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Raketenkreuzer der Schwarzmeerflotte

Russisches Flaggschiff „Moskwa“ offenbar gesunken: Was bedeutet das für den Krieg?

Der russische Lenkwaffenkreuzer „Moskwa" (Archivbild)

Kiew. Das stark beschädigte Flaggschiff „Moskwa“ („Moskau“) der russischen Schwarzmeerflotte ist gesunken. Das berichteten die russischen Staatsagenturen Tass und Ria in Bezug auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Die „Moskwa“ sei demnach am Donnerstag während eines Sturms untergegangen, als es an sein Ziel geschleppt wurde.

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Ein Abschleppen sei notwendig geworden, da das Schiff seine Stabilität aufgrund von Schäden am Rumpf verloren habe, der während eines Brandes durch die Detonation von Munition beschädigt worden sei. „Bei stürmischer See sank das Schiff“, hieß es weiter. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Bereits früher am Tag hatte der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch hat das im Schwarzen Meer stark beschädigte russische Kriegsschiff „Moskwa“ („Moskau“) für gesunken erklärt.

„Wo ist die ‚Moskwa‘? Sie ist gesunken“, schrieb Arestowytsch am Donnerstag auf Twitter und bei Telegram. Bestätigungen für diese Behauptung lagen jedoch zunächst nicht vor. Das ukrainische Einheitsfernsehen griff Arestowytschs Tweet dennoch auf. Russland sprach lediglich von schweren Schäden.

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Was ist passiert?

Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte soll Kiewer Angaben zufolge am Mittwochabend von zwei ukrainischen Neptun-Raketen getroffen worden sein. Bei den Raketen handelt es sich um sogenannte Seezielflugkörper ukrainischer Bauart, die eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern haben und beinahe Schallgeschwindigkeit erreichen. Sie werden vornehmlich zur Küstenverteidigung eingesetzt.

Um 1:05 Uhr Ortszeit in der Nacht zum Donnerstag morste der Lenkwaffenkreuzer „Moskwa“ SOS: Das Schiff sei nach einer Explosion im Munitionslager schwer beschädigt, die Crew evakuiert, heißt es im Funkspruch. Die Ursachen würden untersucht.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Auch der Chef der Gebietsverwaltung von Odessa, Maxym Martschenko, erklärte, der russische Kreuzer sei von zwei ukrainischen Schiffsraketen des Typs „Neptun“ getroffen und schwer beschädigt worden. Aber ob das Schiff ist? Dazu machte Martschenko im Gegensatz zu Präsidentenberater Arestowytsch keine Angaben.

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Ohnehin sind die Angaben zu dem Vorfall widersprüchlich: Einmal heißt es, das Schiff sei vor der von Russland eroberten Schlangeninsel getroffen worden, ein anderes Mal soll es in der Bucht von Sewastopol auf der annektierten Halbinsel Krim getroffen worden sein. Die USA hingegen gehen davon aus, dass sich das Schiff 60 bis 65 nautische Meilen südlich der ukrainischen Stadt Odessa befunden habe, als es zu einer Explosion gekommen sei.

Russland hielt sich zunächst bedeckt

Das russische Verteidigungsministerium widersprach zunächst der Aussage, wonach das Schiff gesunken sei, räumt aber schwere Schäden ein. Es sei trotz massiver Schäden weiter seetüchtig, teilte Moskau noch am Donnerstag mit. Das Ministerium bestätigte einen Brand sowie Schäden auf dem bekannten Kreuzer der russischen Schwarzmeerflotte. Die Besatzung aber sei in Sicherheit gebracht worden. Die Explosionen von Munition an Bord seien beendet, die Raketen selbst seien nicht beschädigt, hieß es. Später versicherte das Ministerium, der Kreuzer sei schwimmfähig und solle für Reparaturen in einen Hafen geschleppt werden. Auf dem Weg dorthin ging er dann unter.

Im morgendlichen Briefing verlor der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, zunächst sogar überhaupt kein Wort über die „Moskwa“. Er ist traditionell für frohe Botschaften bei der Schlacht gegen die Ukraine zuständig.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte später, Präsident Wladimir Putin sei über die Schäden an der „Moskwa“ informiert worden. „Über die Militärberichte wird der Oberkommandierende regelmäßig über alle Ereignisse informiert“, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Am späten Abend räumte das Verteidigungsministerium dann die Havarie ein, wie russische Nachrichtenagenturen berichten.

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USA sprechen von „schwerem Dämpfer“ für Russland

Jurij Sak, ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, wollte Berichte über einen ukrainischen Beschuss des russischen Raketenkreuzers „Moskwa“ oder gar den Untergang des Schiffes im Schwarzen Meer am Nachmittag nicht bestätigen. Er könne weder konkret sagen noch dementieren, was passiert sei, sagte Sak am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Er sei sich aber bewusst, dass es anderslautende Berichte aus der Ukraine gebe.

„Falls oder wenn das bestätigt wird, können wir erleichtert durchatmen, denn das bedeutet, dass weniger Raketen ukrainische Städte erreichen werden“, sagte Sak der AP.

