Umgang mit Ortskräften: Verband warnt vor Radikalisierung der Veteranen

Das Schulterpatch der Nato-Mission Resolute Support auf der Uniform eines Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Marmal (Symbolfoto).

Das Schulterpatch der Nato-Mission Resolute Support auf der Uniform eines Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Marmal (Symbolfoto).

Berlin. Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Einsatzveteranen, Bernhard Drescher, hat angesichts der aktuellen Zustände in Afghanistan und der Gefahr für die afghanischen Ortskräfte nach dem Abzug der Bundeswehr vor einer Radikalisierung der Veteranen gewarnt. „Die Stimmung unter den Veteranen ist grottenschlecht“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Sie hätten das Gefühl, dass ihre Belange „noch nie interessiert“ hätten. Angesichts der Bilder aus Kabul entstehe nun der Eindruck, „man macht ihre Arbeit zunichte“. Schließlich ziehe man Schutzkräfte nicht ab, bevor nicht alles Schützenswerte in Sicherheit gebracht worden sei. Und die Helfer der Bundeswehr würden offenbar nicht für schützenswert gehalten. Die Vorgänge würden „hochemotional aufgenommen“.

Drescher warnte: „Man verliert emotional eine Gruppe von Menschen, die für den Staat wichtig ist.“ In der Folge entstünden neuerdings rechtsorientierte Gruppen wie „Veteranen 5 n 12“ oder der „Veteranen Pool“. „Ich mache mir Sorgen, wie sich das weiterentwickelt.“

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Dabei lobte der Verbandschef den Vorsitzenden des Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte, Marcus Grotian, der sich am Dienstag in der Bundespressekonferenz massiv kritisch zum Umgang mit den Ortskräften geäußert hatte. „Er redet endlich mal Klartext und geht damit ein großes Risiko ein“, sagte Drescher. „An diesem Vorgang klebt Blut.“

Grotian, der im Einsatzführungskommando der Bundeswehr tätig ist, hatte der Bundesregierung „unterlassene Hilfeleistung“ vorgeworfen. „Ich habe den Eindruck, wir haben hier Menschen bewusst und wissentlich zurückgelassen“, sagte er. Ortskräfte würden mit bürokratischen Tricks davon abgehalten, Anträge auf ein Visum für Deutschland zu stellen.

Visa seien aber Voraussetzung für ein Flugticket. Nach Angaben des Hauptmanns geht es um insgesamt 8000 Betroffene. „Alle anderen Länder evakuieren alle Ortskräfte. Wir evakuieren diejenigen, die man ausgewählt hat. Das finden wir verwerflich“, sagte er. „Wir sind von der eigenen Regierung moralisch verletzt, und das ist beschämend.”

Luftbrücke aus Kabul soll in wenigen Tagen enden

Die Bundesregierung plant ein Ende der militärischen Rettungsflüge aus Afghanistan noch vor dem Wochenende. Die US-Truppen bleiben nur noch bis 31. August.

Der 44-Jährige weist seit Wochen auf die Gefahr für die afghanischen Helfer der Bundeswehr, des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit wegen des Vorrückens der Taliban hin. Sie und das Bundesinnenministerium reagierten jedoch verhalten bis abwehrend. Erst seit die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul eroberten, ändert sich die Lage.

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