• CSU-Spitzenkandidat Alexander Dobrindt musste sich erst aus der Gedankenwelt von Horst Seehofer lösen, um die eigene Karriere unter Parteichef Söder zu retten.
  • Statt „konservativer Revolution“ gab es einen Reformkurs.
  • Für den Wahlsieg sieht die Union trotz historischer Umfragetiefs nun noch die Chance zur Trendwende.
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Berlin. Bäume zu umarmen ist nichts für Alexander Dobrindt. Erstens ist der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag anders als Parteichef Markus Söder gar nicht der Typ dafür, so aus sich herauszugehen. Zweitens kann er die Grünen ganz und gar nicht leiden und will deswegen auch deren Symbole nicht für sich vereinnahmen.

Eigentlich passen allerdings auch Dobrindt und Söder überhaupt nicht zusammen. Um erster Mann der CSU in Berlin zu bleiben, musste Dobrindt keinen Baum, sondern den Parteivorsitzenden umarmen. Er tat es. Sonst wäre seine Karriere auch beendet gewesen. So aber konnte er sich die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl sichern.

Horst Seehofer und Alexander Dobrindt (links) von der CSU.
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Der Landesgruppenchef war ein Mann von Horst Seehofer und in dessen alten Gut-und-Böse-Schemata der Politik verhaftet. Nachdem Söder so erbittert wie erfolgreich Seehofer 2018 erst die Macht als bayerischer Ministerpräsident und 2019 auch als Parteichef abgenommen hatte, tauchte Dobrindt kaum noch mit großen Reden in der Öffentlichkeit auf. Dabei hatte er 2018 noch von einer „konservativen Revolution“ gesprochen. Söder drängte jedoch in die Mitte.

Der Parteichef habe die CSU in kürzester Zeit auf Reformkurs getrimmt, heißt es in München. Dobrindt und auch Generalsekretär Markus Blume hätten schließlich mitgezogen. Blume bejubelt Söder öffentlich, und Dobrindt kommt im Wahlkampf wieder aus der Deckung.

Allerdings auch mit altem Wein in neuen Schläuchen wie bei der TV-Diskussion der Spitzenkandidaten der kleineren Parteien am Montagabend, als er wie früher gegen die Grünen schoss, mit denen Söder durchaus eine Jamaika-Koalition bilden würde.

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Kampf gegen Laschet hat zusammengeschweißt

Zusammengeschweißt hat die drei Männer aber der für Söder verlorene Machtkampf mit CDU-Chef Armin Laschet um die Kanzlerkandidatur. Da sind sie sich einig, dass Söder viel besser geeignet gewesen wäre als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident – und taten es auch kund. Die Umfragen für die Union sanken in den Keller. Nun müssen sie gemeinsam mit Laschet die letzten Tage vor der Wahl zur Schadensbegrenzung nutzen. Denn nicht nur die Union im Bund, sondern auch die CSU in Bayern hat an Zustimmung verloren.

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Jetzt sprechen sie gleichlautend von einer „Trendwende“. Der CSU-Parteitag am Wochenende sei „toll“ gewesen, sagt Laschet, und Blume und Söder geben anders als bisher vor, dass auch Laschet toll sei und Kanzler werden müsse. Zarte Hoffnung kam am Dienstag mit einer Forsa-Umfrage für RTL/N-TV für die Union auf, die demnach wieder leicht im Aufwind – wenn auch weiter hinter der SPD ist.

Die SPD wollen sie nun stärker attackieren, im Wissen, dass es bei Wählerinnen und Wählern besser ankommt, eigene Vorzüge herauszustellen, als andere schlechtzumachen. SPD-Kanzlerkandidat und Finanzminister Olaf Scholz habe Schwächen beim Thema Verhinderung von Geldwäsche und Steuerbetrug durch Cum-ex-Geschäfte. Im Wahlkampf dürfe man auch die Samthandschuhe ausziehen, sagte Blume am Dienstag in Berlin. „Ich erkenne auch Anzeichen für eine Trendwende“, betonte er zugleich.

Video
Söder sieht erste Anzeichen einer Trendwende
1:12 min
Noch zeichnen die Wahlumfragen ein anderes Bild, aber CSU-Chef Markus Söder bleibt zuversichtlich, dass die Union das Rennen macht.  © dpa

Auch Bernd Althusmann, CDU-Chef in Niedersachsen, wo die Christdemokraten am Sonntag entgegen der Umfragen die Kommunalwahl gewannen, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: (RND): „Eine Trendwende ist eingeleitet.“ Die Niedersachsen-CDU habe gezeigt, dass die Union Wahlen gewinnen könne, „weil wir uns um die ganz normalen Menschen kümmern“. Und CDU und CSU wüssten, dass sie nur geschlossen stark seien. Söder werde seine Erfahrung und Kompetenz gemeinsam mit Laschet in die Waagschale werfen.

Wer nach der Wahl mehr Gewicht haben wird, gilt als offen. Gut möglich, dass sowohl Scholz als auch Laschet Mehrheiten unter ihrer Führung zustande bringen können.

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