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Viele Arbeiter in AKW gefährdet

Berichte der Internationalen Atomenergiebehörde: Ukraine meldet Beschuss nahe Tschernobyl

Das ehemalige AKW Tschernobyl. Der 2018 erbaute Shelter braucht Strom für die Strahlungsüberwachung und Lüftung (Archivbild).

Das ehemalige AKW Tschernobyl. Der 2018 erbaute Shelter braucht Strom für die Strahlungsüberwachung und Lüftung (Archivbild).

Kiew. Nach mehreren Flächenbränden rund um die Atomruine Tschernobyl führt nun möglicher Beschuss in der Nähe zu erneuten Sorgen um die Sicherheit der Anlage. Russische Streitkräfte hätten ukrainische Kontrollpunkte in der Stadt Slawutytsch unter Beschuss genommen, teilte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, in der Nacht zu Freitag unter Berufung auf Informationen der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde mit.

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Dies gefährde laut Kiew „die Häuser und Familien des Betriebspersonals, das die nukleare und radioaktive Sicherheit“ des ehemaligen AKW gewährleiste sowie weitere Rotationen der Angestellten. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig bestätigen. In der Kleinstadt Slawutytsch mit rund 25.000 Einwohnern, die sich außerhalb der Sperrzone befindet, leben viele Menschen, die im nahe gelegenen ehemaligen Kernkraftwerk Tschernobyl arbeiten.

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Generaldirektor Grossi habe sich besorgt über diese Entwicklung gezeigt, hieß es in der Mitteilung weiter. Erst vor wenigen Tagen habe das technische Personal des ehemaligen Atomkraftwerks nach fast vier Wochen Arbeit ohne Schichtwechsel in seine Häuser in Slawutytsch gehen und sich ausruhen können. Die IAEA wolle die Situation weiter genau verfolgen, sagte Grossi.

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Experten: Keine erheblichen radiologischen Bedenken

Zu den Flächenbränden hieß es in der Mitteilung weiter, Experten der IAEA teilten die Einschätzung der ukrainischen Kollegen, dass es deswegen keine erheblichen radiologischen Bedenken gebe. Russische Truppen hatten das Gelände um das AKW Tschernobyl vor rund einem Monat unter ihre Kontrolle gebracht. Dort kam es 1986 zum schwersten Atomunglück in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernkraft.

BfS hat Strahlenschutz im Blick

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat nach eigenen Angaben derweil auch das Szenario eines russischen Atomwaffen-Einsatzes in der Ukraine im Blick. „Wir untersuchen alle möglichen Szenarien, und Kernwaffen sind natürlich auch ein mögliches radiologisches Szenario, auch wenn wir natürlich hoffen, dass es dazu niemals kommt“, sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini der Deutschen Presse-Agentur. Ihre Behörde sei seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar „in Dauerbeobachtung“ der Lage vor Ort, das Amt beobachte die Gefahr eines Austritts von radioaktiver Strahlung sehr genau. Einen solchen Austritt habe es aber in der Ukraine - trotz heftiger Kämpfe auch in der Nähe von Atomkraftwerken - bislang noch nicht gegeben.

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Paulini erklärte, dass bei einem Kernwaffen-Einsatz auch radioaktive Stoffe freigesetzt würden, die sich aber anders verhielten als die Stoffe, die bei einem AKW-Unfall austreten würden. Es gebe „einen grundsätzlichen Unterschied zwischen einem großen Reaktorunfall in der Ukraine oder einem Austritt von Radioaktivität über eine Kernwaffe“, erklärte Paulini. Denn bei einem Atomwaffeneinsatz hätten die Stoffe eine andere Zusammensetzung und würden mehr „kurzlebige Radionuklide“ enthalten. Das bedeutet, dass sie sehr wahrscheinlich schneller zerfallen.

Folglich wäre in Deutschland bei einem Atomwaffeneinsatz in der Ukraine die Strahlenbelastung laut Paulini voraussichtlich geringer als nach einem großen Unfall in einem ukrainischen AKW. „Vor Ort wären die Folgen je nach Szenario aber verheerend“, mahnte Paulini.

Der Sprecher des russischen Regierung, Dimitri Peskow, hatte seit Ausbruch des Krieges mehrfach ausweichend auf die Frage reagiert, ob Präsident Wladimir Putin den Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine ausschließe. Vor zwei Tagen verwies er auf Nachfrage einer Journalistin auf die russische Sicherheitsdoktrin, wonach Nuklearwaffen eingesetzt würden, wenn eine „existenzielle Bedrohung“ für Russland bestehe. Das US-Verteidigungsministerium hatte die Äußerungen als gefährlich bezeichnet.

RND/dpa

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