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  • Union startet in den Wahlkampf - Laschet will kämpfen, Merkel unterstützt

Von „Ich werde kämpfen“ bis „Wir sind nicht am Ende“ – Wie die Union in den Wahlkampf startet

  • Die Umfragewerte der Union sind gesunken, der Frust ist gestiegen – der Hintergrund für den Wahlkampfauftakt von CDU und CSU könnte günstiger sein.
  • Kanzlerkandidat Armin Laschet versichert, er werde kämpfen, Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zur Unterstützung.
  • Und CSU-Chef Markus Söder versichert ungewöhnlich defensiv, die Union sei nicht ausgelaugt.
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Berlin. Eigentlich mache sie so etwas gar nicht, sagt Angela Merkel. Sie steht auf der Bühne einer Berliner Halle, Rednerpult vor ihr, hellblaue Wand mit CDU- und CSU-Schriftzügen hinter ihr. Wenn sie gerade aus nach unten blickt, sieht die Kanzlerin direkt auf Armin Laschet, den Unionskanzlerkandidaten. „Amtsvorgänger, die ihre politische Arbeit beenden, sollten sich zurücknehmen“, sagt Merkel. Deswegen halte sie sich ja auch eigentlich heraus aus Wahlkampfveranstaltungen.

Warum sie nun doch gekommen ist zu diesem Wahlkampfauftakt von CDU und CSU, lässt sich nur mutmaßen. Die Veranstaltung ist wegen der Flutkatastrophe auch noch vom anderen Ende der Republik, dem Freizeitpark Rust in die Hauptstadt verlegt worden, die also ausnahmsweise mal für Nüchternheit stehen kann. Kein großer Aufwand also für eine Kanzlerin, mal eben vorbeizuschauen.

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Merkels Botschaften

Aber die Umfragewerte der Union fallen möglicherweise mehr ins Gewicht. Sie sind zusammengeschmolzen, der Vorsprung vor SPD und Grünen fast dahin, im persönlichen Vergleich liegt nun SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ganz vorne, der lange Zeit das Schlusslicht war. Die Unzufriedenheit über Laschet nimmt zu, CSU-Chef Markus Söder, der gerne selber Kanzlerkandidat geworden wäre, hat auch schon wieder rumgestichelt. Vermutlich ist es einfach so: Merkel darf einfach nicht fehlen, nicht dass es Fragen gibt.

„Es ist richtig schön, hier dabei zu sein.” Und dann hat sie drei Botschaften: Die erste geht an die CSU: Den Wahlkampf müssten CDU und CSU gemeinsam bestreiten, betont Merkel eindringlich. Die zweite geht erneut an die CSU und alle anderen Zweifler: Merkel lobt Laschet. Der sei ein aus christlicher Überzeugung zutiefst menschlicher Politiker und das werde er auch „als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland” bleiben. Eine Bilanz ihrer Amtszeit schiebt sie noch hinterher. Positiv fällt die aus, aber Laschet eine Agenda des Liegengebliebenen hinzuschieben, hätte vielleicht die Stimmung getrübt.

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Munter und schwungvoll soll so ein Wahlkampfauftakt schließlich wirken. CSU-Chef Söder kommt auf die Bühne und sagt: „Bei aller Freude, bei aller Selbstvergewisserung, lasst uns einen Moment ehrlich sein: Es wird knapp.” Das ist ein ziemlicher Dämpfer. Und auch in Folge klingt Söder ungewöhnlich defensiv: „Es ist nichts verloren. Es gibt keinen Anlass, zu jammern”, sagt er. Und beteuert: „Wir sind nicht am Ende. Wir sind nicht ausgelaugt.” Nicht ausgelaugt, so sehr gefällt Söder dieses Bild, dass er es gleich drei Mal unterbringt in seiner Rede.

Wie Söder und Laschet Konflikte lösen

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Die dauert eine gute halbe Stunde, so lange, dass die für die Veranstaltung eigentlich angesetzte Zeit fast vorbei ist, ohne dass Laschet gesprochen hat. Auf den komme es als Kanzlerkandidat natürlich an, das vergisst Söder nicht zu erwähnen. „Lieber Armin, Du kannst Dich auf meine Unterstützung verlassen”, versichert er dann und fügt hinzu: „Das ist ehrlich gemeint.” Als er erklärt, dass er seine Niederlage im Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur verwunden habe, verschwimmen seine sonst meist präzisen Sätze. Mit Laschet arbeite er sehr gut zusammen, sagt Söder.

Gebe es Meinungsunterschiede, sei es so: „Nach einer gewissen Zeit überzeugt der eine den anderen oder irgendwie auch so.” eine Erhöhung der Mütterrente und Steuersenkungen. Beidem hat Laschet eine Absage erteilt. „Ich weiß, vom Armin, dass er das im Herzen auch will”, sagt Söder mit Blick auf die Mütterente. „Drum wird es auch so kommen.” Im Publikum müssen Laschet und Merkel lachen.

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Zwischendurch wird noch Wirtschaftsexperte Friedrich Merz mit einem Grußwort dazugeschaltet, Vize-CSU-Chefin Dorothee Bär, Vize-CDU-Chefin Silvia Breher und die Schauspielerin Sophia Thomalla übernehmen die weiblichen Parts.

Dann hält doch auch noch Laschet eine Rede. Er müsse mal konkreter werden, hat Merz in seinem Grußwort gefordert. Laschet sagt, Afghanistan zeige, es könne „kein Weiter so in der Außen- und Sicherheitspolitik“ geben.

Den Rücktritt von Außenminister Heiko Maas werde er jetzt nicht fordern. Aber: Seinen Konkurrenten Scholz fordert er auf, zu versichern, dass die SPD nicht mit der Linkspartei regieren werde. Für die ersten 100 Tage einer von ihm geführten Regierung kündigt er ein Planungsbeschleunigungsgesetz an. „Wir werden kämpfen, ich werde kämpfen”, versichert Laschet.

Zum Schlussbild kommen Merkel und Söder auf die Bühne. Laschet strahlt, Merkel strahlt. Söder hat seine Corona-Maske aufgesetzt.

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