Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Der Strand ist schon vermint

Russische Kriegsschiffe schießen auf Odessa: Warum diese Schlacht entscheidend ist

Vier Wochen vor den Angriffen auf die Region Odessa üben hier bereits russische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer den Angriff. Damals hatte Moskau einen bevorstehenden Einmarsch in die Ukraine noch zurückgewiesen.

Vier Wochen vor den Angriffen auf die Region Odessa üben hier bereits russische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer den Angriff. Damals hatte Moskau einen bevorstehenden Einmarsch in die Ukraine noch zurückgewiesen.

In der Millionenstadt Odessa führt eine große Steintreppe von der Altstadt zum Hafen, direkt ans Schwarze Meer. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt, war auf Briefmarken abgebildet und Drehort mehrerer Filme. Direkt neben der bekannten Treppe steht die Kanone eines englischen Schiffes, das während des Krieges um die Krim gesunken ist. Nun herrscht erneut Krieg an der Südküste der Ukraine, wo im Sommer noch viele Menschen Urlaub gemacht haben. Über den 40 Kilometern langen Strand- und Küstenabschnitt haben ukrainische Soldaten Minen verlegt und Militärstützpunkte errichtet. Sie warten auf den Kampf.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Am Montagmorgen meldet der „Kyiv Independent“, dass russische Kriegsschiffe mehrere Wohnhäuser von Odessa aus weiter Entfernung beschossen haben sollen. Dabei sollen mehrere Gebäude beschädigt worden sei, so der Sprechers der Militärverwaltung von Odessa, Serhiy Bratchuk. „Es gibt keine Verletzten“, sagte er in einer Videobotschaft bei Telegram.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Die russischen Truppen rücken immer näher an Odessa heran, die drittgrößte Stadt der Ukraine. Die Region um Cherson im Norden der Halbinsel Krim wurde bereits von russischen Truppen eingenommen. Nur ein kleiner Teil der Küste westlich der Krim, rund um die Hafenstadt Odessa, steht heute noch unter ukrainischer Kontrolle.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei den Kämpfen um die Hafenstadt geht es um nichts Geringeres als die wirtschaftliche Zukunft des ganzen Landes. Denn Odessa ist nicht nur ein wichtiges Wirtschaftszentrum der Ukraine, sondern hat auch den größten Hafen. Etwa 70 Prozent aller ukrainischen Importe und Exporte werden in Form von Seefracht getätigt – und Odessa wickelt davon etwa 65 Prozent ab. Der Hafen im Südwesten ist die Lebensader des ganzen Landes.

Die russischen Truppen haben bereits nahezu die gesamte ukrainische Südküste eingenommen haben. Odessa bleibt die einzige und zugleich die wichtigste Verbindung für den ukrainischen Handel. Würde nun auch sie in russische Hände fallen, wäre die Ukraine ganz vom Meer abgeriegelt und der Großteil der dringend benötigten Güter könnte nicht mehr auf dem Seeweg das Land erreichen. Außenhandel und Militärhilfen wären unmöglich.

Satellitenbilder zeigen, dass im Schwarzen Meer etwa ein Dutzend russische Kriegsschiffe in mehreren Gruppen vor der Region Odessa liegen. Bereits in der vergangenen Woche haben mehrere von ihnen das Feuer mit Raketen und Artillerie auf zwei kleinere Städte in der Region Odessa eröffnet. „Sie feuerten eine große Menge an Munition aus großer Entfernung ab“, so der Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Heraschtschenko. Er vermute, Russland habe die ukrainische Küstenverteidigung testen wollen. Landungsversuche habe es nicht gegeben. Ob die Geschosse Schäden angerichtet haben, ist nicht bekannt. Die ukrainische Marine hatte nach der Annexion der Krim durch Russland ihr Hauptquartier nach Odessa verlegt. Sie verfügt über mehr als ein Dutzend Schiffe, die genaue Anzahl ist nicht bekannt.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Laut dem Militärexperten H I Sutton werde die Schiffskolonne von einem Minensuchboot mit einem Räumgerät angeführt. Die Landungsboote sollen direkt vom russischen Stützpunkt vor der Küste der Krim gekommen sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Für Russland könnte die vollständige Kontrolle des ukrainischen Schwarzen Meeres und der Küste des Asowschen Meeres wichtiger sein als die Eroberung von Charkiw oder der Westukraine zusammen“, sagte der Sicherheitsexperte Alexey Muraviev von der Curtin University dem TV-Sender Al Jazeera. Er sieht in der Schlacht um Odessa den Schlüssel für die Zukunft des Kriegs in der Ukraine.

Unklar ist, warum die russischen Kriegsschiffe Odessa so lange verschont haben. Odessas Bürgermeister Gennadiy Trukhanov ging zunächst davon aus, dass russische Truppen erst die Stadt auf dem Landweg abschneiden und dann einen Angriff auf dem Seeweg versuchen würden, wie „Prawda“ berichtet. Doch die Bodentruppen Russlands sind noch weit von Odessa entfernt. Daher warnte zuletzt der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Oleksiy Danilov vor einem direkt Angriff auf Odessa und die Region vom Meer aus.

Das ukrainische Militär hat schon vor Wochen Barrikaden im Großraum von Odessa errichtet. Viele Menschen sollen die Stadt bereits verlassen haben. Es gibt eine nächtliche Ausgangssperre und an den Eingängen zur Millionenstadt Straßensperren, erklärte der Bürgermeister in einer Videobotschaft. „Odessa hat sich in eine große Festung verwandelt, und wir sind bereit, unseren Platz zu verteidigen.“

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen