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Unser neuer Newsletter: “Die Schicksalswahl – der Kampf ums Weiße Haus”

  • Drei Monate vor der Wahl erscheint Donald Trump politisch verwundbarer denn je.
  • Sein neuestes Problem: Der Präsident, der die Jungen nie gewann, verliert nun auch das Vertrauen der Alten.
  • Die Demokraten machen sein Versagen in der Corona-Krise gnadenlos zum Thema – und drücken dabei auch auf die Tränendrüse.
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Liebe Leserinnen und Leser,

wann je stand bei einer US-Präsidentschaftswahl so viel für so viele auf dem Spiel? Die Amerikaner entscheiden am 3. November nicht nur über Donald Trump und nicht nur über ihr eigenes Land. Sie entscheiden auch über die Zukunft der Welt.

Geht es mit Trump noch mal vier Jahre weiter im Rückwärtsgang in Richtung von mehr Nationalismus, Spaltung und Hass? Oder wendet sich Amerika wieder dem Gedanken an eine gemeinsame Zukunft zu und entwickelt kluge, kooperative Konzepte, auch und gerade angesichts der Pandemie?

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90 Tage sind es noch bis zum historischen Wahltag. Mit unserem Newsletter “Die Schicksalswahl – der Kampf ums Weiße Haus” wollen wir Ihnen helfen, bis dahin stets auf dem neuesten Stand zu bleiben. Einmal in der Woche, am Dienstag um die Mittagszeit, fassen wir die Lage zusammen: Wer liegt vorn, wer holt auf? Welche Themen könnten in den nächsten Wochen wahlentscheidend wirken? Welche neuen Tendenzen sind erkennbar, vor oder hinter den Kulissen?

Die Schicksalswahl Der wöchentliche USA-Newsletter mit Hintergründen und Analysen zur Präsidentschaftswahl in den USA.

Wer gewinnt die Alten?

Amerikas ältere Leute waren bei der vorigen Wahl im Jahr 2016 eine wichtige Stütze für Trump. Neuerdings aber liegen Joe Biden und seine Demokraten bei den Alten vorn, laut einer Umfrage von ABC News und “Washington Post” mit 51 zu 46 Prozent.

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Auffällig ist das Minus für Trump in jenen Staaten, in denen, Florida vorneweg, derzeit das Coronavirus besonders stark wütet. Inzwischen haben die Demokraten eine gnadenlose Werbekampagne anlaufen lassen, die auf ältere Menschen in gleich sechs Staaten zielt, die Trump vor vier Jahren knapp gewonnen hatte: Florida, Arizona, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin. 14,5 Millionen Dollar fließen derzeit allein in diese Aktion.

In einem Werbespot der US-Demokraten spricht Jessica Alvarado aus Greenfield, Wisconsin, über ihre Großmutter, die an Covid-19 gestorben ist. Es sei ein großer Fehler von Trump gewesen, dass er lange Zeit die Gefahren durch das Virus heruntergespielt habe. Aber das Schicksal von Menschen wie ihrer Großmutter sei der Regierung offenkundig nicht so wichtig gewesen (”I feel like my grandmother didn’t matter”). Dass die alte Frau am Ende dann auch noch ganz allein habe sterben müssen, breche ihr das Herz, sagt Jessica – und ihre letzten Worte gehen in Tränen unter.

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Aus deutscher Sicht mag das kitschig erscheinen oder makaber. In den USA aber wird nun mal der Gegenseite in Wahlkämpfen nichts geschenkt.

Auch der aktuelle Trump-Spot zur inneren Sicherheit ist alles andere als zimperlich. Man sieht dunkle Gestalten vor lodernden Flammen – und der Notruf der Polizei ist nicht besetzt. Biden und seine Demokraten, so lautet der Vorwurf der Trumpisten, setzten sich für Kürzungen im Polizeietat ein – was Biden leugnet. Auch diese Kampagne hat die Ältere und ihre Ängste fest im Blick: “Sie werden nicht sicher sein in Joe Bidens Amerika.”

“Sie werden nicht sicher sein in Joe Bidens Amerika”: Wahlspot der Trump-Kampagne. © Quelle: Donald J. Trump for President

Coming up: Kamala Harris gegen Nikki Haley?

Nachdem Hillary Clinton 2016 nicht die erste Präsidentin werden konnte, scheint die Zeit jetzt zumindest mehr als reif zu sein für die erste Vizepräsidentin in der Geschichte der USA.

Joe Bidens Leute haben die Entscheidung über eine Vizepräsidentenkandidatin “für die nächsten Tage” angekündigt – was wiederum schon einige Tage her ist.

