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Geplatzter U‑Boot-Deal zwischen Frankreich und Australien: Verrat unter Freunden

  • Als Reaktion auf einen geplatzten U‑Boot-Deal mit Australien ruft Frank­reich seine Bot­schafter aus Canberra und Washington zurück.
  • Dieser Vorgang dürfte nur der Auftakt zu einer echten Vertrauens­­krise im westlichen Bünd­nis sein, kommentiert Thoralf Cleven.
  • Von der Demütigung Frank­reichs profitiert derzeit nur einer: China.
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Australiens Atom-U‑Boot-Deal mit den USA und Groß­britannien ist mehr als ein Autsch für Frankreich. Binnen Wochen, so scheint es, haben die Australier entschieden, aus einem 56-Milliarden-Euro-Vertrag mit den Europäern auszu­steigen und eine neue Partnerschaft mit den USA und dem „Mutter­­land“ Groß­­britannien einzugehen.

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U‑Boot-Krise mit Australien: Frank­reich ruft Bot­schafter zurück
1:34 min
In Frank­reich ist der Ärger groß über einen geplatzten milliarden­schweren U‑Boot-Deal mit Australien.  © AFP

Das ist kein „Schlag in den Rücken“, wie es Frank­reichs Außen­minister Le Drian vornehm formulierte. Es muss der Grande Nation wie ein Tritt in den Hintern vorkommen.

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Canberra setzt mit seinem Vorgehen dicke Frage­­­zeichen hinter die militärischen Beziehungen des Westens. Das düpierte Frank­reich darf nun zu Recht an der Belast­­bar­­keit von Verein­barungen mit befreun­deten Staaten wie Australien, den USA oder Groß­­britannien zweifeln.

Der Verrat unter Freunden – und das ist dieser Vorgang aus Sicht der Franzosen zweifelsohne – wird unschöne Narben hinter­lassen und ewig schmerzen.

Und es zeigt sich, dass auch US-Präsident Biden rück­sichts­los agiert, wenn er die Interessen seines Landes durch­setzen will.

Auch wenn Paris – denn die französischen Geheim­dienste schlafen nicht – gewusst hat, dass der 2016 vereinbarte Deal gegen die Wand fährt: So, wie die drei neuen Partner vorgehen, werden im Rest der Welt Erinne­rungen an trumpsche Zeiten und Praktiken geweckt. Und es zeigt sich, dass auch US-Präsident Biden rück­sichts­los agiert, wenn er die Interessen seines Landes durch­setzen will.

Im konkreten Fall geht es für Washington darum, Chinas schnell wach­sende Macht­ansprüche im indo­pazifi­schen Raum einzuhegen – und Australien will sich Peking resolut widersetzen. Viel­leicht erschienen beiden die Franzosen in dieser Frage als unsichere Kantonisten. Auf jeden Fall greift Canberra offensichtlich lieber auf alte und aus australischer Sicht mächtigere Bündnis­­partner zurück.

Allerdings: Souverän wirkt das alles nicht. Darum werden die Chinesen von Australien kaum beeindruckt sein. Der Schaden, der jetzt im west­lichen Bündnis entstanden ist, dürfte jedenfalls um ein Viel­faches höher sein. Wach­sendes gegenseitiges Miss­trauen und Abchecken werden allenfalls einen erfreuen: China.

Die Folgen der Demütigung Frank­reichs werden jedoch kaum auf Verteidi­gungs­­bünd­­nisse beschränkt bleiben. Präsident Macron dürfte nun darüber nach­denken, wie er den Australiern diplo­matisch das Leben sowie den Zugang zu den zahlungs­kräftigen euro­päischen Märkten erschweren kann. Quasi als Quittung unter Freunden.

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