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KLM stoppt Ukraine-Flüge, Lufthansa fliegt weiter

Fliegt bald keiner mehr nach Kiew? Maschine der ukrainischen Fluggesellschaft SkyUp (Archivbild).

Eine Maschine der ukrainischen Fluggesellschaft SkyUp kam am Wochenende sehr viel früher als erwartet runter.

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Die Boeing 737, mit 175 Passagieren auf dem Weg von Madeira nach Kiew, nahm zwar anfangs Kurs auf die Ukraine, ging dann aber überraschend schon über der Republik Moldau in den Sinkflug – und landete in der Hauptstadt Chisinau.

Das Ziel Kiew wurde nicht erreicht: SkyUp-Flug PQ 902 am 12. Februar 2022.

Das Ziel Kiew wurde nicht erreicht: SkyUp-Flug PQ 902 am 12. Februar 2022.

SkyUp bat seine Gäste, die nun folgende Unannehmlichkeit zu entschuldigen: Weiter nach Kiew gehe es nun leider per Bus – Entfernung: 477 Kilometer, Fahrtzeit: sechs Stunden.

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Die Umleitung des SkyUp-Fluges PQ 902 markiert den Beginn einer für die Ukraine unheilvollen Eskalation des Konflikts mit Russland.

Sperrung des Luftraums – ohne jeden Schuss?

Weil unter Eigentümern und Versicherern von Flugzeugen die Sorge wächst, eine ihrer Maschinen könne abgeschossen werden, könnte schon in Kürze der gesamte zivile Flugverkehr nach Kiew zusammenbrechen – ohne dass Russland auch nur einen Schuss abgefeuert oder gar die Kontrolle über den Luftraum übernommen hätte.

Jetzt entfaltet sich ein Szenario, das die ukrainische Regierung schon seit Langem befürchtet hat. Eine Psychoblockade am Himmel über Kiew beginnt.

Im Fall von SkyUp waren Fluggesellschaft und Crew durchaus guter Dinge. Der Eigentümer und Leasinggeber der Maschine jedoch, eine Firma mit Sitz in Irland, war plötzlich nicht mehr einverstanden damit, dass die Maschine durch ukrainischen Luftraum fliegt. Die Intervention aus Irland soll erst gekommen sein, als die Maschine schon in der Luft war.

Hintergrund dieses Umdenkens ist die Eintrübung des Bildes, das internationale Versicherer von der Lage in der Ukraine haben.

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Mehrere Regierungsvertreter der USA hatten in den letzten Tagen erklärt, mit einem Angriff Russlands sei mittlerweile „jederzeit“ zu rechnen, „ohne Vorwarnung“. Mit dieser Begründung wurden auch die in der Ukraine lebenden US-Bürger aufgefordert, unverzüglich das Land zu verlassen, idealerweise über die Landroute via Polen. US-Außenminister Antony Blinken hatte betont, ein russischer Angriff sei auch bereits vor Ende der Olympischen Winterspiele am 20. Februar möglich.

Äußerungen wie diese blieben offenbar nicht ohne Wirkung auf die Versicherungsbranche. So machten am Wochenende erste unbestätigte Meldungen die Runde, wonach etwa der einflussreiche Rückversicherer Lloyds in London in Kürze den Daumen nach unten drehen werde – und damit eine Einstellung des kompletten zivilen Flugverkehrs nach Kiew bewirken werde.

Keine Tickets mehr „bis Mittwoch“

Lloyds selbst gab dazu keinen Kommentar ab. Bekannt ist aber, dass sich in London regelmäßig das legendäre Joint War Committee trifft, ein gemeinsamer Ausschuss führender Versicherer wie Ascot Underwriting und Beazley Furlonge, um die Lage in bestimmten Krisenzonen der Welt zu beleuchten.

SkyUp stellte unterdessen den Verkauf von Tickets ein, „zunächst bis Mittwoch“. Man hoffe, dass danach „eine Lösung“ gefunden werden könne.

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Die Versicherung der Maschinen gehört zu den Voraussetzungen einer Flugerlaubnis. Die Versicherungsbeiträge waren zuletzt im Jahr 2014 deutlich erhöht worden, nachdem der Malaysia-Airlines-Flug MH17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgeschossen wurde, nach Ermittlungen niederländischer Behörden durch eine russische Buk-Rakete. Damals starben 298 Insassen, darunter 80 Kinder. 189 Opfer stammten aus den Niederlanden.

