Angeblich Kriegsschiff getroffen

Offenbar ukrainische Drohnenangriffe auf Halbinsel Krim

Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte liegen am 31. März 2014 in einer der Buchten von Sewastopol.

Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte liegen am 31. März 2014 in einer der Buchten von Sewastopol.

Sewastopol/Kiew/Moskau. Bei mutmaßlichen Drohnenangriffen Kiews auf der annektierten Halbinsel Krim ist nach russischen Angaben ein Kriegsschiff der Schwarzmeerflotte getroffen worden. Das Minenräumschiff „Iwan Golubez“ und auch Anlagen in einer Bucht seien leicht beschädigt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Samstag mit. Die Angriffe in Sewastopol seien unter Anleitung britischer Spezialisten in der Ukraine erfolgt, behauptete das Ministerium. Diese Einheiten seien auch für die Anschläge auf die Ostsee-Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 im September verantwortlich, hieß es weiter - ebenfalls ohne dafür Beweise vorzulegen.

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Die Regierung in London wies die Vorwürfe empört zurück. „Um von ihrem katastrophalen Umgang mit der illegalen Invasion in der Ukraine abzulenken, greift das russische Verteidigungsministerium auf die Verbreitung falscher Behauptungen epischen Ausmaßes zurück“, erklärte das britische Verteidigungsministerium über Twitter. „Diese erfundene Geschichte sagt mehr über Streitigkeiten innerhalb der russischen Regierung aus als über den Westen.“

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Moskau setzt Getreidedeal aus

Zu dem Angriff auf der Krim erklärte das russische Ministerium: „Heute Morgen um 4.20 Uhr ist vom Kiewer Regime ein Terroranschlag auf die Schiffe der Schwarzmeerflotte verübt worden.“ Insgesamt hätten 16 Drohnen Sewastopol angegriffen, die meisten seien aber abgefangen worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Kiew äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten.

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Als Reaktion auf die Angriffe setzte Russland das Abkommen zum Transport von ukrainischem Getreide aus den Häfen im Schwarzen Meer aus. Grund seien die „Terroranschläge“ auf die Schwarzmeerflotte in Sewastopol, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag in Moskau mit.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Russland drohte schon seit Wochen mit einem möglichen Stopp des Getreidedeals, durch den seit Sommer wieder ukrainische Lebensmittel auf den Weltmarkt kommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagte bereits in den vergangenen Tagen, dass Russland die Durchfahrt der mit Getreide beladenen Schiffe blockiere. Er betonte die Bedeutung dieser Lieferungen für die Bekämpfung des Hungers in der Welt.

Die Ukraine hat immer wieder erklärt, die von Russland seit 2014 besetzte Krim zurückerobern zu wollen. Die Stadt Sewastopol auf der Halbinsel ist für Moskau wichtig als Basis der Schwarzmeerflotte. Immer wieder wird die Halbinsel auch von Explosionen erschüttert, für die Russland die Ukraine verantwortlich macht. Kiew schweigt dazu meist. Am 8. Oktober etwa war die für den Nachschub der russischen Invasionstruppen in der Ukraine wichtige Kertsch-Brücke zwischen Russland und der Krim durch eine Explosion schwer beschädigt worden.

EU-Kommissar erwartet Kriegsverbrecherprozesse noch dieses Jahr

EU-Justizkommissar Didier Reynders hält wegen des Kriegs auch eine Anklage gegen Kremlchef Wladimir Putin vor einem internationalen Gericht für möglich. Es sei nicht seine Aufgabe, die Strafverfolgung einzelner Personen zu empfehlen, sagte der belgische Politiker dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstag). „Aber wenn Strafverfolger auch an der höchsten Ebene ansetzen wollen, sollen sie es tun.“

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Christoph Heusgen im Interview: „Wir kehren jetzt zum Kalten Krieg zurück“

Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, sieht in den Androhungen des Atomwaffengebrauchs eine Rückkehr des Kalten Krieges.

Reynders zeigte sich „ziemlich sicher“, dass die ersten Kriegsverbrecher-Prozesse vor dem Internationalen Strafgerichtshof gegen Russen noch dieses Jahr beginnen würden. Weiter sagte der EU-Kommissar, die vom Westen eingefrorenen Vermögen des russischen Staates und von Oligarchen könnten beim Wiederaufbau in der Ukraine helfen. So könne der Westen 300 Milliarden Euro aus Devisenreserven der russischen Zentralbank so lange als Garantie behalten, „bis Russland sich freiwillig am Wiederaufbau der Ukraine beteiligt“.

Militärexperte: Russische Offensivfähigkeit in der Ukraine gebrochen

Nach dem von Russland verkündeten Ende der Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine erwartet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weitere Einberufungswellen Moskaus. „Wir bereiten uns darauf vor“, sagte er in einer am Freitagabend verbreiteten Videobotschaft. Moskau werde noch mehr Reservisten brauchen, meinte Selenskyj mit Blick auf den Widerstand der Ukraine und die Opfer in den Reihen russischer Soldaten. Selenskyj äußerte sich erneut auch zu den Stromausfällen im Land infolge der Zerstörung von Energieinfrastruktur durch russische Raketen. Vier Millionen Ukrainer würden derzeit mit den Einschränkungen leben. Betroffen seien unter anderem die Hauptstadt Kiew sowie die Regionen Sumy und Charkiw, sagte er.

Der Militärexperte Niklas Masuhr sieht für Moskau schwere Probleme kommen. Desolate Truppenmoral und Waffenmangel würden Russland im Winter vor große Probleme stellen. „Auch ohne Einwirkung der Ukrainer wird der Winter eine große Herausforderung für die Russen“, sagte der Forscher am Center for Security Studies der Universität ETH in Zürich der Deutschen Presse-Agentur. „Für die Russen geht es noch darum, sich über den Winter einzugraben. Die Truppen sind in so schlechtem Zustand, dass nicht klar ist, ob sie das schaffen.“

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Die Versorgung der Truppen an der Front werde im Winter schwerer, das drücke weiter auf die Moral. „Die russische Offensivfähigkeit in der Ukraine ist gebrochen, weitere Vorstöße sind eher unwahrscheinlich“, sagte er. Gleichzeitig gebe es keine Anzeichen, dass die jüngste Terrorkampagne mit Raketen- und Drohnenangriffen die Ukrainer eingeschüchtert habe oder ihnen der Schwung ausgehe, sagte Masuhr.

Er sehe täglich Berichte von mobilisierten russischen Truppen, die sich weigerten, in den Kampf zu gehen, und von Kommandeuren, die Untergebene mit Waffengewalt an die Front zwingen müssten. In den Verbänden fehle es an Zusammenhalt, weil die Truppen mittlerweile zusammengewürfelt seien, teils mit regulären Soldaten, teils mit Häftlingen und anderen jungen und alten Zwangsrekrutierten. „Mit so einem Flickenteppich kann man sich verteidigen, aber Offensiven stellen höhere Anforderungen an Ausbildung und Zusammenhalt.“

RND/dpa

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