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Soldaten hissen Flagge am Stadtrand

Nach ukrainischer Offensive: Russische Truppen haben Lyman aufgegeben

Dieses Bild aus einem vom Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Andrij Jermak, geteilten Video zeigt ukrainische Soldaten, die die Landesflagge am Stadtrand von Lyman hissen.

Dieses Bild aus einem vom Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Andrij Jermak, geteilten Video zeigt ukrainische Soldaten, die die Landesflagge am Stadtrand von Lyman hissen.

Lyman. Russland hat in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben. Die Streitkräfte seien wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen.

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Seit Wochen wurde um Lyman erbittert gekämpft. Die Stadt ist ein wichtiger Transportknotenpunkt und liegt 160 Kilometer südöstlich von Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine. Die ukrainischen Streitkräfte waren im Rahmen einer Gegenoffensive über den Fluss Oskil vorgedrungen, bei der sie seit September weite Teile des Territoriums zurückerobert hatten. Nun können die ukrainischen Truppen möglicherweise weiter in die besetzte Region Luhansk vordringen, eine der vier Regionen, die Russland am Freitag annektierte.

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Ukrainische Soldaten hissen Flagge am Stadtrand

Nach intensiven Kämpfen ist Lyman jetzt gefallen. Ukrainische Einheiten hissten am Samstag am Stadteingang von Lyman die blau-gelbe Landesflagge, wie ein Video, das in den Sozialen Medien unter anderem vom Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Andrij Jermak, geteilt wurde, zeigt.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj feierte die Rückeroberung von Lyman am Samstagabend in seiner Videoansprache. „Die ukrainische Flagge weht bereits in Lyman im Gebiet Donezk“, erklärte Selenskyj. In der Stadt werde zwar immer noch gekämpft, doch von dem „Pseudoreferendum“ sei dort keine Spur mehr, sagte er.

„Übrigens haben sie dort schon angefangen, sich gegenseitig zu beißen: Sie suchen nach den Schuldigen, beschuldigen einige Generäle des Versagens“, kommentierte Selenskyj die verärgerten Reaktionen aus Moskau auf den Rückzug in Lyman. Es sei nur der erste Warnschuss für alle diejenigen, die sich am Krieg von Präsident Wladimir Putin beteiligten. Bis sie nicht das Problem mit dem einen lösten, „der diesen für Russland sinnlosen Krieg gegen die Ukraine begonnen hat, werden Sie einer nach dem anderen getötet und zu Sündenböcken gemacht“, prophezeite der 44-Jährige.

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Angriffe auf russische Kräfte aus drei Richtungen

Die Ukrainer hatten die Stadt zuvor in die Zange genommen. Angriffe wurden sowohl von Westen als auch von Norden und Süden lanciert. Die einzige Nachschub- und Rückzugsverbindung der Russen nach Osten über Saritschne und Torske geriet unter den Beschuss der ukrainischen Artillerie. Unklar ist unter diesen Umständen, wie viele russische Soldaten gefallen oder in Gefangenschaft gekommen sind.

Prorussische Quellen berichten bereits am frühen Nachmittag vom ukrainischen Einmarsch in Lyman. Der russische Militärblogger Semjon Pegow berichtet auf seinem Telegram-Kanal „WarGonzo“, dass ukrainische Streitkräfte – die er als „Neonazis“ bezeichnet – bereits durch die zentralen Straßen der Stadt ziehen und Dokumente kontrollieren würden. Dies sei von mehreren Quellen bestätigt worden, schrieb er. „Wenn es eine Chance gibt, die Stadt zu verteidigen und zurückzuerobern, dann ist sie unglaublich klein.“

Russland gibt strategisch wichtige Stadt Lyman auf

Russland hat in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben.

Zwischenzeitlich 5000 russische Soldaten in Lyman eingekesselt

Die ukrainischen Truppen hatten nach eigenen Angaben zeitweise etwa 5000 russische Soldaten eingekesselt. Das sei der Stand am Samstagmorgen, teilte der ukrainische Verwaltungschef für Luhansk, Serhij Hajdaj, mit. „Die Okkupanten haben ihre Führung gebeten, nach Möglichkeit herauszukommen, woraufhin sie eine Abfuhr erhielten“, sagte er.

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„Sie haben jetzt drei Handlungsmöglichkeiten: Entweder können sie versuchen auszubrechen oder sie ergeben sich. Oder sie sterben alle zusammen. Da sind von ihnen etwa 5000, eine genaue Zahl gibt es nicht.“ Eine solche Zahl an eingekesselten Russen habe es überhaupt noch nicht gegeben in dem Krieg, sagte Hajdaj. Er erklärte, alle Nachschubrouten für die russischen Streitkräfte in Lyman seien blockiert.

Mit dem Fall von Lyman öffnet sich für die ukrainischen Truppen der Weg Richtung Kreminna und Swatowe. Beide Städte liegen im Gebiet Luhansk und gelten - speziell Swatowe - als wichtige Verkehrsknotenpunkte. Für den Kreml wäre dies ein verheerendes Signal. Anfang des Sommers hatte die russische Armee das Gebiet Luhansk für „befreit“ erklärt.

Schwere Niederlage für Putin

Westliche Militärexperten, darunter die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW), waren schon vor dem verkündeten russischen Truppenrückzug davon ausgegangen, dass Lyman kurzfristig komplett befreit wird. Das Gebiet um Lyman ist wichtig als Brückenkopf für einen weiteren Vormarsch der ukrainischen Truppen tief in das benachbarte Gebiet Luhansk hinein.

News Bilder des Tages Russia Putin Northwestern Federal District 8279450 21.09.2022 Russian President Vladimir Putin delivers a speech during an event to celebrate the 1160th anniversary of Russian statehood in Veliky Novgorod, Russia. Ilya Pitalev / Sputnik Veliky Novgorod Russia PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xIlyaxPitalevx

„Mit Putin wird es jetzt noch einmal gefährlich“

Ein Gespräch mit dem Psychologen und Hirnforscher Ian Robertson über den eigenartigen Zustand des russischen Präsidenten und die ungesunde Wirkung jahrzehntelanger absoluter Macht.

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Für die Armee des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist das eine neue massive Niederlage in der seit mehr als sieben Monaten andauernden Invasion. Der Kremlchef hatte am Freitag die besetzten Teile der Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson unter internationalem Protest annektiert. Kein Staat erkennt diesen Bruch des Völkerrechts an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, alle besetzten Territorien zu befreien. Er setzt dazu auf schwere Waffen des Westens und auf Militärberater der Nato-Staaten.

Kadyrow fordert Absetzung von General

Auf russischer Seite sorgt die erneute Niederlage für erbitterte Kommentare: Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow forderte auf seinem Telegram-Kanal, den für den Frontabschnitt verantwortlichen Generaloberst Alexander Lapin abzusetzen, zu degradieren und als einfachen Soldaten an die Front zu schicken. Die Probleme in Lyman seien schon vor zwei Wochen gemeldet worden. „Eine Woche später verlegt Lapin seinen Stab nach Starobilsk, mehr als 100 Kilometer von seinen Untergebenen entfernt, und verdrückt sich selbst nach Luhansk. Wie kann man operativ seine Einheiten befehligen, wenn man sich 150 Kilometer entfernt befindet“, echauffierte sich Kadyrow.

Der kremlkritische russische Politologe Abbas Galljamow hingegen erklärte süffisant: „Gestern haben sie Lyman „für immer“ an Russland angeschlossen, um heute (die Stadt) zu räumen“.

mit dpa und AP

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