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, wertete die Schäden am russischen Raketenkreuzer „Moskwa“ noch bevor der Untergang des Schiffes bestätigt wurde als „schweren Dämpfer für Russland“. Die US-Regierung könne nicht bestätigen, dass das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte von ukrainischen Raketen getroffen worden sei, sagte Sullivan am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Organisation Economic Club of Washington.

„Sie mussten zwischen zwei Geschichten wählen: Eine Geschichte ist, dass es einfach nur Inkompetenz war, und die andere war, dass sie angegriffen wurden, und keine davon ist ein guter Ausgang für sie“, sagte Sullivan.

„Wir glauben, dass auf dem Schiff immer noch ein Brand bekämpft wird.“

US-Verteidigungsministerium

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Das US-Verteidigungsministerium spricht ebenfalls von Schäden auf dem Lenkwaffenkreuzer „Moskwa“. Ein hochrangiger Verteidigungsbeamter sagte am Donnerstag in Washington, bislang lasse sich nicht mit Klarheit sagen, was den Schaden auf dem Raketenkreuzer verursacht habe. „Im Moment können wir nicht definitiv sagen, was diese Explosion und das anschließende Feuer verursacht hat.“ Es könne auf einen Raketenangriff zurückzuführen sein, es könne aber auch andere Gründe geben.

Die Gefahr von Bränden und Explosionen auf derartigen Schiffen sei generell groß, da diese brennbares und explosives Material an Bord hätten, betonte er. Daher gelte es, vorsichtig zu sein mit Schlussfolgerungen. „Wir glauben, dass auf dem Schiff immer noch ein Brand bekämpft wird“, sagte der Beamte weiter. Der Kreuzer bewege sich derzeit nach Osten, mutmaßlich Richtung Sewastopol, um dort repariert zu werden. Zuletzt sei das Schiff noch in der Lage gewesen, sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Der Verteidigungsbeamte sagte, nach US-Erkenntnissen seien mehrere andere russische Schiffe, die zuvor in der Nähe der „Moskwa“ im nördlichen Schwarzen Meer im Einsatz gewesen seien, weiter nach Süden verlegt worden.

Ukrainischer Soldat im Februar: „Russisches Kriegsschiff, verpiss dich!“

Die über 180 Meter lange „Moskwa“ war 1979 zu Wasser gelassen und 1982 in den Dienst genommen worden, damals noch unter dem Namen „Slawa“ (Ruhm). Erst 1996 erhielt es seinen heutigen Namen „Moskwa“. Von dem Flaggschiff aus wurden Raketenangriffe auf ukrainisches Territorium ausgeführt, es kann 16 Langstrecken-Marschflugkörper transportieren. An Bord des Kreuzers befinden sich üblicherweise rund 500 Besatzungsmitglieder. Bis Sonntag lag der Kreuzer noch im Hafen von Sewastopol auf der Krim, wie aus Satellitenfotos hervorgeht. Am Donnerstag war seine Position wegen einer dichten Wolkendecke mit kommerziellen Satelliten nicht zu erkennen.

Ukrainischen Angaben zufolge war das Schiff auch Ende Februar an der Eroberung der Schlangeninsel knapp 35 Kilometer östlich der Donaumündung beteiligt.

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Diese Episode zu Kriegsbeginn ist mittlerweile bereits legendär: Vom Kreuzer kam demnach damals die Aufforderung an ukrainische Soldaten, die Waffen zu strecken. Der ukrainische Marineinfanterist Roman Hrybow soll einem bekannt gewordenen Funkspruch zufolge geantwortet haben: „Russisches Kriegsschiff, verpiss dich!“ Inzwischen ist dieser Spruch zu einem geflügelten Wort in der Ukraine geworden.

Es wäre das zweite größere russische Schiff, das nach dem vor sieben Wochen begonnenen Angriffskrieg durch ukrainische Raketen zumindest stark beschädigt wurde. Vor knapp drei Wochen war ein Landungsschiff der russischen Kriegsmarine im Hafen der besetzten südukrainischen Stadt Berdjansk infolge eines Raketenangriffs versenkt worden.

Wird die russische Flotte nun ein leichteres Ziel sein?

Für die weitere Kriegsführung der Russen bedeutet dies durchaus Probleme. Der Verlust des Lenkwaffenkreuzers mit seiner gewaltigen Feuerkraft kurz vor Beginn der erwarteten Offensive im Donbass im Osten der Ukraine ist jedenfalls ein herber Dämpfer für die russischen Streitkräfte. Ihre Kriegsschiffe, die bislang ungehindert in ukrainischen Gewässern navigierten und von dort Landziele unter Beschuss nahmen, müssen sich zudem darauf einstellen, zunehmend zum Ziel von Küstenbatterien zu werden.

Kiew hat sich neben den im eigenen Land hergestellten „Neptun“-Raketen unlängst auch Antischiffsraketen aus Großbritannien gesichert. Um diesen Geschossen zu entgehen, müssen die russischen Kriegsschiffe wohl den Abstand zur Küste vergrößern. Landemanöver wie in Odessa, über die seit Wochen spekuliert wird, werden damit deutlich unwahrscheinlicher.

RND/sic/dpa/AP

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