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U-Boot-Streit: Mehr „strategische Autonomie“ wagen

  • Frankreich hat seine Botschafter aus Canberra und Washington abgezogen, weil es über den U-Boot-Deal Australiens mit den USA und Großbritannien verärgert ist.
  • Zu Recht ist die Regierung erzürnt, kommentiert Birgit Holzer.
  • Zugleich stärkt der Eklat vor aller Augen Präsident Macron in einer seiner zentralen Forderungen, die vor allem an die Adresse Deutschlands geht.
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Paris. Frankreich ist zu Recht erzürnt über den heimlich ausgehandelten Sicherheitspakt zwischen den USA, Australien und Großbritannien, der einen 2016 vereinbarten U-Boot-Vertrag zwischen Paris und Canberra obsolet macht. Die Klagen über das unberechenbare und respektlose Vorgehen der befreundeten Staaten sind legitim. Sie offenbaren die Machtlosigkeit der düpierten Franzosen.

Zugleich stärkt der Eklat vor aller Augen Präsident Macron in einer seiner zentralen Forderungen, die vor allem an die Adresse Deutschlands geht: Die Europäer müssen sich von ihrer Abhängigkeit von den USA lösen, die auch unter einem Präsidenten Joe Biden nicht wieder zu einem zuverlässigen Alliierten werden.

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Dass Biden eine transatlantische Abstimmung nicht für nötig erachtet, hat er gerade erst mit dem übereilten Truppenabzug aus Afghanistan unter Beweis gestellt. Bemühen sich die Europäer nicht um mehr „strategische Autonomie“, wie Macron es ausdrückt, haben sie das Nachsehen. Dies illustriert der U-Boot-Streit.

Man kann den französischen Präsidenten belächeln für seine Ambitionen, neben Weltmächten wie den USA und China bestehen zu wollen. Tatsächlich spielt Frankreich nicht in derselben Liga. Die Europäische Union hingegen hat durchaus politisches und wirtschaftliches Gewicht und ringt um eine gemeinsame sicherheitspolitische Linie und militärische Projekte.

Berlin wird hierbei in Frankreich oft als Bremsklotz wahrgenommen. Mehr europäischen Mut und Selbstbewusstsein zu zeigen ist eine berechtigte Erwartung an die künftige Bundesregierung.

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