UN-Klimakonferenz: USA-China-Abkommen gibt COP26 neuen Schwung

  • Überraschend hatten die USA und China am Donnerstagabend auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow ein Abkommen geschlossen.
  • Sie wollen ihren Methanausstoß reduzieren, Wälder schützen und haben eine Erklärung zum Kohleausstieg abgegeben.
  • Damit könnte in der zweiten Woche von COP26 Bewegung in die Konferenz kommen.
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Glasgow. Die Vereinbarung der größten Treibhausgas-Produzenten China und USA gibt der Weltklimakonferenz auf der Zielgeraden neuen Schwung.

Die beiden in vielen Fragen zerstrittenen Wirtschaftsrivalen schlossen überraschend in der Nacht zu Donnerstag einen Pakt für eine Reduzierung von Methanemissionen, den Schutz von Wäldern und einen Kohleausstieg. „Beide Seiten werden mit anderen für eine erfolgreiche Konferenz und ein sowohl ehrgeiziges wie faires Ergebnis zusammenarbeiten“, sagte Chinas Chef-Verhandler Xie Zhenhau. Sein US-Kollege John Kerry erklärte, jeder Schritt zähle jetzt. „Wir haben einen lange Reise vor uns.“

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Greta Thunberg in Glasgow – Fridays for Future demonstriert bei Klimakonferenz
1:43 min
Viele Aktivisten waren von den ersten Signalen der COP26 eher enttäuscht. Am Freitag demonstrierten sie bei der Klimakonferenz in Glasgow.  © Reuters
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Die deutsche Delegation sprach von einer guten Nachricht. Die größten Fortschritte müssten von den größten Emittenten kommen. „Unsere Hoffnungen liegen darin, dass sich nun China dieser Verantwortung stellt, und in Kooperation mit den USA seine Emissionen stärker senken will“, sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans lobte: „Es ist wirklich ermutigend, dass Staaten, die in so vielen Fragen über Kreuz liegen, sich auf eine Basis in der wichtigsten Frage der Menschheit verständigt haben.“

China im Fokus der Klimakonferenz

Besonders China war während der Konferenz unter Druck geraten, da das Land seine Klimaziele praktisch nicht verschärft hat. Daran änderte zwar auch die Vereinbarung mit den USA zunächst nichts. China erklärte aber, zwischen 2026 und 2030 mit dem Kohleausstieg beginnen zu wollen. Zudem wolle man die Methanemissionen, die noch deutlich klimaschädlicher als CO₂ sind, reduzieren.

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Bislang ist die Weltgemeinschaft noch weit davon entfernt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad, gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Einer Studie der Organisation „Carbon Action Tracker“ zufolge, wird sie mindestens 2,4 Grad erreichen, selbst wenn alle bisherigen Zusagen erfüllt werden.

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Darauf verweist auch der erste Entwurf einer Abschlusserklärung der Glasgow-Konferenz, die noch bis zum Wochenende läuft. Die Staaten sollten „ihre Ziele bis 2030 überprüfen und so verschärfen, dass sie Ende 2022 im Einklang mit der im Weltklimavertrag vereinbarten Vorgabe zur Erderwärmung stehen“, heißt es in dem vor der USA-China-Vereinbarung verfassten Text. Deutschland war dies zu allgemein: „Wir meinen, dass hier noch ein bisschen deutlicher werden muss, wer hier eigentlich handeln muss“, hatte Staatssekretär Flasbarth gesagt. „Das muss von den Hauptemittenten kommen“, machte er klar ohne, China namentlich zu nennen.

Bis zum Wochenende sind aber noch viele weitere Fragen zu klären, die der Entwurf nicht beantwortet. So geht es um die finanzielle Unterstützung der ärmeren Länder vor allem nach 2025 sowie Standards zum Handel von Emissionsrechten unter den Staaten. Auch Regelungen, wie die verschiedenen Klimaziele vergleichbar gemacht werden können, fehlen noch. Damit befassen sich jetzt die Umweltminister der Staaten. Svenja Schulze (SPD) übernimmt nun die Verhandlungsführung für Deutschland.

RND/Reuters

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