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  • Ungarn im Ausland missverstanden? Direktor von Denkfabrik wirbt um Verständnis für Souveränitätsstreben

„Im Ausland wird häufig ein nicht ganz zutreffendes Bild von Ungarn gezeichnet“

  • Der Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts, Bence Bauer, wirbt um Verständnis für das Souveränitätsstreben seines Landes.
  • Er sagt, Ungarn sei nicht leicht zu regieren, da man es mit zehn Millionen Freiheitskämpfern zu tun habe.
  • Die Europäische Union habe sich verändert, Ungarn wolle nicht nur Bittsteller, sondern auch Mitgestalter sein.
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Berlin. Das 1996 gegründete Matthias-Corvinus-Collegium in Budapest ist die wohl größte interdisziplinäre Denkfabrik Ungarns, bei der verschiedene Institutionen angesiedelt sind, darunter auch das im vergangenen Jahr neu eröffnete Deutsch-Ungarische Institut für Europäische Zusammenarbeit. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sprach mit Direktor Bence Bauer.

Herr Bauer, soll Deutschland dabei helfen, das schlechte Verhältnis zwischen Budapest und Brüssel zu kitten?

Wir wollen einerseits den bilateralen Austausch und Dialog zwischen beiden Ländern fördern. Und andererseits die guten deutsch-ungarischen Beziehungen nutzen als stabile Grundlage für die Weiterentwicklung Europas. Deutschland ist der wirtschaftlich stärkste Staat in Europa und für uns als Handelspartner, aber auch politisch und kulturell enorm wichtig.

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Aber wenn es um die Grundwerte der EU geht, dann steht Deutschland eher an der Seite der westlichen Partner als an der Seite Ungarns.

Wir denken, dass im Ausland, auch in Deutschland, häufig ein nicht ganz zutreffendes Bild von Ungarn gezeichnet wird. Es herrscht viel Unwissen auf beiden Seiten. Wir möchten auch ein wenig darauf hinarbeiten, dass man in Deutschland und dem Rest der EU vielleicht etwas mehr Verständnis für Ungarns Souveränitätsbestrebungen aufbringt.

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Als es um Ungarns neues Gesetz zur Homosexualität ging, da erinnerte der portugiesische Premier António Costa daran, dass die EU nicht die Sowjetunion sei. Man tritt freiwillig ein, wenn man die Werte teilt. Wer die Werte nicht teilt, der kann auch kein Mitglied sein.

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Wissen Sie, Ungarn ist nicht einfach zu regieren. Unsere zehn Millionen Einwohner sind zugleich zehn Millionen Freiheitskämpfer. Das hängt mit unserer Geschichte zusammen. Seit 1301 waren wir immer unter Fremdherrschaft – Mongolen, Türken, Franzosen, Habsburger, Nazis, Sowjets. Und jetzt sind wir frei und wollen das auch leben. Europa hat sich gewandelt, von der EU der 15 zur EU der 27. Und da wollen wir nicht nur Bittsteller sein, sondern auch Mitgestalter.

Aber Ihr Ministerpräsident will permanent in eine Richtung gestalten, die zumindest bei den alten 15 wenig Anklang findet. Wohin soll es gehen?

Bei uns macht man noch sehr emotional Politik. Ministerpräsident Viktor Orban sagt von sich selbst, er sei ein Streetfighter und Freiheitskämpfer. Er war in der Wende tatsächlich jemand, der aktiv die Diktatur bekämpfte und sich für den demokratischen Umbruch einsetzte. Und so tritt er auch heute zuweilen noch auf. Das mag manchen etablierten EU-Politiker verschrecken, ist aber im Kern ehrlich gemeint. Wir haben oft das Gefühl, Ungarn wird in Brüssel gegängelt, und dagegen macht Orban Front. Ich denke, dass er und die Fidesz Kurs auf ein neues rechtes Parteienbündnis in der EU nehmen.

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