Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Flucht vor dem Krieg

Forscher fordern: Kinder und Jugendliche aus Ukraine müssen schnell Kita oder Schule besuchen

Wie schnell klappt die Integration in den Schulen? Eine Willkommensklasse für aus der Ukraine geflüchtete Kinder am Lessing-Gymnasium.

Wie schnell klappt die Integration in den Schulen? Eine Willkommensklasse für aus der Ukraine geflüchtete Kinder am Lessing-Gymnasium.

Berlin. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz dringt auf eine möglichst rasche Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine in Kitas und Schulen. „Die Kernforderung ist: Alle Kinder und Jugendlichen sollten so bald wie möglich nach ihrer Ankunft die Kita oder die Schule besuchen“, sagt der Kieler Professor Olaf Köller, der einer der Vorsitzenden der Kommission ist. Das Ziel müsse sein, „den Erwerb der Bildungssprache Deutsch und die baldige Integration in den Fachunterricht zu ermöglichen“, heißt es in einem rund 20-seitigen Gutachten der Forscher.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Es kommt auf Quantität und Qualität an

Notwendig sei nicht nur ein hoher Anteil von Deutschunterricht in der Anfangsphase, sondern es müsse auch in den Folgejahren kontinuierliche Unterstützung geben, schreiben die Wissenschaftler in dem Gutachten. Es lasse sich auf Grundlage der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht klar beantworten, ob mit eigenen Willkommensklassen oder mit einer sofortigen Integration in die normalen Klassen plus Sprachunterricht bessere Ergebnisse erzielt würden – entscheidend seien Quantität und Qualität des Sprachunterrichts. Gerade in der Grundschule solle schnell integriert werden. Dies erhöhe auch das Zugehörigkeitsgefühl.

Bei der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission handelt es sich um ein unabhängiges Beratungsgremium der Kultusministerkonferenz. Ihr gehören 16 Bildungsforscher an.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zusätzlich zur schnellen Integration mahnen die Wissenschaftler eine gute psychologische Versorgung für die Kinder und Jugendlichen an – bis hin zu therapeutischen Angeboten. „Wir müssen davon ausgehen, dass 25 bis 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine unter schweren psychischen Belastungen leiden“, sagt Felicitas Thiel, Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Freien Universität Berlin.

Ukrainischer Unterricht als mögliche Ergänzung

Beim Schulunterricht dringen die Wissenschaftler zum einen auf das schnelle Erlernen der deutschen Sprache. Zum anderen befürworten sie aber auch Bildungsangebote in ukrainischer Sprache – als Ergänzung. Mehrsprachigkeit zu fördern, auch als Teil eines Erhalts der eigenen kulturellen Identität, sei richtig. Die praktische Umsetzung werde aber nicht leicht sein. Wie viele ukrainische Lehrkräfte unter den Geflüchteten in Deutschland sind, ist bislang unbekannt.

Die ukrainische Generalkonsulin, Iryna Tybinka, hatte in einer Rede vor der Kultusministerkonferenz gefordert, die Kinder sollten auch mit Unterstützung von Onlineangeboten von ukrainischen Lehrkräften nach dem Lehrplan aus dem eigenen Land unterrichtet werden. Hintergrund ist die Hoffnung der Ukraine, dass die Menschen schnell ins eigene Land zurückkehren sollen.

Die Kultusministerkonferenz hat höflich, aber zurückhaltend auf diesen Wunsch reagiert: Sie setzt auf Integration. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, fordert allerdings, die deutsche Seite dürfe das Anliegen „nicht einfach ungeprüft wegwischen“. Er sagt aber auch: „Wir dürfen dabei aber natürlich die Gefahr der Separierung von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine nicht aus den Augen verlieren, damit wir keine Entstehung von Parallelgesellschaften fördern.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission wirbt, Kinder und Jugendliche aus der Ukraine müssten schnell auch in außerschulische Freizeit- und Sportangebote integriert werden. Der Aufbau von Freundschaften erfolge nicht von selbst, sondern müsse auch durch gemeinsame Zeit in Jugendfreizeitstätten und Sportvereinen befördert werden. Schulen und Kitas sollen diese Angebote bekannt machen.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen