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Wieder mehr Gästebuchungen nach coronabedingtem Einbruch

Polens Tourismusbranche investiert in die Infrastruktur und erwartet mehr Urlauber aus Deutschland

Die altehrwürdige Hafenstadt Gdansk (Danzig) an der Ostseeküste Polens gehört zu den Besuchsmagneten für deutsche Urlauber.

Die altehrwürdige Hafenstadt Gdansk (Danzig) an der Ostseeküste Polens gehört zu den Besuchsmagneten für deutsche Urlauber.

Berlin. Mit 15,5 Millionen Übernachtungen hat Polens Tourismusbranche im ersten Quartal 2022 ein drei Mal so großes Ergebnis erzielt wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Allerdings hatte das Beherbergungsgewerbe 2021 und 2020 coronabedingt auch einen massiven Einbruch erlebt.

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„Wir kämpfen uns gerade zurück in normale Zeiten“, sagte Konrad Guldon, Direktor des Polnischen Fremdenverkehrsverbandes in Berlin, im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Eine große Rolle spielen dabei die Gäste aus Deutschland, bilden sie doch die größte Gruppe der aus dem Ausland kommenden Touristen in Polen. Waren 2019 noch knapp 2,9 Millionen Deutsche zwei Tage oder länger zu Besuch im östlichen Nachbarland, ging diese Zahl in den Pandemiejahren 2020 und 2021 auf 2,4 beziehungsweise 1,9 Millionen zurück.

„Wir haben viel in die Infrastruktur, in neue Marinas, Straßen, Rad- und Wanderwege investiert, das zahlt sich jetzt aus“, sagt Guldon und nennt als Beispiel die Kur- und Hafenstadt Kolberg in der Woiwodschaft Westpommern, die nun in drei Stunden von Berlin aus mit dem Auto erreichbar ist.

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Die polnische Ostseeküste steht auf der Beliebtheitsskala deutscher Touristen ganz oben, gefolgt von den Masuren und dem Hirschberger Tal, wo sich im 19. Jahrhundert der preußischen Hochadel prächtige Schlösser und Parks errichten ließ.

In den ersten Wochen dieses Jahres sah es nach Guldons Worten ganz danach aus, als würde die Branche 2022 einen neuen Rekord einfahren, doch dann kam am 24. Februar Russlands Angriff auf die Ukraine und mit ihm ein Buchungseinbruch.

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Die einen Gäste gehen, die nächsten kommen und zwischendrin sorgen Reinigungskräfte für ein sauberes Ferienquartier. Nicht selten erwartet die Putzfrauen und -männer eine Überraschung.

„Die Leute haben nicht nur nicht mehr gebucht, sie haben auch bereits gebuchte Reisen wieder abgesagt und storniert.“ Es sei eine richtige Panik zu spüren gewesen, beschreibt der polnische Tourismusmanager die Situation.

Ab Mai setzte dann zaghafte eine Welle von Neubuchungen ein, die sich immer weiter aufbaute, so dass die Branche jetzt wieder optimistisch in den Spätsommer und Herbst blickt. „Unser Trumpf ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, mit dem wir die Touristen auch im Spa- oder Wassersportbereich überzeugen“, sagt Guldon. Es gebe tolle Hotels und schöne Restaurants mit fairen Angeboten.

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Deutschland ist für den polnischen Tourismus der wichtigste Markt, die meisten Gäste kommen aus den nahegelegenen Bundesländern wie Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, die von Guldon scherzhaft „unsere Alliierten aus der DDR“ genannt werden.

Aber auch Nordrhein-Westfalen spiele mit seiner großen polnischen Community eine wichtige Rolle. Es folgen Gäste aus Großbritannien, wo ebenfalls viele Polen leben, und dann Tschechien auf Platz 3, das als Binnenland seinen eigenen Urlaubern keine Strände bieten kann.

Früher seien auch viele Russen in die polnischen Urlaubsregionen gekommen, aber mit dem Angriff auf die Ukraine habe sich das erledigt. „Der Krieg macht vieles kaputt“, sagte Guldon.

Reserven sieht der Manager noch im Wintersport, wo man sich jetzt auf Angebote für deutsche Skilangläufer konzentriert und im Tagungstourismus.

Einen großen Schub erhofft man sich vom 61. Internationalen Tourismuskongress (ICCA) unter dem Motto „Together We Can“ vom 6. bis 9. November in Krakau. Das Zentrum für internationale Kultur, Kunst und Wissenschaft erwartet dann rund 1000 Vertreter der Reise-und Eventbranche aus aller Welt.

Jüngstes Beispiel des deutsch-polnischen Brückenschlags ist die alte Eisenbahnquerung über die Oder zwischen Siekierki (Zäckerick) in Westpommern und Neurüdnitz in Brandenburg. Jahrzehntelang ungenutzt, wurde die Brücke wieder instandgesetzt und Ende Juni feierlich für den grenzüberschreitenden Rad- und Wandertourismus freigegeben.

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