Chef der Wagner-Gruppe

„500 Verteidigungslinien“: Wie „Putins Koch“ an der Hölle von Bachmut verzweifelt

Der Leiter der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, nimmt an der Beerdigung eines Kämpfers der Wagner-Gruppe teil, der während eines Spezialeinsatzes in der Ukraine ums Leben kam.

Der Leiter der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, nimmt an der Beerdigung eines Kämpfers der Wagner-Gruppe teil, der während eines Spezialeinsatzes in der Ukraine ums Leben kam.

Bachmut war vor dem Krieg eine unbedeutende 75.000-Einwohner-Stadt im Oblast Donezk im Osten der Ukraine. Heute, zehn Monate nach Ausbruch des Krieges, ist Bachmut das Symbol für blutigste Kämpfe, für den massenhaften Tod, für ein seit Wochen anhaltendes Anrennen russischer Soldaten – geopfert für eine strategisch wertlose Stadt.

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Schon lange fragen sich Beobachter im Westen, warum die russische Armee immer wieder und bislang erfolglos versucht, Bachmut zu erobern. Einer, der im russischen Angriffskrieg eine zunehmend zentrale Rolle einnimmt, hat sich jetzt zu Bachmut geäußert: Jewgeni Prigoschin.

Der putinnahe Geschäftsmann und Chef der Wagner-Gruppe äußerte sich in einem Interview zu den „höllischen Kämpfen“ bei Bachmut, in denen vor allem „seine“ Söldner die Hauptlast der Kämpfe tragen.

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„Heute Morgen habe ich ein Haus eingenommen und die Verteidigung durchbrochen. Und hinter diesem Haus gibt es immer noch eine neue Verteidigung, und nicht nur eine“, sagt Prigoschin laut Übersetzung von Newsweek zu Ria Novosti. „Und wie viele solcher Verteidigungslinien gibt es in (Bachmut)? Wenn wir 500 sagen, werden wir uns wahrscheinlich nicht irren“, so Prigoschin beinahe schon resignierend. Um manches Haus werde wochenlang gekämpft.

Im Video übt er zudem deutliche Kritik an der russischen Logistik: Seinen Truppen mangele es an Ausrüstung und Waffen, die militärischen Analysten in Moskau nannte er Clowns.

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Russlands Präsident Wladimir Putin und Prigoschin kennen sich lange. Als der Ex‑KGB-Offizier Putin noch in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb trägt der in den chaotischen 1990er-Jahren in Russland zu Reichtum gekommene Geschäftsmann, der auch schon wegen Raubes im Gefängnis saß, den Beinamen „Putins Koch“.

Im Nachrichtendienst Telegram teilte Prigoschin im Dezember stolz mit: „Ich kann sagen, dass die private Militärfirma ‚Wagner‘ heute eine der entscheidendsten Rollen in der Zone der militärischen Spezialoperation spielt.“

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Rauchschwaden steigen aus einem brennenden Gebäude in Bachmut nach einem Angriff auf.

Rauchschwaden steigen aus einem brennenden Gebäude in Bachmut nach einem Angriff auf.

Gefürchtet ist Prigoschin auch wegen seiner Kritik, beispielsweise am russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow oder an Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Für Beobachter ist Prigoschins wachsender Einfluss auch ein Zeichen eines zunehmenden Kontrollverlusts Putins. Als Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte ist der Präsident letztlich auch für die Vielzahl an Niederlagen im Krieg in der Ukraine verant­wortlich.

Bachmut - Prigoschins Gesellenstück?

Bachmut könnte daher eine Art militärisches Gesellenstück Prigoschins auf dem Weg zu mehr Macht darstellen – militärisch macht die Eroberung der Stadt dagegen wenig Sinn.

Der pensionierte US‑Generalleutnant Ben Hodges, früher als kommandierender US‑General in Europa stationiert, äußerte gegenüber „Newsweek“, dass Prigoschins Glaubwürdigkeit in der Bachmut-Schlacht auf dem Spiel stehe. Wenn dessen Streitkräfte gezwungen seien, sich aus Bachmut zurückzuziehen, würde dies ein „Schlag“ für Prigoschins Prestige bedeuten und den Russen insgesamt „psychologisch“ schaden.

Tausende russischer Soldaten in Bachmut gestorben

Serhiy Haidai, der ukrainische Gouverneur der Region Luhansk, sagte am 26. Dezember auf seinem Telegram-Kanal, dass Tausende russischer Soldaten in der Schlacht um Bachmut bereits gestorben seien.

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Nach Angaben der in den USA ansässigen Denkfabrik ISW nahmen die russischen Streitkräfte am 1. und 2. Januar ihre Angriffe auf Bachmut und 60 Kilometer südlich davon auf Awdijiwka „mit geringer Vormarsch­geschwindigkeit“ wieder auf. In den sozialen Netzwerken kursiert das Video eines ukrainischen Soldaten, in dem er beschreibt, wie seine Einheiten russische Angriffe auf Bachmut erfolgreich abwehrt.

63 russische Soldaten bei ukrainischem Angriff getötet
ARCHIV - 23.05.2011, USA, Yakima Training Center: Ein Mehrfachraketenwerfer von Typ HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System) fährt während eines Kampftrainings in der Hochwüste des Yakima Training Center in Washington. Die US-Regierung liefert der Ukraine im Rahmen eines neuen Sicherheitspakets moderne Mehrfachraketenwerfer zur Verteidigung gegen den russischen Einmarsch. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Ukraine habe zugesichert, mit dem in den USA hergestellten Artilleriesystem HIMARS keine Ziele auf russischem Territorium anzugreifen. Foto: Tony Overman/The Olympian/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ukrainische Raketen sollen ein Gebäude zerstört haben, in dem viele russische Rekruten untergebracht waren.

Laut dem ukrainischen Kommandeur Roman Kostenko zeigen die vergeblichen russischen Angriffe auf Bachmut, wie sehr Moskau die eigene Stärke seiner Streitkräfte überschätzt. „Trotz aller Schwierigkeiten halten sie daran fest“, so Kostenko, der eine Spezialeinheit kommandiert, im amerikanischen Magazin „Newsweek“.

Das Bild einer unaufhaltsamen Kraft, die Putin zu Beginn der Invasion zu zeichnen versuchte, wurde von der Realität zerlegt.

Roman Kostenko, ein ukrainischer Kommandeur

„Das Bild seiner Armee als unaufhaltsame Kraft, die Putin zu Beginn der Invasion zu zeichnen versuchte, wurde von der Realität zerlegt. Was bleibt, ist ein schwaches und unmotiviertes Militär.“

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Laut Kostenko haben die Russen in der Region einen zahlenmäßigen Vorteil von 9:1 gegenüber den Ukrainern, sie werfen alles gegen die Front – und schaffen doch keinen Durchbruch. Serhij Tscherewatyj, Sprecher der ukrainischen Heeresgruppe Ost, nannte die Stadt ein „Fließband des Todes“ für die Angreifer. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am 28. Dezember, nachdem er Bachmut besucht hatte: „Es gibt dort keinen Ort, der nicht mit Blut bedeckt ist.“

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