Unions-Krise: Die Grünen geben sich staatstragend

  • Angesichts der Unruhe in der Union nach der Rückzugsankündigung von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer können auch die Grünen Neuwahlen nicht mehr ausschließen.
  • Überdies stellt sich die Kanzlerkandidatenfrage mit neuer Dringlichkeit.
  • Doch die Partei reagiert gelassen.
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Berlin. Die Grünen stellt die Krise der CDU vor zwei Fragen – vor zwei komfortable Fragen allerdings. Die erste Frage lautet: Wie verhalten sie sich zu etwaigen Neuwahlen? Die zweite Frage lautet: Wer wird Kanzlerkandidatin – oder Kanzlerkandidat?

Was die Neuwahlen anbelangt: Die Grünen fordern sie nicht. Sie müssten sie aber auch nicht fürchten. Dazu sind die Umfragen einfach seit Monaten viel zu gut. Die Zahl der Mitglieder wächst, die Kampagnenfähigkeit damit im Prinzip ebenfalls.

Der Politische Bundesgeschäftsführer der Partei, Michael Kellner, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) denn auch: „Es ist mein Job als Bundesgeschäftsführer, auf alles vorbereitet zu sein. Ich bin leidenschaftlicher Wahlkämpfer.“ Freilich schränkte er sogleich ein: „Es ist eine ernste Situation für das Land.“

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Darum müsse die Union jetzt „klären, wie sie dafür sorgen kann, dass die instabile Situation aus Thüringen nicht auf das Land überschwappt. Das ist es, was jetzt ansteht.“ Kein Zweifel: Die Ökopartei gibt sich weiter staatsmännisch - und verantwortungsbewusst.

Baerbock oder Habeck

Mit der Kanzlerkandidatenfrage verhält es sich etwas schwieriger. Dass die Grünen einen solchen Kandidaten ins Rennen schicken, weil sie es angesichts der Umfragen einfach müssen, daran besteht kein Zweifel mehr. Auch verlautete bereits am Rande des Parteitages Ende November in Bielefeld, wie das Verfahren sein werde.

Demnach würden sich Annalena Baerbock und Robert Habeck irgendwann zusammensetzen, womöglich im Beisein von anderen, und das Thema unter sich ausmachen. Man könne der Partei nicht zumuten, zwischen zwei derart populären Spitzenleuten eine Auswahl zu treffen, hieß es. Das müssten diese schon selbst klären.

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Wer das Rennen macht, ist ziemlich offen. Bis zum Parteitag galt Habeck wegen seiner großen Beliebtheit in der Bevölkerung als Favorit. Auch bei vielen Medien schien der 50-Jährige im Vorteil zu sein. Andererseits gilt Baerbock seit geraumer Zeit als diejenige, die bei den Grünen die Fäden zieht und inhaltlich in manchen Fragen sattelfester ist.

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Habecks spontan geäußerte Kritik an US-Präsident Donald Trump am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos machte zwar einen sympathischen Eindruck, zeigte indes, dass Habeck zu Risiken neigt, zu denen Baerbock nicht neigt. Und schließlich bekam sie in Bielefeld mit 97,1 Prozent ein sensationelles Ergebnis.

Gemeinsame Entscheidungen

Für Baerbock spricht, dass die Union aller Voraussicht nach mit einem Mann als Kanzlerkandidat antreten dürfte. Das könnte für die Grünen den Reiz erhöhen, mit einer Frau dagegen zu halten – erst recht wenn dieser Unionskandidat Friedrich Merz sein sollte. Dann könnte Baerbock tatsächlich Kanzlerin werden. Offen ist, ob die 39-Jährige überhaupt will; sie hat zwei kleine Kinder.

Geschäftsführer Michael Kellner sagte zu dem Thema nur: „Grundsätzlich gilt: Wir werden alle notwendigen Entscheidungen treffen, wenn sie zu treffen sind – gemeinsam und rechtzeitig vor einer Bundestagswahl. Das gilt auch für eine etwaige Kanzlerkandidatur.“ Mehr sagte er nicht.