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Australiens Dolchstoß: Streit mit Frankreich nach U-Boot-Affront eskaliert

  • Australiens Atom-U-Boot-Deal mit den USA und Groß­britannien hat Frank­reich so sehr verärgert, dass die Bot­schafter aus Canberra und Washington abgezogen werden.
  • Die Symbolik dieses Schritts wiegt schwer.
  • Doch die letzt­endlichen Konsequenzen könnten deutlich weit­reichender sein.
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Nachdem Australien einen U-Boot-Deal mit Frank­reich aufgekündigt hat und stattdessen Atom-U-Boote mithilfe der USA und Groß­britanniens erwirbt, ist Frank­reich empört: Die französi­schen Bot­schafter aus Canberra und Washington werden nach Paris zurück­berufen.

Zuvor hatte der französi­sche Außen­minister Jean-Yves Le Drian die Entscheidung Australiens bereits als „Dolch­stoß“ bezeichnet. Frank­reich fühle, dass das gegen­seitige Vertrauen „missbraucht“ worden sei.

Was derzeit noch Symbolik ist, könnte in den kommenden Monaten jedoch deutlich schwer­wiegendere Folgen haben. So twitterte Peter Ricketts, ein früherer britischer Bot­schafter in Frank­reich: „Unter­schätzen Sie die Reaktion in Paris nicht.“ Es sei nicht nur Wut, sondern ein echtes Gefühl des Verrats, nachdem Groß­britannien sowie die USA und Australien sechs Monate lang hinter dem Rücken Frank­reichs verhandelt hätten. „Ich habe den Bruch 2003 wegen des Irak erlebt“, schrieb er. „Das fühlt sich ebenso schlimm oder schlimmer an.“

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Affront gegenüber Frankreich

Wie groß der Affront gegenüber Frank­reich ist, wird deutlich, wenn man sich die Ereignisse der vergangenen Monate anschaut. Erst im Juni dieses Jahres war Australiens Premier­minister Scott Morrison noch im Elysee-Palast zu Gast. Frank­reichs Emmanuel Macron gab sich damals freund­schaftlich und sicherte gar seine Unter­stützung in der Region zu. „Sie stehen an vorderster Front der Spannungen in der Region, der Bedrohungen und manchmal auch der Einschüch­terung“, sagte der französi­sche Präsident. „Ich möchte hier noch­mals betonen, wie sehr wir an Ihrer Seite stehen.“

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Morrison bestätigte beim Abend­essen, dass Australien und Frank­reich „gute Freunde“ und Partner seien. Doch zu diesem Zeit­punkt muss die trilaterale Partner­schaft mit den USA und Groß­britannien bereits besprochen worden sein – höchst­wahr­schein­lich beim G7-Gipfel in Corn­wall wenige Tage zuvor.

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Schwer wiegt auch, dass die Verteidigungs- und Außen­minister Frank­reichs und Australiens erst Ende August in einem gemeinsamen Video­telefonat zusammen­gekommen waren, in dem die Bedeutung des französisch-australischen U-Boot-Deals erneut betont wurde. Dass die australischen Politiker damals nicht über die Pläne mit Washington und London informiert waren, ist wenig wahr­scheinlich. Auch die Art und Weise der Ankündigung vergangene Woche – ohne ausführliche Konsultation mit Paris – hat sicher zur Verärgerung der Franzosen beigetragen.

Die „großen und mächtigen Freunde“

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Mit Aukus positioniert sich Australien nun eindeutig als verlängerter Arm der USA und der Briten im Indo­pazifik. Paris habe fest­stellen müssen, dass „der konditionierte Reflex, sich auf große und mächtige Freunde zu verlassen, in der australischen Psyche weit verbreitet ist“, schrieben zwei australische Historiker im akademischen Magazin „The Conver­sation“.

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U-Boot-Krise mit Australien: Frank­reich ruft Bot­schafter zurück
1:34 min
In Frank­reich ist der Ärger groß über einen geplatzten milliarden­schweren U-Boot-Deal mit Australien.  © AFP

Australien pflegt seit jeher enge Beziehungen zur früheren Kolonial­macht Groß­britannien – nicht umsonst ist die britische Königin nach wie vor Australiens Staats­ober­haupt. Auch die enge Bindung zu den USA wird mit der neuen Sicherheits­partner­schaft Aukus und dem Atom-U-Boot-Deal nur vertieft. Australien ist seit 1951 militärischer Verbündeter der USA und zudem Teil der sogenannten „Five Eyes“-Partnerschaft, in der die Geheim­dienste von Australien, Neu­seeland, Kanada, Groß­britannien und den USA zusammenarbeiten.

Verlust der australischen Souveränität

Frank­reich hatte jedoch laut den Historikern eine echte strategische Allianz mit Australien angeboten, die auf gegen­seitigem Respekt und gemein­samen Werten basierte. Diese hätte Australiens Souveränität langfristig gestärkt und seine Partner­schaften diversifiziert, um seine Abhängigkeit von diesen „großen und mächtigen Freunden“ zu verringern. Letzteres mahnte auch der frühere australische Premier­minister Paul Keating an, der den U-Boot-Deal in harschen Worten kritisierte: Die Vereinbarung würde einen weiteren „dramatischen Verlust der australischen Souveränität“ mit sich bringen, schrieb der Sozial­demokrat in einem Kommentar.

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Mit der neuen Partner­schaft sei auch eine „breitere westliche Allianz“ belastet worden, meinte Hervé Lemahieu, Forschungs­direktor des Lowy-Instituts, in einem Video­briefing. Der Betrug an Frank­reich würde den trans­atlantischen Graben weiter vertiefen und sei gleich­zeitig das „erste greifbare Zeichen, wie die Brexit-Politik in den Indo­pazifik überschwappt“. Bemerkens­wert sei dabei auch die neue geo­politische Rolle, die Australien einnimmt. „Was Groß­britannien einst in Zeiten des Kalten Krieges war, ist Australien nun in dieser neuen Ära der Spannungen im Indo­pazifik“, sagte er. „Die Bühne des Macht­kampfs hat sich verschoben – Australiens Relevanz hat zugenommen, und die Relevanz Groß­britanniens hat abgenommen.“

Australien muss mit Vergeltungsmaßnahmen rechnen

Offen ist, wie sich der Ärger Frank­reichs auf andere bestehende Kooperationen und Verhand­lungen auswirken wird. „Es ist jedoch unwahr­schein­lich, dass die französisch-australische Partner­schaft angesichts der öffentlichen Demütigung Frank­reichs in absehbarer Zeit gerettet werden kann“, schrieben die Historiker Romain Fathi und Claire Rioult in ihrem Aufsatz in „The Conversation“. Australien werde nun mit wirt­schaft­lichen und diplomatischen Vergeltungs­maßnahmen von Frankreich rechnen müssen.

Dabei könnten die Frei­handels­abkommen mit der Euro­päischen Union betroffen sein, die Groß­britannien wie auch Australien derzeit verhandeln. „Mit dem baldigen Rück­tritt von Bundes­kanzlerin Angela Merkel wird der französische Präsident Emmanuel Macron Vorrang haben, diese Freihandels­abkommen mitzugestalten“, so die Historiker. Die Aukus-Partner­schaft könnte Australien die Tür zu Europa und dessen Märkten für Jahr­zehnte blockieren.

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