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Ukrainische Gefangene in die Luft gesprengt

Eines der größten Kriegsverbrechen des Jahrhunderts: Hat Russland gefangene Ukrainer getötet?

Ein Soldat steht Wache neben der Mauer eines Gefängnisses in Oleniwka, ein von Russland besetztes und von den Separatisten kontrolliertes Gebiet.

Ein Soldat steht Wache neben der Mauer eines Gefängnisses in Oleniwka, ein von Russland besetztes und von den Separatisten kontrolliertes Gebiet.

Nach dem tödlichen Angriff auf ein Gefängnis, in dem ukrainische Verteidiger der Hafenstadt Mariupol inhaftiert waren, sehen Militärexperten und ‑expertinnen eindeutige Hinweise dafür, dass Russland dafür verantwortlich ist. Die Militäranalysten vom „Institute for the Study of War“ (ISW) in Washington halten in ihrem Lagebericht die Versuche Russlands, der Ukraine den Angriff anzulasten, nicht länger für haltbar. Sie werfen dem Kreml eine Verletzung der Genfer Konventionen vor.

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Der Kreml hatte behauptet, die Ukraine habe Himars-Raketenwerfer aus dem Westen und präzisionsgelenkte Raketen auf das Gefängnis abgefeuert. Belege dafür gibt es jedoch nicht und auch das Ausmaß der Zerstörung passt nicht dazu. Die ISW-Militärexpertinnen und ‑experten stellen daher klar: „Satellitenbilder und andere Fotos zeigen, dass der Angriff nur ein Gebäude beschädigt hat, die Wände nicht einstürzten und sich keine Granatenkrater in der Nähe befinden.“

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Eine Brandbombe im Inneren halten die Expertinnen und Experten für wahrscheinlich, eine unabhängige Überprüfung ist allerdings nicht möglich. Für eine vollständige Aufklärung ist eine forensische Untersuchung der Körper nötig. Doch bisher durfte nicht einmal das Internationale Rote Kreuz das Gefängnis besuchen. Sollten sich die Hinweise gegen Russland bestätigen, wäre dies, wie auch in Butscha, eines der schlimmsten Kriegsverbrechen des Jahrhunderts.

Aus Sicht des Militärexperten Christian Mölling, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), gibt es zwei plausible Gründe, warum Russland das Gefängnis angegriffen hat. „Die Russen wollen zum einen nicht, dass die Gefangenen befreit werden. Es soll zuletzt schon Befreiungsaktionen gegeben haben“, sagte er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Hinzu komme, dass der Angriff Angst in der ukrainische Armee und der Zivilbevölkerung schüren soll, so Möllig. Der Terror gegen die ukrainische Bevölkerung ist von Beginn an Teil der russischen Kriegstaktik gewesen. Satellitenbilder weisen auf mögliche Gräber hin, die bereits vor dem Anschlag auf dem Gefängnisgelände ausgehoben wurden. Dies sehen Fachleute ebenfalls als Hinweis, dass Russland den Angriff geplant hat.

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Präsidentenberater Mykhailo Podolyak vermutet, dass Russland mit dem Angriff auch Beweise für Folter vernichten und einen Austausch von Gefangenen verhindern wollte und wirft dem Kreml „Terrorismus“ vor.

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Dass der Kreml versucht, die Verantwortung für den brutalen Angriff der Ukraine zuzuschieben, wundert Expertinnen und Experten nicht. „Aus russischer Sicht ist es das wichtigste, Zweifel im Westen an dem Krieg zu schüren“, sagt DGAP-Forschungsdirektor Mölling dem RND. Russland nutze jede Gelegenheit, um im Westen Unsicherheit zu säen, die Unterstützung für die Ukraine zu schmälern und den Putin-Anhängern neue Argumente zu liefern.

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Das Gefangenenlager Oleniwka liegt in einer Region, die von Russland kontrolliert wird. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem vorsätzlichen russischen Kriegsverbrechen. Mindestens 50 ukrainische Kriegsgefangene sollen getötet worden sein, mehr als 70 verletzt. Es soll sich bei ihnen um Verteidiger aus der wochenlang belagerten Stadt Mariupol handeln. Die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, warf Putin einen „schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht“ vor und forderte internationale Ermittlungen und weitere Sanktionen gegen Russland.

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Das Regiment wurde von russischen Regierungsmitgliedern und staatlichen Medien wiederholt als Nazi-Truppe dargestellt, die Gräueltaten an ukrainischen Zivilisten verübt haben soll. Beweise dafür wurden bislang nicht vorgelegt.

Mit AP-Material

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