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Munitionsdepots zerstört, schwere Schäden in Luhansk

Russen fürchten Himars-Raketenwerfer: Werden sie zum Gamechanger im Krieg gegen Russland?

Ein Mehrfachraketenwerfer von Typ Himars (High Mobility Artillery Rocket System) fährt während eines Kampftrainings in der Hochwüste des Yakima Training Center in Washington.

In den von Russland besetzten Gebieten zerstören die ukrainischen Streitkräfte immer mehr Munitionsdepots und Militärstützpunkte der russischen Truppen. Von Ende Juni bis Anfang Juli zählte der ukrainische BBC-Ableger 14 erfolgreiche Angriffe innerhalb elf Tagen. Dabei handelt es sich um Ziele, die bisher für die Ukraine unerreichbar gewesen sind und weit von der Front entfernt liegen. Die Lieferung der Himars-Mehrfachraketenwerfer aus den USA ermöglicht den ukrainischen Streitkräften nun aber schwere Gegenschläge im Süden und Osten des Landes.

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Bereits seit Tagen hält der Beschuss auf mehrere Munitionslager in der strategisch wichtigen Stadt Nowa Kachowka im Süden der Ukraine an. Analysen des US-Thinktanks ISW zufolge waren einige Munitionslager der Russen bereits nach der Annexion der Krim angelegt worden. In verschiedenen Städten konnte die Ukraine die Treibstoff- und Waffendepots mittlerweile zerstören, so die ISW-Experten.

Angriffe gibt es auch im Donbass: In der Nacht zu Mittwoch habe es massenhaften Beschuss mit Raketenwerfern auf die prorussische Separatistenhochburg Luhansk gegeben, bestätigte Separatistenvertreter Andrej Marotschko bei Telegram.

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Dass die Ukraine mit dem Himars-System nun auch auf besetzte Städte schießt, hat einen einfachen Grund: „Dort kommen die Züge mit Munition beladen an, werden mitten in der Stadt händisch ausgeladen und direkt neben den Geleisen abgelegt und gestapelt“, erklärt Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer. Die russischen Verbände an der Front würden sich dann mittels LKWs direkt die Munition abholen, die sie benötigen. Der Munitionsverbrauch der Artillerie ist enorm. In Russland gibt es zwar große Munitionsbestände. Doch die müssen sicher an die Front in der Ukraine gebracht werden. Um die Munitionsströme der Russen zu unterbinden, gab es zuletzt auch immer wieder Angriffe auf Brücken und Eisenbahnlinien. Reisner schätzt, dass jeden Tag 3000 Tonnen Munition an der Frontlinie benötigt werden. Die Russen lagern sie 50 bis 70 Kilometer hinter der Front in Depots zu je 100 bis 150 Tonnen, sagte er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Selenskyj zeigt sich dank westlicher Waffenlieferungen zuversichtlich

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt sich dank der Waffenlieferungen aus dem Westen zuversichtlich bezüglich des Kriegsverlaufs.

Für die Himars-Raketenwerfer sind die russischen Depots ein leichtes Ziel. „Das Himars-System kann aus 70 Kilometer Entfernung schießen“, so Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DPAG). Sechs 227-Millimeter-Raketen kann das Himars-Modell vom Typ M142 System abschießen, bevor man es nachladen muss. Das Himars-System ist laut Mölling äußerst präzise und habe eine höhere Reichweite als die meisten russischen Artilleriesysteme. Die Ukraine kann so auf russische Ziele schießen, ohne selbst in Reichweite der russischen Artillerie zu gelangen.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Genauigkeit des Waffensystems gelobt. Die abgeschossenen Raketen können während des Fluges GPS-Daten empfangen und ihre Flugbahn korrigieren. Ziele können so auf bis zu drei Metern genau getroffen werden.

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Derzeit verfügt die Ukraine über acht Himars-Raketenwerfer, in Kürze werden es zwölf, und bald sollen noch weitere sechs Systeme von Deutschland und Norwegen dazukommen. Diese Anzahl ist nach Einschätzung von Experten aber viel zu gering, um einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Ein Game Changer ist Himars vorerst nicht. „Um den russischen Angriff nachhaltig zu brechen, bräuchte die Ukraine mindestens 100 Stück“, so die Einschätzung von Oberst Reisner. Nur so könne die Ukraine mehrere wiederholte, massive Feuerschläge durchführen und die Russen so schwer treffen, dass sie sich zurückziehen müssten.

„Die Himars können nur den Krieg verändern, wenn die Ukraine sie in großer Stückzahl erhält.“

Markus Reisner,

Oberst des Generalstabsdienstes (Bundesheer Österreich)

Die russischen Streitkräfte geraten trotzdem zunehmend unter Druck. Sie greifen ukrainische Waffendepots an, um neben Artillerie auch die Raketenmunition für die Himars zu zerstören. Reisner beobachtet, dass die russische Militärführung inzwischen auf die vielen ukrainischen Angriffe reagiert hat. „Durch die Himars-Angriffe haben die Russen nun begonnen diese Lager zu dezentralisieren und mit Raketenabwehr zu schützen.“ Die Umsetzung dieser Maßnahmen nehme aber einige Zeit in Anspruch. Zeit, die die Ukraine dadurch gewinnt.

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