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Tourismusverband: Europäische Inseln könnten Osterurlaub retten

  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dem innerdeutschen Osterurlaub eine Absage erteilt.
  • Dafür erntet er Kritik und Unverständnis aus der Tourismusbranche, die betont, dass das Reisen an sich kein Infektionstreiber sei.
  • Sollte sich das Verbot durchsetzen, könnten europäische Inseln deshalb als Alternative dienen.
Lilly von Consbruch
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Berlin. Urlaubsreisen in den Osterferien könnten die Infektionszahlen in Deutschland wieder in die Höhe schnellen lassen. Deshalb hat sich unter anderem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dafür ausgesprochen, Reisen innerhalb Deutschlands in den Ferien zu verbieten.

Kritik dafür gab es nicht nur aus Bayern und Berlin, sondern auch aus der Tourismusbranche. Das Reisen an sich sei kein Infektionstreiber, heißt es dort, denn es komme nicht darauf an, wo man sich aufhalte, sondern, wie man sich verhalte. Sollten in den Osterferien Reisen innerhalb Deutschlands tatsächlich untersagt werden, könnten trotzdem europäische Reiseziele angesteuert werden.

Die Lust der Menschen am Reisen sei nach wie vor ungebrochen, sagte der Präsident der Allianz selbständiger Reiseunternehmen (ASR), Jochen Szech, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch deshalb rechne die ASR trotz der aktuellen Debatte „mit einer ansteigenden Nachfrage und mehr Buchungen kurz vor den Osterferien zu allen Zielen, die es ermöglichen, den Urlaub unbeschwert zu genießen“.

Dazu zählten auch zahlreiche europäische Inseln, aktuell seien das alle griechischen Inseln, Madeira und Zypern, auch Korsika und die dänischen und schwedischen Inseln kämen nach heutigem Stand in Frage. „Aktuell gehen fast überall in Europa die Infektionszahlen zurück. Wir rechnen daher mit weiteren Zielen, die zu Ostern wieder in Frage kommen, eventuell auch einige der spanischen Inseln“, sagte Szech. Ob Reisen an diese Ziele zu Ostern wirklich möglich sein werden, hängt jedoch auch von Regelungen ab, die andere europäische Länder treffen, um sich selbst vor der weiteren Einschleppung des Coronavirus zu schützen. So gilt etwa in Griechenland derzeit noch eine einwöchige Quarantänepflicht für Einreisende.

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Fehlende Flugkapazitäten könnten Hindernis sein

Marija Linnhoff, erste Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbständiger Reisebüros, geht ebenfalls davon aus, dass Reisen nach Teneriffa, Gran Canaria oder auch kurzfristig nach Mallorca zumindest theoretisch möglich sein könnten. Trotzdem rechnet sie anders als Szech nicht mit einem erhöhten Ansturm auf diese Ziele. „Selbst wenn die Menschen reisen wollten, die Flugkapazitäten sind einfach nicht vorhanden, und ich glaube nicht, dass diese bis Ostern aufgestockt werden.”

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Noch hielten sich die Länder mit Eigenwerbung zurück, einzig Griechenland habe gezeigt, dass es sich „sehr gewissenhaft und vorbildlich auf den Start vorbereitet“, teilte eine Sprecherin von DER Touristik mit. Auch der Präsident der ASR betonte: „Noch lockt niemand, und das ist gut so: Diese schreckliche Pandemie hat Tod und Leid über die ganze Welt gebracht.“ Ein Unterbietungswettbewerb à la ‚Wo ist die Inzidenz am niedrigsten?‘ wäre da geschmacklos.“ Alle Zielgebiete seien sich ihrer Verantwortung gegenüber den internationalen Gästen und der eigenen Bevölkerung bewusst, die Hygienemaßnahmen hätten europaweit einen sehr hohen Standard erreicht, der dem in Deutschland in nichts nachstehe.

Kritik an Kretschmer und Lauterbach

Die aktuelle Debatte um die Absage des Osterurlaubs trifft in der Tourismusbranche auf wenig Verständnis. Sie sei „völlig verfrüht und für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Jochen Szech. „Nach wie vor gilt: Nicht das Reisen an sich treibt die Infektionen hoch – es ist immer das Verhalten jedes Einzelnen, und da ist es egal, ob Berlin oder Balearen.“ Hinzu komme, dass Urlauber, die sich ein Ferienhaus auf einer dänischen Insel oder eine Finca auf Madeira mieten würden, eher weniger Kontakte zu anderen Menschen hätten, als dies bei Osterspaziergängen in den Ballungsgebieten der Fall wäre.

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Ähnlich verständnislos äußerte sich Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands: „Wenn ein Ministerpräsident zum jetzigen Zeitpunkt ohne jede Not bereits den Osterurlaub totredet, verunsichert dies die Menschen weiter und schiebt die von der Pandemie extrem gebeutelte Reiseindustrie noch ein Stück näher an den Abgrund. Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus.“

Denn für Planungssicherheit fehlten der Branche vor allem drei Dinge, betonte Marija Linnhoff: „Der Appell an die Eigenverantwortlichkeit, die Schnelltests am Flughafen beziehungsweise an Grenzübergängen und die Impfungen sind die Faktoren, die uns einen Einstieg in einen normalen Arbeitsalltag ermöglichen würden. Aber das bekommt die Bundesregierung offensichtlich nicht in den Griff.“

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