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Am Bahnhof waren Tausende Zivilisten

Angriff auf Evakuierungsbahnhof: Ukraine meldet mehr als 50 Tote

Der Bahnhof von Kramatorsk am 2. März. Am heutigen Freitag, 8. April, wurde der Bahnhof angegriffen worden sein. Zu dem Zeitpunkt befanden sich dort Tausende Zivilisten (Archivbild).

Der Bahnhof von Kramatorsk am 2. März. Am heutigen Freitag, 8. April, wurde der Bahnhof angegriffen worden sein. Zu dem Zeitpunkt befanden sich dort Tausende Zivilisten (Archivbild).

Kiew. Bei einem Raketenangriff auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk wurden am Freitag Dutzende Menschen getötet. Der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, sprach am Nachmittag von 50 Toten, darunter fünf Kinder. Knapp 100 Menschen wurden verletzt.

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Etwa 4000 Menschen hätten sich am Bahnhof aufgehalten, sagte Bürgermeister Olexander Hontscharenko. Sie hätten in sicherere Gebiete gebracht werden sollen, während russische Truppen ihre Angriffe auf den Osten der Ukraine konzentrierten. Kramatorsk liegt in einem von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiet der Region Donezk. Die Ukraine hatte die Bewohner des Gebiets in dieser Woche aufgefordert, sich vor einer erwarteten russischen Großoffensive so rasch wie möglich in sicherere Landesteile zu begeben. Dazu seien mit Russland im Osten zahlreiche Evakuierungsrouten vereinbart worden.

Selenskyj fordert vollständiges Embargo auf russisches Öl und Gas

Nach dem Angriff auf einen ostukrainischen Bahnhof mit über 50 Toten fordert Selenskyj entschiedene Reaktionen.

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Der ukrainische Präsident Wolodmyr Selenskyj verurteilte den Angriff auf dem Nachrichtenkanal Telegram. Er berichtete, dass am Bahnhof Tausende Ukrainer auf ihre Evakuierung gewartet hätten. Polizei und Rettungskräfte seien bereits vor Ort. „Da ihnen die Kraft und der Mut fehlen, sich auf dem Schlachtfeld gegen uns zu behaupten, zerstören sie zynisch die Zivilbevölkerung. Dies ist ein Übel, das keine Grenzen kennt. Und wenn es nicht bestraft wird, wird es nie aufhören“, schrieb Selenskyj. Er nannte die Angreifer „russische Nichtmenschen“. Selenskyj postete zudem Fotos eines Zugwaggons mit geborstenen Fensterscheiben, verstreut liegenden Gepäckstücken und Leichen auf einer Art Sammelplatz im Freien.

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Der Angriff geschah am selben Tag, an dem EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell als Zeichen der Unterstützung mit einem Zug nach Kiew reisten. Als „verabscheuungswürdig“ verurteilte von der Leyen den Angriff auf Kramatorsk. Borrell twitterte: „Dies ist ein weiterer Versuch, Fluchtrouten zu schließen für diejenigen, die diesem ungerechten Krieg entfliehen wollen, und menschliches Leid herbeizuführen.“

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, verbreitete auf Twitter ein Video dazu. Elliot Higgins, Gründer des internationalen Recherchenetzwerkes Bellingcat, hat auf Twitter Bilder eine der Raketen gezeigt, mit denen der Bahnhof von Kramatorsk angegriffen worden sein soll.

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Laut Higgins handele es sich dabei um eine sogenannte Tochka-U Rakete. Auf der Seite der Waffe steht „Für unsere Kinder“. Es sei schwer vorstellbar, dass es sich bei dem Angriff mit den Lenkflugkörpern nicht um eine absichtliche Attacke auf einen Evakuierungsstelle handele, so Higgins.

Moskau: „Nutzen diesen Raketentyp nicht“

Russland wies die Vorwürfe hingegen strikt zurück. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einer „Provokation“. „Unsere Streitkräfte nutzen diesen Raketentyp nicht“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. Im Blick hatte er den mutmaßlich verwendeten Typen Totschka-U.

Militärexperten bezweifeln diese Darstellung. Am Vortag hatten Investigativreporter berichtet, dass die in Belarus stationierten russischen Truppen mehrere Totschka-U erhalten hätten. In einer gemeinsamen Übung von russischen und belarussischen Truppen waren Totschka-U verwendet worden. Die Raketen gelten als weniger zielgenau als die Iskander, die Russland häufig eingesetzt hat. Totschka-U können verbotene Streumunition transportieren - dies sei in Kramatorsk der Fall gewesen, sagen die Ukrainer.

Kremlsprecher Peskow sagte: „Es gab keine Kampfeinsätze in Kramatorsk, und es waren heute auch keine geplant.“ Die Separatisten, die Anspruch auf das gesamte Verwaltungsgebiet Donezk erheben, gaben der Ukraine die Schuld. Sie behaupten immer wieder, ukrainische „Nationalisten“ würden die Zivilbevölkerung als Schutzschilde nutzen und deren Evakuierung verhindern. Beweise dafür legen sie nicht vor.

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RND/AP/dpa

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