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Die Spannung wächst – auch weil Biden nie gesagt hat, er strebe eine weitere Amtszeit an. Die Vizepräsidentin müsste sich also idealerweise schon mal wie eine Co-Präsidentin einspielen – und dann 2024 als Präsidentschaftsbewerberin antreten. Zuzutrauen ist dies unter der Vielzahl von Aspirantinnen am ehesten der energiegeladenen kalifornischen Senatorin Kamala Harris. Aber hat Biden das Format, eine politische Figur an seine Seite zu holen, die ihn vom ersten Tag an überstrahlen würde? Die ihn härter anging als andere, als noch die Vorwahlen der US-Demokraten liefen? Kenner der Szene sagen: So etwas würden nur wenige in Washington fertigbringen, Biden aber gehöre zu diesem kleinen Kreis der ganz Großen.

Bald Vizepräsidenschaftskandidatin der Demokraten? Kamala Harris (56), Senatorin aus Kalifornien.

Die Nominierung einer Frau durch Biden könnte sowohl Trump als auch seinen Vize Mike Pence alt aussehen lassen. Kontern am Ende auch die Republikaner mit einer Frau? Mehrfach hat Trump zwar seine Treue zu Pence betont. Doch der Präsident könnte geneigt sein, für eine Überraschung zu sorgen, etwa mit Nikki Haley, seiner früheren UN-Botschafterin.

In beiden Nominierungen läge für Land und Leute in den USA nicht nur etwas Vorwärtsweisendes, sondern auch etwas Integrierendes. Haleys Eltern sind aus Indien eingewandert, bei Harris kam die Mutter ebenfalls aus Indien, der Vater aus Jamaika. Beide Töchter sind Überflieger, beide sind pragmatisch, beiden wird zugetraut, ihre Parteien in die Zukunft zu führen. Beide haben auch ihre Schwächen. Aber wenn sie auf die Bühne kommen, könnte dies auf viele Amerikaner wirken wie ein Silberstreif an einem düsteren Horizont.

Bald Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner? Nikki Haley (48), frühere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. © Quelle: Getty Images

Das jüngste Gerücht: Geht es Trump nicht gut?

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Spekulationen um seinen Gesundheitszustand begleiten den US-Präsidenten schon lange. Die jüngste Welle von Gerüchten kam am vergangenen Wochenende auf, als ein für den Präsidenten unvorteilhaftes Foto die Runde machte. In sozialen Netzwerken hieß es, man sehe an Trumps rechtem Handrücken einen Bluterguss, der von einer intravenösen Medikamentengabe stammen könne.

Am 1. August trifft Donald Trump im Weißen Haus ein – nach offiziellen Angaben war er zuvor in seinem Golfclub im nahen Virginia. © Quelle: Patrick Semansky/AP/dpa

Bereits im Juni dieses Jahres war aufgefallen, dass Trump bei einem Auftritt an der Militärakademie West Point Mühe hatte, eine schräge Rampe hinunterzugehen. Ebenfalls im Juni griff Trump mehrfach mit beiden Händen zu, um ein Glas Wasser zu seinem Mund zu führen.

Neu ist, dass jetzt Szenen wie diese zu Kurzfilmen zusammengeschnitten und digital herumgereicht werden. Twitter registriert unter dem Hashtag #TrumpIsNotWell viel Aktivität. Inzwischen erheben sich schon mahnende Stimmen: Im Wahlkampf drohe mehr denn je eine parteipolitische Ausschlachtung des Physischen. Anhänger der Demokraten mahnten, man solle keine Steine aus dem Glashaus werfen.

Tatsächlich hatte Biden schon oft Wortfindungsprobleme, ebenfalls vor laufenden Kameras. Mehr als einmal wurde Biden deshalb von Trump öffentlich verspottet.

Im Sommer des Wahljahrs 2020 aber ist Trump selbst zum Hauptobjekt des Spotts geworden – nach seinem legendären Interview mit dem Sender Fox. Darin erzählt Trump von einem Test, den er mit Bravour bestanden habe. Es ging unter anderem darum, ob er sich die Wörter “person, woman, man, camera, TV” merken könne, und zwar in der richtigen Reihenfolge, “dafür gab es Extrapunkte”. Immer wieder zitiert Trump in dem Interview die fünf Wörter, die er habe behalten können: “Es ist nicht einfach, für mich aber war es einfach.”

Dieser unfassbare Stolz gibt dann eben doch Anlass zum Zweifel an seiner Eignung zur Präsidentschaft: Im Weißen Haus sitzt jetzt ein Mann, der mit dem Bestehen eines Demenztests mehr prahlt als seinerzeit Barack Obama, nachdem er den Friedensnobelpreis bekam.

