Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Nach Explosionen auf der Halbinsel

Russen fliehen in Scharen von der Krim – und glauben kaum, dass Krieg ist

Am Strand von Saki steigt Rauch nach einer Explosion auf. Auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim im Schwarzen Meer ist Munition auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt explodiert.

Am Strand von Saki steigt Rauch nach einer Explosion auf. Auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim im Schwarzen Meer ist Munition auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt explodiert.

Nach dem Angriff am Dienstag auf einen Luftwaffen­stützpunkt nördlich von Sewastopol auf der von Russland besetzten Krim fliehen Russen und Russinnen offenbar in Scharen von der bei russischen Touristen beliebten Halbinsel.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein Video, das unter anderem von Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministers, geteilt wurde, zeigt eine Frau, die wegen des abrupten Endes ihres Urlaubs in Tränen ausbricht. „Ich will die Krim nicht verlassen“, sagt sie. Es sei so schön auf der Halbinsel. „Wir hatten uns bereits daran gewöhnt, hier zu leben. Es fühlt sich wie zu Hause an“, spricht die weinende Frau in die Kamera. Zudem zeigt das Video einen offenbar kilometerlangen Stau.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Dazu schreibt Geraschtschenko: „100 Kilometer Stau – die Menschen wollen die Krim verlassen.“ Angesichts der Szene mit der weinenden Russin fragt der Ministerberater außerdem seine Follower auf Twitter: „Glauben Sie, dass die Russen endlich beginnen werden zu verstehen, dass es wirklich ein Krieg ist?“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Russische Behörden rufen Notstand aus

Nach den Explosionen auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim haben die Behörden den Notstand in dem Landkreis ausgerufen. Der Verwaltungschef der Krim, Sergej Aksjonow, sagte am Mittwoch der russischen Nachrichten­agentur Interfax zufolge, dass mindestens 252 Bewohner und Bewohnerinnen des benachbarten Kurorts Nowo­fjodorowka in Notunterkünfte umgesiedelt würden. Die Gasversorgung zweier Ortschaften wurde demnach vorübergehend eingestellt. Bei den Explosionen am Dienstag ist nach offiziellen Angaben mindestens ein Mensch ums Leben gekommen, 14 Menschen wurden demnach verletzt.

Das russische Verteidigungs­ministerium nennt bisher einen Verstoß gegen die Brandschutzregeln als wahrscheinlichste Ursache des Vorfalls. Experten vermuten, dass diese Version aus Imagegründen präsentiert wird. Moskau wolle seine Verletzlichkeit durch ukrainische Waffensysteme nicht eingestehen, hieß es. Zahl und Wucht der Explosionen legten dagegen einen gezielten Angriff der Ukraine nahe. Es wäre die erste militärische Attacke auf Ziele auf der Schwarzmeer­halbinsel, die Russland 2014 annektiert hatte.

Russlands „grüne Männchen“ auf der Krim

Damals hatten nach wochenlangen EU-freundlichen Protesten auf dem Kiewer Maidan-Platz von Russland geschickte Spezialeinheiten ohne Rang- und Hoheitsabzeichen auf ihren Uniformen strategisch wichtige Punkte der Halbinsel besetzt. Diese sogenannten „grünen Männchen“ besetzten auch das Regional­parlament, das kurz darauf einen neuen, russland­freundlichen Regierungschef wählte. Dieser ließ schon am 16. März auf der Krim ein international nicht anerkanntes Referendum über den Anschluss an Russland abhalten. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Moskau die Krim offiziell als Teil des russischen Staatsgebietes.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++ Alle aktuellen News im Liveblog +++

Infolgedessen setzte der Kreml auf eine Politik des Bevölkerungs­austauschs auf der Halbinsel. Die ukrainische Bevölkerung und die Minderheit der Krimtataren sahen sich zunehmend Repressionen ausgesetzt. Experten des Schwarzmeer­instituts für strategische Studien (BSN) gingen im vergangenen Jahr von bis zu 180.000 Ukrainern und Ukrainerinnen aus, die die Krim nach der russischen Annexion verlassen haben. Zudem soll Russland gut eine Million Menschen insbesondere aus Sibirien, dem Kaukasus und den nördlichen Regionen auf der Halbinsel angesiedelt haben.

Laut Sergej Sumlenny, ehemaliger Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew, ist das russische Vorgehen nicht neu. Bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren habe die damalige Sowjetunion Krimtataren in Regionen im fernen Osten des Landes umgesiedelt und von der Halbinsel verbannt. Gleichermaßen seien russische Bürgerinnen und Bürger etwa mit finanzieller Unterstützung gelockt worden, auf die Krim umzuziehen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Landsleuten eine Befreiung der von Russland annektierten Halbinsel Krim im Schwarzen Meer versprochen. „Die Krim ist ukrainisch, und wir werden sie niemals aufgeben“, sagte er in der Nacht zu Mittwoch. Mit der Annexion 2014 habe Russland die Krim in einen der gefährlichsten Orte verwandelt. „Die Schwarzmeer­region kann nicht sicher sein, solange die Krim besetzt ist“, sagte Selenskyj. „Dieser russische Krieg gegen die Ukraine, gegen das ganze freie Europa, hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden, mit ihrer Befreiung.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Ukraine meldet russischen Angriff auf Vorort von Saporischschja

Russland hat nach eigenen Angaben ukrainische Waffensysteme, darunter ein deutscher Gepard-Panzer, zerstört.

RND/sic mit dpa

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Top Themen

Krieg in der Ukraine
 

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken