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Kommentar

Geflüchtete aus der Ukraine: Jobs sind ein Schlüssel zur Integration

Drei junge Geflüchtete arbeiten im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education in Leipzig an der Verdrahtung eines Schaltschranks.

Drei junge Geflüchtete arbeiten im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education in Leipzig an der Verdrahtung eines Schaltschranks.

Berlin. Niemand würde jemanden, der gerade übel gestürzt ist, fragen, ob er ihm nicht schnell mal etwas vom Boden anreichen kann. Bei den Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflohen sind, bereits jetzt über die Integration in den Arbeitsmarkt zu sprechen, fühlt sich im ersten Moment seltsam an. Zuallererst müssen Geflüchtete jede Hilfe bekommen, die sie brauchen, um traumatische Erfahrungen zu bewältigen.

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Dennoch ist es richtig, dass Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Arbeitgeber und Gewerkschaften zu Gesprächen eingeladen hat, wie die Integration von Menschen aus der Ukraine in den deutschen Arbeitsmarkt am besten gelingen kann. Viele der Geflüchteten möchten arbeiten – und für diejenigen, die dies in ihren erlernten Berufen tun können, ist das vielleicht die beste Hilfe.

Deutschland muss schneller und flexibler werden

Es ist ein kluger Schritt, den Arbeitsmarkt für registrierte Geflüchtete umgehend zu öffnen. Damit hat der Staat aber längst nicht alles Notwendige getan. Da es sich bei den Geflüchteten in hoher Zahl um Frauen mit Kindern handelt, muss die Betreuung sichergestellt sein. Die Menschen müssen die Chance haben, schnell Deutsch zu lernen. Und: Wir müssen bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse um ein Vielfaches schneller und flexibler werden.

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Arbeit ist ein Schlüssel zu gelungener Integration. Das fängt bei der gemeinsamen Pause an – und geht im Idealfall damit weiter, dass die Bäckereiverkäuferin ihre geflüchtete Kollegin auch mal nach Hause einlädt oder mit in den Kegelverein nimmt. Das ist bei den Geflüchteten aus den Jahren 2015 und 2016 nicht immer gelungen. Doch die Integrationschancen sind stets größer, wenn jemand Tag für Tag in den Betrieb geht.

Viele Menschen aus der Ukraine wollen möglichst schnell zurück in ihre Heimat, wenn die Sicherheit das erlaubt. Das ist verständlich, aber nicht unbedingt wahrscheinlich. Unabhängig vom Ausgang des Kriegs in der Ukraine gilt: Integration gelingt nur dann, wenn man sie von Anfang so anlegt, als würden die Menschen für viele Jahre oder für immer bleiben.

Kinder müssen in Schule oder Kita

Das bedeutet auch: Die Kinder müssen so schnell wie möglich Schule oder Kita besuchen und Deutsch lernen. Die Ukraine wünscht sich, dass die Kinder mithilfe von Onlineangeboten und geflüchteten Lehrkräften nach heimischem Lehrplan unterrichtet werden. Das ist der falsche Weg. Zusatzangebote in eigener Sprache sind gut. Wir sollten ukrainische Lehrkräfte unbedingt einbeziehen. Aber im Zentrum müssen Spracherwerb und Integration stehen – zum Wohl der Kinder, für die jeder Tag, ohne Deutsch zu lernen, ein verlorener ist, falls sie dauerhaft bleiben sollten.

Angesichts des Leids der Geflüchteten und der in der Ukraine Verbliebenen würde es zynisch anmuten, bei der unerwarteten Zuwanderung von einem Glücksfall für Deutschland zu sprechen. So einfach liegen die Dinge auch nicht.

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Richtig ist: Mit Blick auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel braucht Deutschland Jahr für Jahr qualifizierte Zuwanderung in hoher Zahl. Unter den Geflüchteten sind gut ausgebildete Menschen wie Pflegekräfte, Ärztinnen und Erzieherinnen. Das Handwerk, gerade im ländlichen Bereich, könnte von zusätzlichen Arbeitskräften stark profitieren. Gelungene Arbeitsmarktintegration ist aber kein Selbstläufer, sondern eine Herausforderung, an der man mit Ausdauer arbeiten muss.

Die Integration von Menschen aus der Ukraine in den deutschen Arbeitsmarkt wird nicht von selbst zur Erfolgsgeschichte, sondern wir müssen sie dazu machen. Unabhängig davon, ob die Geflüchteten aus der Ukraine bleiben oder nicht, müssen wir auch andernorts Fachkräfte gewinnen. Wir brauchen viele Erfolgsgeschichten.

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