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Umwelthilfe: Deutsche Spitzenpolitiker wählen am liebsten Klimakiller bei Dienstwagen

  • Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat am Mittwoch ihren 14. Dienstwagencheck vorgestellt.
  • Darin bewerten sie jährlich die Klimafreundlichkeit der Dienstwagen von Spitzenpolitikern aus Bund und Ländern.
  • Es sei ein alarmierender Trend hin zu klimaschädlichen CO₂-Schleudern festzustellen, lautet das Fazit.
Rebecca Lessmann
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Berlin. In Sachen klimafreundlicher Mobilität kommen deutsche Spitzenpolitiker ihrer Vorbildfunktion nicht nach. Im Gegenteil, stellt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in ihrem neuen Dienstwagencheck fest: Es sei ein alarmierender Trend hin zu klimaschädlichen CO₂-Schleudern in der Dienstwagenflotte auf Bund- und Landesebene zu beobachten, heißt es dort. „Die Dienstwagenwahl ist ein fatales Signal, in Deutschland leisten wir uns noch immer ein regelrechtes Schaufahren mit Klimakillern“, sagte Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch in Berlin.

Ein Hauptgrund dafür sei der hohe Anteil an Plug-in-Hybriden unter den Dienstwagen der Politiker. Denn die seien nichts mehr als „klimaschädliche Mogelpackungen“, erklärte Metz.

In ihrem Dienstwagencheck bewertet die DUH jedes Jahr, wie klimafreundlich die von Spitzenpolitikern gefahrenen Wagen sind. Dieses Jahr befragten die Umweltschützer 240 Politiker aus Bund und Ländern, welche Autos sie dienstlich nutzen. Anstatt die Herstellerangaben über den Sprit- bzw. Stromverbrauch miteinander zu vergleichen, führt die Umwelthilfe unabhängige Messungen über den tatsächlichen Verbrauch durch.

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Ein „hauchdünner Silberstreif am Horizont“ sei, so Metz, dass die DUH dieses Jahr sieben grüne Karten an Politiker verteilen konnte, deren Wagen den geforderten EU-Flottengrenzwert von weniger als 95 Gramm CO₂ pro Kilometer unterschritten. Alle sieben fahren vollelektronische Wagen. Insgesamt haben sich 2020 15 Politiker für E-Autos entschieden, im vergangenen Jahr waren es nur drei. Allerdings bedeute vollelektronisch zu fahren nicht, automatisch klimafreundlich unterwegs zu sein, betonte Metz. „Auch unter vollelektronischen Modellen bestehen erhebliche Unterschiede.“

Die Berliner Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) etwa erreicht mit ihrem Tesla Model 3 einen Spitzenplatz. Der vollelektronische Tesla kommt auf einen Verbrauch von 64 Gramm CO₂ pro gefahrenen Kilometer. Die tatsächlichen Treibhausgasemissionen von E-Autos berechnet die DUH auf Grundlage des derzeitigen Strommixes in Deutschland.

Berlins regierender Oberbürgermeister Michael Müller (SPD) fällt erneut durch: Sein Benziner schleudert rekordverdächtige 408 Gramm CO₂ pro Kilometer in die Atmosphäre.

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Rote Karte für das Bundeskabinett

Im Bundeskabinett erhält jeder Dienstwagen die rote Karte. Negative Spitzenreiterin unter den Ministern ist die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Ihr Plug-in-Hybrid, ein Audi A8, bringt 286 Gramm auf die Straße. Ein Dauerbrenner unter den Negativvorbildern sei auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). „Ihm sagt Klimaschutz offensichtlich nicht viel“, bemerkte Metz. Auch Scheuer fährt einen Plug-in-Hybrid, ein Modell von BMW.

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Auch die 16 Länderchefs erhalten durchweg rote Karten für ihre Dienstwagenauswahl. Im Ländervergleich kann Bremen sich auf Platz eins behaupten. Allerdings nicht etwa, weil in der Hansestadt so klimafreundliche Wagen gefahren würden, sondern vielmehr, weil sich zwei Senatoren überhaupt gegen einen Dienstwagen entschieden haben: Der Finanzsenator Dietmar Strehl etwa besitzt keinen Dienstwagen, und auch die Sozialsenatorin Anja Stahmann nutzt die Carsharingangebote. Bundesweit am schlechtesten schneiden die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen ab. Vollelektronisch fährt hier keiner der befragten Politiker.

Der Dienstwagencheck 2020 mache erneut deutlich, dass es nach wie vor die Automobilindustrie sei, die in der Politik den Ton angebe, sagte Metz. „Wir fordern daher einen radikalen Kurswechsel in der Automobilpolitik.“ Die steuerliche Förderung von Plug-in-Hybriden müsse eingestellt werden, „und zwar sofort“, betonte die stellvertretende DUH-Geschäftsführerin. Außerdem müsste der tatsächliche Kraftstoffverbrauch von Autos für den Verbraucher klarer gekennzeichnet werden. Generell gelte jedoch: „Der Bund sollte ab dem Jahr 2025 keine reinen Verbrenner mehr zulassen“, forderte Metz. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssten bis 2030 etwa zwölf Millionen E-Autos auf die Straße kommen. Mit etwas mehr als 100.000 sei Deutschland von diesem Ziel derzeit noch meilenweit entfernt.

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Von Deutschlands Spitzenpolitikern erhofft sich die DUH ein Umdenken, sie müssten ihre Vorbildfunktion im Klimaschutz endlich ernst nehmen. Dass die Berliner Senatorin Regine Günther sich getraut habe, sich für ein nicht deutsches Modell, nämlich einen Tesla, zu entscheiden, bewertet die Umwelthilfe als positives Signal. Denn deutsche Hersteller könnten noch immer keine vergleichbare Konkurrenz zu Elon Musks vollelektrischen Wagen vorweisen. Auch das müsste sich schleunigst ändern.

Das Ranking der DUH ist allerdings nicht unumstritten. Schließlich müssen einige Limousinen der Minister besonders geschützt werden. Die dafür verwendete Panzerung macht das Fahrzeug entsprechend schwerer und erhöht somit den CO2-Verbrauch.

Auch die Definition des “realen” CO2-Ausstoßes von der DUH stößt immer wieder auf Kritik. Der Wert weicht zum Teil erheblich von den Angaben zum offiziellen CO2-Normausstoß der Autohersteller ab. Bei ihrer eigenen Erhebung berechnet die Umwelthilfe die durchschnittliche Abweichung der Herstellerdaten von Messwerten im tatsächlichen Fahrbetrieb. Dabei stützt sie sich auf Methoden des Umweltforschungsverbunds ICCT. Kritisiert wird auch, dass die DUH der Berechnung der CO2-Emissionen von voll- oder teilelektrischen Autos den aktuellen deutschen Strommix zu Grunde legt. Die Grünen aber beispielsweise geben an, ihre Elektroflotte ausschließlich mit Ökostrom zu betanken.



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