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Brief an afghanischen Präsidenten: Neuer US-Außenminister sorgt für Ärger

  • US-Außenminister Antony Blinken hat einen Brief an den afghanischen Präsident Aschraf Ghani geschrieben.
  • Darin macht er Vorschläge, wie der Friedensprozesses in Afghanistan beschleunigt werden kann.
  • Afghanische Politiker sind erbost über den Tonfall.
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Kabul. In Afghanistan hat am Montag ein Brief von US-Außenminister Antony Blinken an Präsident Aschraf Ghani Aufregung und Verärgerung ausgelöst.

In dem Schreiben, das von lokalen Medien veröffentlicht wurde und für dessen Inhalt es keine offizielle Bestätigung gibt, macht Blinken Vorschläge, wie der afghanische Friedensprozesses beschleunigt werden kann. Afghanische Politiker brachten vor allem über den im Brief angeschlagenen Ton ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck.

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Blinken forderte in dem Brief Medienberichten zufolge Ghanis „dringende Führung“ ein. Zugleich appellierte er, „die Dringlichkeit meines Tons zu verstehen“. Das Schreiben bezeichnete die „New York Times“ als „ungewöhnlich unverblümt“. Es spiegele die US-amerikanische Frustration über die „oft unnachgiebige Haltung“ des afghanischen Präsidenten in festgefahrenen Friedensgesprächen wider.

Ghani-Berater Mohammed Mohakik kritisierte in einer Rede am Montag den „diktierenden Ton“ des Briefes. Das Schreiben sage mehr oder weniger: macht Frieden, denn wir sind bereit, euer Land zu verlassen.

„Befehl und Drohbrief“

Bei der gleichen Veranstaltung sagte ein sichtlicher erzürnter Vizepräsident Amrullah Saleh, dass man das Bedürfnis nach Frieden habe, „aber keinen diktierten Frieden“. Der Parlamentarier Arif Rahmani schrieb auf Twitter, das Schreiben sei ein „Befehl und ein Drohbrief“.

In dem Brief selbst schlägt Blinken den Berichten zufolge eine sofortige diplomatische Abstimmung der wichtigsten Partner Afghanistans auf Außenministerebene vor, eine dreimonatige Reduzierung der Gewalt, die eine Frühjahrsoffensive der Taliban verhindern soll sowie eine Friedenskonferenz in der Türkei.

Die USA hätten noch nicht entschieden, ob sie, wie mit den Taliban im Vorjahr vereinbart, zum 1. Mai aus Afghanistan abzögen, hieß den Berichten zufolge weiter. Blinken habe sich zudem besorgt darüber geäußert, dass sich bei einem US-Rückzug die Sicherheitslage verschlechtere und die Taliban rasche Gebietsgewinne erzielen könnten.

RND/dpa

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