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Umweltministerin Schulze: „Glyphosat tötet alles, was grün ist“

  • An diesem Freitag entscheidet der Bundesrat, ob deutsche Bauern bis Ende 2023 den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel beenden müssen.
  • Außerdem soll der Einsatz von bienengefährdenden Herbiziden in schutzbedürftigen Gebieten beschränkt werden.
  • Die Agrarwirtschaft wird dafür mit jährlich 150 Millionen Euro unterstützt.
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Berlin. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hält die an diesem Freitag im Bundesrat zu verabschiedende Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung und das Insektenschutzgesetz für Meilensteine zum Schutz der Artenvielfalt in Deutschland.

„Das Insektensterben ist dramatisch und braucht entschlossene Antworten. Der Schutz der Artenvielfalt ist eine ebenso wichtige Zukunftsaufgabe wie der Klimaschutz“, sagte die SPD-Politikerin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Schulze sagte, wenn die Ökosysteme gestört seien, würden am Ende auch die Menschen leiden. „Die Insekten stehen hier für das große Ganze: Fehlen sie, gerät das ganze Ökosystem aus dem Takt. Insekten sind nicht nur Nahrungsgrundlage für Vögel, sie sind auch die Müllabfuhr und der Gesundheitsdienst unserer Umwelt.“

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Schulze: Der Glyphosatausstieg kommt

Die Bundesumweltministerin wies darauf hin, dass der Glyphosatausstieg die erste Vereinbarung war, die 2018 zwischen Union und SPD in den Sondierungen getroffen worden waren und nun mit der Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung umgesetzt werde.

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„Der Glyphosatausstieg kommt“, so Schulze. „Darauf habe ich mit vielen Umweltschützern lange hingearbeitet. Glyphosat tötet alles, was grün ist, und entzieht Insekten damit die Lebensgrundlage. Darum ist dieser Ausstieg ein großer Erfolg.“

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Allerdings wäre für die Umwelt zu wenig gewonnen, wenn man nur von Glyphosat auf andere Pestizide umsteigen würde, so die SPD-Politikerin. „Auch andere Pflanzenschutzmittel können Insekten schaden. Darum ist ein zweiter Beschluss für unsere Ökosysteme mindestens genauso so wichtig: Künftig werden weniger Flächen gespritzt, sodass mehr Rückzugsräume für Insekten bleiben. Die Landwirtschaft kann beim Umstieg auf die Unterstützung der Politik zählen.“

Mindestabstand zu Gewässern

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Die Änderung der Anwendungsverordnung bedeutet, dass der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmitteln zum Ablauf des Jahres 2023 komplett beendet wird. Bis dahin gelten neue deutliche Einschränkungen des Einsatzes des Herbizids.

Außerdem wird ein neues Verbot der Anwendung von Herbiziden und solchen Insektiziden, die Bienen und Bestäuber gefährden, in ökologisch besonders schutzbedürftigen Gebieten eingeführt. Hier können auf Landesebene entwickelte kooperative Konzepte vorrangig umgesetzt werden, um Landwirten den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel zu honorieren.

Neu ist auch ein Mindestabstand zu Gewässern für sämtliche Pflanzenschutzmittel.

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Wichtige Biotope werden geschützt

Im Insektenschutzgesetz, das am Freitag ebenfalls den Bundesrat passieren soll, werden für Insekten wichtige Biotope wie Streuobstwiesen gesetzlich geschützt und Grundlagen für das weitere Vorgehen gegen die Lichtverschmutzung gelegt. Das Bundesumweltministerium unterstützt die Landwirte beim Insektenschutz mit jährlich 150 Millionen Euro.

Fachleute konstatieren, dass sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten in den letzten Jahren in Deutschland stark rückläufig ist.

Zu den wichtigsten Ursachen zählen Experten die Verschlechterung von Insektenlebensräumen, den Verlust der Strukturvielfalt in der Landschaft, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, den Eintrag von Schadstoffen in Böden und Gewässer sowie die Lichtverschmutzung.

Lesen Sie ab Samstag früh ein ausführliches Interview mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf RND.de

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