Zahlen vor den Wahlen

Interessant sind in den USA nicht so sehr die nationalen Zahlen oder Sympathiewerte. Vielmehr muss jeder Einzelstaat betrachtet werden. Denn der Gewinner bekommt in fasst jedem Staat komplett dessen Wahlmänner zugeschlagen (ausgenommen Nebraska und Maine, wo Sonderregelungen gelten).

Das Wahlmännergremium zählt 538 Köpfe. Wer 270 oder mehr entsendet, hat gewonnen. Um nichts anderes geht es.

Einen guten Überblick über die Lage in den Bundesstaaten gibt die überparteiliche Webseite 270 to Win. Hier laufen sehr viele Zahlen zusammen, und der große Vorteil ist, dass der Nutzer selbst bestimmen kann, welchen einzelnen Umfrageinstituten er trauen und folgen will oder ob er zusammengerechnete sogenannte Konsenszahlen darstellen lässt. Als Foto abgebildet ist hier das sogenannte Konsensmodell, Stand 4. August 2020, 12 Uhr.

Drei Monate vor einer Wahl kann naturgemäß deren Ausgang nicht prognostiziert werden. Jedoch lassen sich einige für Trump belastende Ergebnisse und Tendenzen festhalten.

  1. Trump und seine Republikaner könnten, wenn am heutigen Dienstag gewählt würde, sechs Staaten, die sie 2016 gewannen, nicht mehr bekommen: Florida, Arizona, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin. Damit hätten sie mit großem Abstand verloren.
  2. Der zahlenmäßig mit Abstand wichtigste Battleground-Staat ist Florida – mit einem engen Rennen und 29 Wahlmännern. Innerhalb Floridas wiederum scheint der Trend in Richtung der Demokraten zu gehen. Die “Tampa Bay Times” berichtet, Joe Biden erreiche derzeit bei Umfragen in Florida höhere Werte, als sie Hillary Clinton und Donald Trump je hatten.
  3. Im bevölkerungsreichen Texas (38 Wahlmänner) übrigens hat der Rückhalt der Republikaner nachgelassen. Der einst klar rote Staat ist nur noch blass rosa – und wird derzeit von der Biden-Kampagne ebenfalls wie ein Battleground-Staat behandelt, mit hohen Geldausgaben für Werbekampagnen und Material.
© Quelle: 270 to win - 04. August 2020

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Zitate der Woche

Die Gemeinheit der Woche

Dass er “Florida mit seiner Dummheit tötet”, werfen Gegner des republikanischen Gouverneurs Ron DeSantis dem Regierungschef des Bundesstaats Florida vor. © Quelle: DeSantis for Covid Campaign, FL (USA)

Keine Wortspiele mit Namen – das ist eigentlich ein Gebot der Fairness im politische Wettbewerb. Floridas Gouverneur Ron DeSantis allerdings muss damit leben, dass er auf Großflächenplakaten in seinem Bundesstaat als “DeathSantis” angegriffen wird: Seine Gegner spießen die Tatsache auf, dass zuletzt jede Woche mehr als 1000 Corona-Tote allein in Florida zu beklagen waren. DeSantis war begeistert einem Aufruf seines Parteifreunds Trump gefolgt, die Nation schon im Mai “wiederzueröffnen”. Anfang Juli gab es dann noch an den Stränden und Partymeilen Floridas rauschende Feste zum Nationalfeiertag – alles ohne Masken. Inzwischen ist Florida der neue nationale Hotspot der Pandemie.

Gegen die persönlichen Attacken kann DeSantis nicht viel machen, insbesondere kann er nicht die Biden-Kampagne zur Ordnung rufen. Denn die Plakate sind nicht von ihr. Bezahlt und in Szene gesetzt hat die Aktion ein rühriger Privatmann, der Rechtsanwalt Daniel Uhlfelder aus Santa Rosa Beach, ein Mann mit knapp 170.000 Followern auf Twitter. Inzwischen spenden Privatleute für die Ausdehnung der Kampagne. Schwarze T-Shirts mit “DeathSantis” als Sensenmann gibt es bereits in allen Größen, bis 5XL – für nur 17 Dollar. Auch das ist Amerika.

Wir hoffen, unser erster Newsletter zu den Wahlen in den USA hat Ihnen gefallen.

Bleiben Sie mit uns am Ball!

Ihr Matthias Koch

PS: Alle Infos zur US-Wahl finden Sie jederzeit auf unserer Themenseite.

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