Umgang mit digitalen Medien: Schüler haben nichts dazugelernt

  • Um die Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien steht es schlecht in Deutschland.
  • Jeder Dritte scheitert an einfachsten Aufgabenstellungen, nur zwei Prozent sind zu komplexen Lösungen fähig.
  • Sorge bereitet den Machern der Studie die soziale Kluft.
Alexander Holecek
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Wieder nur Mittelmaß und so gut wie keine Fortschritte: Die Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien von Achtklässlern – häufig „Generation Smartphone“ genannt – ist in Deutschland besorgniserregend. Jeder dritte Jugendliche verfügt nur über sehr rudimentäre computer- und informationsbezogene Kompetenzen, wie eine Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergab.

Lediglich knapp zwei Prozent erreichen demnach die Leistungsspitze im Umgang mit digitalen Medien. Gegenüber den in der vorangegangenen Studie vor fünf Jahren befragten Schülern haben die heutigen Achtklässler nichts dazugelernt.

Deutschlandweit wurden für die ICILS-Studie im Sommer 2018 rund 3500 Achtklässler aller Schulformen hinsichtlich ihrer Fähigkeiten bei der Bedienung von digitaler Hard- und Software und dem Umgang mit Informationen aus dem Netz befragt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Konkret ging es um Aufgaben von einfacher Qualität wie dem Öffnen eines Links im Internet über das Anfertigen von Präsentationen und Plakaten auf dem Laptop bis hin zu komplexeren Versuchen, etwa dem Steuern einer Drohne. Nur zwei von drei Probanden kamen über die grundlegende Stufe wie dem Schreiben in einem Textverarbeitungsprogramm hinaus.

Anzeige

Sorgen wegen "Bildungsungerechtigkeit"

Knapp 80 Prozent der Schüler können „Informationen aus dem Internet nicht ausreichend einordnen oder reflektieren“, sagt Studienleiterin Birgit Eickelmann von der Uni Paderborn und führt die Ergebnisse auch auf mangelnde Unterrichtsqualität zurück: „In anderen Ländern wie Dänemark gelingt es deutlich besser, die Fähigkeiten an den Schulen zu vermitteln.“ Für Eickelmann auch eine Folge eines Milliarden-Investitionsprogramms der dänischen Regierung. Dort sind knapp 84 Prozent in der Lage, einfache Anwendungen auszuführen – 17 Prozent mehr als in Deutschland, das sich damit im Durchschnitt der weltweit 13 teilnehmenden Länder befindet. Hinter Deutschland liegen etwa Frankreich, Uruguay und Kasachstan. „Diese Ergebnisse können uns nicht zufriedenstellen“, sagt Hessens Bildungsminister Alexander Lorz (CDU), Präsident der Kultusministerkonferenz.

Anzeige

Im Durchschnitt erreichen die Mädchen etwas bessere Testergebnisse als die Jungen und Jugendliche ohne Migrationshintergrund bessere als solche mit Zuwanderungsgeschichte.

Besonders – und mehr als in anderen Ländern – fällt in Deutschland aber der Unterschied zwischen den Bildungsschichten auf. So ist hier die digitale Medienkompetenz stark abhängig vom Bildungsgrad. Wie schon vor fünf Jahren schneiden Gymnasiasten bei allen Testergebnissen deutlich besser ab als Achtklässler anderer Schulformen.

Bildungsstaatssekretär Christian Luft spricht von einer „digitalen Spaltung der Gesellschaft“. Für Eickelmann ist die ein Resultat von Bildungsungerechtigkeit: „Dass der Geldbeutel der Eltern entscheidet, ob man in der digitalen Welt mithalten kann oder ob man merkt, was Propaganda ist, bereitet Sorgen, was die Stabilität der Gesellschaft angeht.“

Immerhin: Anders als vor fünf Jahren sind die Lehrer und Schulleiter aufgeschlossener, was die Nutzung digitaler Medien und technischer Geräte im Unterricht betrifft. Die Haltung scheitere aber häufig an der Ausstattung der Schulen, die mit dem Digitalpakt der Bundesregierung erst künftig mit einem Fünf-Milliarden-Programm verbessert werden soll. Während sich in den USA durchschnittlich nur 1,6 Schüler ein digitales Endgerät teilen, sind es in Deutschland 9,7. Ähnlich schlecht ist es um die Internetversorgung bestellt: „Nur jeder Vierte besucht eine Schule mit Wlan“, sagt Staatssekretär Luft.