Eine Mahnung namens MH17: Beim Abschuss dieser später von Ermittlungsbehörden wieder zusammengesetzten Maschine im Jahr 2014 über der Ostukraine kamen alle Passagiere ums Leben.

Eine Mahnung namens MH17: Beim Abschuss dieser später von Ermittlungsbehörden wieder zusammengesetzten Maschine im Jahr 2014 über der Ostukraine kamen alle Passagiere ums Leben.

Der MH17-Schock könnte dazu beigetragen haben, dass die niederländische Fluggesellschaft KLM am Sonntag als erste EU-Airline erklärte, sie werde Kiew bis auf Weiteres nicht mehr anfliegen. Für die Ukraine gelte „Code Rot“, hieß es in einer Mitteilung von KLM – und das Unternehmen stelle nun mal „die Sicherheit von Passagieren und Mitarbeitern bei der Durchführung ihres Betriebs immer an erste Stelle“.

Lufthansa fliegt noch: „Kiew ab 118 Euro“

Die Lufthansa dagegen setzt ihre Flüge in die Ukraine fort – und wirbt aktuell im Internet für „Flüge nach Kiew ab 118 Euro“. „Verwirklichen Sie Ihre Träume und reisen Sie in die Ukraine“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Ziele in der Ukraine weiter zu bedienen entspreche der Einschätzung nationaler und internationaler Behörden, erklärte ein Sprecher am Montag gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Lufthansa verfolge die Lage aber „weiterhin intensiv“. Die Sicherheit von Fluggästen und Besatzungsmitgliedern habe „zu jeder Zeit oberste Priorität“.

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Zu der Frage, wie die unterschiedlichen Abwägungen bei der Lufthansa und der KLM zu erklären sind, sagte der Sprecher nur: „Die singuläre unterschiedliche Einschätzung von KLM möchten wir nicht kommentieren.“

Die Regierung in Kiew erklärte, es gebe keinen Grund, den Luftraum für zivile Flüge zu sperren. „Der Himmel über der Ukraine bleibt offen“, betonte am Sonntag der ukrainische Verkehrsminister auf Facebook. Einige Luftfahrtunternehmen hätten derzeit Schwierigkeiten an den Versicherungsmärkten. Der Staat sei aber bereit, Luftfahrtunternehmen zu unterstützen und plane zusätzliche finanzielle Garantien. Derzeit liefen „Konsultationen mit internationalen Partnern“.

Ein Regierungssprecher bedauerte die Entscheidung von KLM, Kiew generell bis auf Weiteres nicht mehr anzufliegen: „Das läuft auf eine Art Blockade hinaus.“

Für den Fall, dass schon bald gar keine Airline mehr nach Kiew fliegt, fürchtet die ukrainische Regierung ökonomische Kettenreaktionen, darunter einen Absturz der Finanzmärkte. Die psychische Belastung durch fortwährende Kriegsängste und reale ökonomische Krisen könnten zu sich zu einem destabilisierenden Ganzen addieren.

Selenskyj will keine Panik

Erneut mahnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor Panik. Verwundert zeigte er sich angesichts amerikanischer Debatten über eine unmittelbar bevorstehende russischen Invasion. Am Wochenende kursierten in den USA Gerüchte, wonach ein Einmarsch schon befohlen sei und am Mittwoch stattfinden werde.

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„Wir verstehen ja, dass es jetzt Risiken gibt“, sagte Selenskyi. „Aber falls jemand 100-prozentige Informationen über einen Einmarsch hat, soll er sie bitte liefern.“

Schwarzes Meer, 10. Februar: Ein russisches Kriegsschiff nimmt Kurs auf Sewastopol.

Schwarzes Meer, 10. Februar: Ein russisches Kriegsschiff nimmt Kurs auf Sewastopol.

Allerdings rät auch die Regierung in Kiew aktuell von Flügen über dem Schwarzen Meer ab. Dort waren zuletzt mehr als 30 russische Kriegsschiffe an Übungen beteiligt. Schon die schiere Masse an Hightech-Schiffen mit ihren weitgehend automatisierten Flugabwehrsystemen wird unter Militärfachleuten als Risiko für den zivilen Luftverkehr gesehen. Hinzu kommen Berichte aus der Region, wonach das weltweite satellitengestützte GPS-System für die eigene Ortung in der Region des Schwarzen Meers mitunter nicht mehr funktioniert oder gefälschte Daten anzeigt – offenbar aufgrund gezielter Störungen.

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