UN warnen vor Corona-Tragödie in Syrien

  • Das Land sei angesichts von Millionen Binnenvertriebenen nicht für die Epidemie gerüstet, mahnt der Koordinator für humanitäre Angelegenheiten.
  • Der Syrien-Sondergesandte fordert derweil eine echte Waffenruhe, damit medizinisches Gerät ins Land gelangen kann.
  • Doch die Lage scheint kritisch.
Anzeige
Anzeige

Der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten sieht in Syrien mit der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus eine Tragödie heraufziehen. Nach neun Jahren Krieg liege das Gesundheitssystem des Landes am Boden, sagte Mark Lowcock am Mittwoch im Weltsicherheitsrat. Die vermeldete Zahl von mehr als 40 bestätigten Infektionsfälle und mindestens drei Todesopfern in Syrien erscheine im Vergleich zu anderen Ländern wenig. Doch würden auch nur sehr begrenzt Tests durchgeführt.

+++Immer aktuell: Hier geht’s zum Corona-Liveblog+++

Mit Millionen Binnenvertriebenen, die in beengten Verhältnissen ohne ausreichende Sanitäranlagen lebten, könne nicht erwartet werden, "dass Syrien mit einer Krise fertig wird, die sogar für die wohlhabendsten Nationen eine Herausforderung ist", sagte Lowcock. Zwar gebe es Bemühungen, Quarantänezonen in Lagern und Gesundheitseinrichtungen zu errichten. Maßnahmen zur Eindämmung des Virus hätten aber in einigen Gebieten bereits zu Nebeneffekten wie einer Explosion von Lebensmittelpreisen geführt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Wichtige medizinische Güter und Ausrüstungsgegenstände müssten ins Land gelassen werden. Dazu müsse der Grenzübergang Al-Jarubijah vom Irak in den Nordosten Syriens wieder geöffnet werden, forderte Lowcock. Der Übergang war im Januar auf Betreiben Russlands geschlossen worden. Lowcock sagte, medizinische Lieferungen in den Nordosten aus Damaskus hätten die Lücke nicht geschlossen.

Ruhe sei “brüchig und anfällig”

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, begrüßte, dass seit Anfang März in vielen Gegenden Syriens "deutliche Ruhe" herrsche. Im Nordwesten komme eine von Russland und der Türkei ausgehandelte Waffenruhe zum Tragen, und Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Russland, der Türkei und den USA im Nordosten hielten im Allgemeinen ebenfalls weiterhin. Die Ruhe sei jedoch "brüchig und anfällig", und es bestehe ständig die Gefahr einer Eskalation, sagte Pedersen.

Er forderte einen Waffenstillstand, der zu dauerhafter Ruhe führe und landesweit gelte, damit Syrer Zugang zu Ausrüstung und Ressourcen erhielten, die zur Bekämpfung von Covid-19 nötig seien.

Anzeige
Video
Chronologie des Coronavirus
2:33 min
Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND
Anzeige
Coronavirus: Immer informiert
Abonnieren Sie Updates für das Thema "Coronavirus" und wir benachrichtigen Sie bei neuen Entwicklungen

RND/AP

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen