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  • Unwetter-Wahlkampf: Laschet, Baerbock, Scholz - so reagieren die Kanzlerkandidaten auf die Hochwasser-Katastrophe

Pack die Gummistiefel ein – so reagieren die Kanzlerkandidaten auf das Hochwasser

  • Hochwasser in Wahlkampfzeiten: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet fährt ins Hochwassergebiet und versichert, es gehe nur um Hilfe – sorgt aber dafür, dass es plakative Bilder gibt.
  • Olaf Scholz reist natürlich nur als Finanzminister an.
  • Und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bricht ihren Urlaub ab.
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Berlin. Die Lage erinnert an einen Wahlkampf vor fast 20 Jahren. 2002 stapfte der damalige Kanzler Gerhard Schröder in schwarzen Gummistiefeln durch das vom Elb-Nebenfluss Mulde überflutete Grimma. Eine Bundestagswahl stand bevor, CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber, der der SPD Regierungsunfähigkeit vorgeworfen hatte, blieb dem Katastrophengebiet fern.

Die SPD gewann die Wahl knapp. Seitdem gilt die Fähigkeit, besonders schnell in Gummistiefel zu schlüpfen, als wahlkampfentscheidend.

Absage an die CSU

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Die erste Kanzlerinnen-Aspirantin, die auf die aktuelle Hochwasserlage reagiert, ist Annalena Baerbock: „Meine Gedanken sind heute bei den Menschen im Westen und Osten Deutschlands, deren Straßen und Häuser durch Starkregen überschwemmt werden“, twittert die Grünen-Kanzlerkandidatin am Mittwochabend aus dem Urlaub.

Sie dankt den Einsatzkräften und zeigt sich erschüttert über die Toten.

Am Donnerstagvormittag zieht SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz nach. Die Hochwasser-Nachrichten „alarmieren und schockieren“, twittert er.

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Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet braucht eine Weile, bis er sich zeigt. Er ist eigentlich auf Wahlkampftour in Süddeutschland. Aber die Teilnahme an der Klausur der CSU-Landesgruppe im malerischen bayerischen Kloster Seeon sagt er ab – und entgeht damit ganz nebenbei einer Auseinandersetzung um die Steuerpläne der Union.

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Schließlich rauscht das Hochwasser durch Nordrhein-Westfalen, wo Laschet Ministerpräsident ist. Und mit dem Wasser wird auch die Klimawandelfrage wieder nach oben gespült, das Hauptthema der Grünen. Der heftige Regen der vergangenen Tage lässt sich mit einer durch die Erderwärmung veränderten Wetterlage erklären.

Zwischen Kümmern und Show

Laschet fährt ins überflutete Hagen. Er übernachtet dort, am Donnerstagvormittag lässt er sich die Schäden im ebenfalls schwer betroffenen 30 Kilometer entfernten Altena zeigen, ohne Journalistenbegleitung.

Es ist ein schmaler Grad bei solchen Auftritten, zwischen Kümmern und Show. Wegbleiben ist nicht gut, zu viel Getöse machen auch nicht, weil dann der Verdacht entstehen kann, dass es doch nicht um die Sache geht.

Überflutete Straßen in Altena nach schweren Regenfällen. Altena im Sauerland war nach Erdrutschen und Überschwemmungen zeitweise nicht mehr zu erreichen. © Quelle: Markus Klümper/dpa

Die Wahlkampftour sei abgebrochen, man müsse in solche Situationen als Ministerpräsident bei den Menschen vor Ort sein, sagt Laschet, als er gegen Mittag nach einem Gespräch mit dem Hagener Krisenstab vor die Presse tritt. Ein Feuerwehrauto dient als Kulisse. „Das ist keine Frage, mit der man Bilder erzeugen will. Das ist eine zu ernste Lage“, fährt er fort. Er lobt die Krisenreaktion vor Ort, bedauert die Opfer, ruft zu Solidarität auf, sagt schnelle Hilfen der Landesregierung zu. Dass die Klimapolitik wichtig sei, wisse er schon lange, schnappt er auf entsprechende Nachfragen.

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Die Ortsgemeinde Schuld in der Eifel wurde vom schweren Unwetter besonders hart getroffen. RND-Chefreporter Thorsten Fuchs war vor Ort.  © RND

Die Bilder, die er angeblich nicht erzeugen will, gibt es aber dann doch. Aus Altena hat sich Laschet schon vor dem allgemeinen Pressetermin mit der „Bild“-Zeitung verbinden lassen – ein Kurzinterview vor überfluteter Straße. Und auch ein Fotograf der Staatskanzlei dokumentiert Laschets Waten durch das Hochwasser – in schwarzen Gummistiefeln.

Und dann macht sich auch noch Olaf Scholz noch auf ins Hochwassergebiet, nicht in Laschets Hoheitsgebiet NRW, sondern ins ebenfalls betroffene Rheinland-Pfalz, wo die SPD regiert. Die Schäden seien immens, lässt Scholz wissen. „Da muss der Bund mit anpacken.“

Natürlich kommt also auch er nicht als Kanzlerkandidat, sondern als Bundesfinanzminister. In den Umfragen liegt der einst enge Vertraute Schröders derzeit in etwa gleichauf mit Baerbock.

Die Grünen teilen mit, Kanzlerkandidatin Baerbock informiere sich laufend über die Situation vor Ort. Sie werde ihren Urlaub abbrechen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung hatten wir den sächsischen Ort Grimma an die Elbe verlegt. Er liegt aber an der Mulde. Wir haben dies korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

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