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Ukraine fordert von Deutschland militärische Hilfe

„Wir beklagen 13.000 Tote, und es werden täglich leider mehr“: Der ukrainische Außenminister Wadym Prystajko.

Berlin.Die Ukraine fordert von Deutschland militärische Unterstützung im Konflikt mit Russland. „Wir sind sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung aus Deutschland und das politische Engagement der Bundesregierung. Unsere Bitte um militärische Hilfe wurde leider abgelehnt“, sagte der ukrainische Außenminister Wadym Prystajko dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich hoffe, dass Berlin diese zurückhaltende Position überdenkt und sich doch entschließen wird, die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken“, betonte er.

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Prystajko, der seit Ende August dem Kabinett von Präsident Wolodymyr Selenskyj angehört, sieht die Ukraine in existenzieller Gefahr. „Denn es geht um unser Überleben als Nation“, sagte er. „Deutschland und die EU haben sehr viel für uns getan. Aber eben nicht genug, um das Sterben von Menschen zu beenden. Wir beklagen 13.000 Tote, und es werden täglich leider mehr“, sagte der langjährige Spitzendiplomat.

"Sanktionen sind nötig"

Zugleich zeigte sich der ukrainische Außenminister irritiert darüber, dass nur eine Minderheit in Deutschland die nach der Krim-Annexion verhängten Russland-Sanktionen gutheißt: „Ich weiß um das schlechte Gewissen, das die Nazi-Besatzung der Sowjetunion den Deutschen noch heute bereitet. Das Dritte Reich tötete Millionen Menschen, darunter auch viele Russen. Aber wissen Sie was? Das Volk, das im Zweiten Weltkrieg wohl am meisten gelitten hat, war eben die Ukraine, wir haben bis zehn Millionen Menschen verloren“, betonte er. „Es braucht die Sanktionen, damit die Russen am Verhandlungstisch bleiben“, sagte Prystajko.

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Sein Land öffne sich für Investitionen: „Deutsche Unternehmer auf der Suche nach Alternativen zum russischen Markt sind willkommen“, sagte Prystajko im Interview mit dem RND.

Die Ukraine befürchtet überdies Nachteile aufgrund der prominenten Rolle des Landes im Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump. „Dass wir im Mittelpunkt des Amtsenthebungsverfahrens gegen den US-Präsidenten stehen, ist nicht gut. Eine Verschlechterung des Verhältnisses zu den USA können wir gar nicht gebrauchen“, sagte Prystajko. „Einige bei uns wünschen sich, die Ukraine wäre das langweiligste Land auf Erden“, fügte er hinzu.

Sehnsucht nach Langeweile

Zudem beteuerte er, dass Präsident Selenskyj mit seinem Telefonat mit US-Präsident Trump, in dem sich beide über zu wenig Unterstützung aus Europa, Deutschland und namentlich von Kanzlerin Angela Merkel für die Ukraine beklagten, keineswegs die Deutschen verletzen wollte. „Präsident Trump erinnerte Präsident Selenskyj daran, dass die Europäer schon aufgrund der geografischen Nähe mehr für unsere Sicherheit tun müssten als die USA, und Präsident Selenskyj stimmte zu“, sagte er. Er glaube nicht, dass Kanzlerin Merkel verletzt sei: „Ich bin mir sicher, dass sich Frau Merkel im Laufe ihrer langen Kanzlerschaft ein dickes Fell zugelegt hat. Sie dürfte kaum überrascht sein über die Worte, die Staatschefs in vertraulichen Telefonaten wechseln“, sagte Prystajko.

Derartige Einlassungen seien in vertraulichen Politikergesprächen nichts Unübliches. „Wann immer uns Vertreter anderer Staaten vorhalten, die Wortwahl wäre nicht sehr freundlich, erwidere ich Folgendes: Zeigt uns doch bitte, wie ihr über uns in vertraulichem Rahmen sprecht. Damit hat sich das Thema dann erledigt“, sagte Prystajko dem RND.

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