anstoßen. Die meisten Bürger wissen um die Notwendigkeit, sich und andere zu schützen. Sie wissen, dass es einen vernünftigen Mittelweg gibt zwischen Isolation und Massenexzess – daheim wie auf Reisen.

Er erfordert nicht viel mehr als etwas Disziplin und den Abschied von der Vorstellung, dies sei ein gewöhnlicher Sommer. Das ist er nicht.

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