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Ukrainischer Präsident legt sich an der Front mit eigenem Soldaten an – auf Russisch

  • Nach Kritik ukrainischer Nationalisten an seiner Politik hat Präsident Wolodymyr Selenskyj an der Frontlinie im Donbass für den geplanten Truppenabzug geworben.
  • Dabei traf er auf bewaffnete Freiwilligenbataillone und lieferte sich mit einem Kämpfer ein emotionales Wortgefecht.
  • „Du kannst mir überhaupt keine Ultimaten stellen“, sagte der Präsident zu dem Kämpfer.
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Wolodymyr Selenskyj warb in der Ortschaft Solote an der Frontlinie im Donbass für den geplanten Truppenabzug. Dabei machten ihn Anwohner auf eine Gruppe von Bewaffneten im Dorf aufmerksam. Die Dorfbewohner seien verunsichert worden, äußerte sich der Präsident in einem Statement bei Facebook.

Der ukrainische Präsident traf auf die bewaffnete Gruppe, bei der es sich um Mitglieder von Freiwilligenbataillonen und Kriegsveteranen handelte. Mit einem Kämpfer namens Denis lieferte er sich umringt von ukrainischen Soldaten und Kameras ein emotionales Wortgefecht auf Russisch.

„Ich bin doch kein Trottel“

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Denis fragte den Präsidenten, ob dieser sich mit den Gegnern des geplanten Truppenabzuges treffen wolle, woraufhin Selenskij den Truppenabzug bekräftigte. „Ich bin zu euch gekommen, um zu sagen, dass ihr die bewaffneten Einheiten zurückziehen sollt. Und du wechselst jetzt einfach das Thema. Du kannst mir überhaupt keine Ultimaten stellen“, sagte der Präsident zu dem Kämpfer Denis.

Denis sagte, dass die Kriegsveteranen dem Präsidenten einen Brief übergeben hätten, in dem sie ein Treffen mit ihm forderten. „Ich werde ihn lesen. Hör mal zu, ich bin Präsident dieses Landes, ich bin 42 Jahre alt. Ich bin doch kein Trottel“, so Selenskij. „Ich habe auf Verständnis gehofft. Aber ich sehe einen jungen Mann, der glaubt, mit mir wie mit einem Deppen sprechen und das Thema wechseln zu können.“

Nachdem der Präsident die Gruppe aufgefordert hatte, sich mit den Waffen zurückzuziehen, ging er fort. Der ukrainische Stab teilte später mit, dass es sich bei der Freiwilligengruppe nicht um Angehörige der ukrainischen Armee handele. Der Aufenthalt der bewaffneten Leute im Dorf sei illegal.

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Nationalisten gegen Truppenabzug

Bei einigen Aktivisten ist der Widerstand gegen den Truppenabzug groß, weil sie befürchten, dass die seit mehr als fünf Jahren andauernden Kämpfe umsonst gewesen sein könnten. Die Nationalisten wollen auch verhindern, dass der umkämpfte Donbass einen Sonderstatus erhält.

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„Die Menschen hier wollen den Abzug“, sagte Selenskyj in Solote. Er verstehe, dass Soldaten Sorgen hätten, sagte der Staatschef. Anfang Oktober waren bei Solote und dem Ort Petriwske im Donezker Gebiet sogenannte Truppenentflechtungen geplant gewesen. Dabei sollen sowohl Regierungstruppen als auch Rebellen ihre Soldaten einschließlich Waffen um mindestens einen Kilometer zurückziehen. Dagegen gab es landesweit größere Demonstrationen.

Die Aktivisten drohten damit, die von der Armee verlassenen Stellungen einzunehmen. Mit der Entmilitarisierung sollen der festgefahrene Friedensprozess aktiviert und ein Gipfeltreffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin ermöglicht werden. In dem seit 2014 andauernden Konflikt sind nach UN-Schätzungen rund 13.000 Menschen gestorben.

RND mit dpa

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