Nach Chaos in TV-Debatte: Trump-Team gegen Regeländerung

  • Von der ersten TV-Debatte im US-Präsidentschaftswahlkampf ist vor allem eines in Erinnerung geblieben: Beschimpfungen und regelrechtes Chaos.
  • Die Veranstalter hatten daraufhin erklärt, Änderungen am Konzept vornehmen zu wollen.
  • Das passt dem Trump-Team aber gar nicht.
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Washington. Trotz der chaotischen ersten TV-Debatte ist das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gegen Änderungen am Konzept der Fernsehduelle. Kommunikationsdirektor Tim Murtaugh sagte am Mittwoch (Ortszeit): “Präsident Trump war die dominierende Kraft, und jetzt versucht Joe Biden, die Schiedsrichter zu bearbeiten. Sie sollten nicht mitten im Spiel die Torpfosten versetzen und die Regeln ändern.”

Bei der Debatte am Dienstagabend war der Republikaner Trump seinem demokratischen Herausforderer Biden, aber auch Moderator Chris Wallace immer wieder ins Wort gefallen.

Die Veranstalter kündigten daraufhin am Mittwoch Änderungen am Konzept der TV-Duelle an. Der Ablauf habe deutlich gemacht, "dass das Format der verbliebenen Debatten zusätzliche Struktur braucht, um eine geregeltere Diskussion über die Themen sicherzustellen", teilte die Kommission für Präsidentschaftsdebatten mit. Details nannte die Kommission zunächst nicht. Vor der Wahl am 3. November stehen noch zwei Fernsehdebatten zwischen Trump und Biden an.

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Video
Chaotisches TV-Duell zwischen Trump und Biden
3:40 min
Die etwa 90-minütige Debatte war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen, streckenweise verlief sie regelrecht chaotisch.  © Reuters

Wallace sprach sich gegen Vorschläge aus, den Moderatoren bei den nächsten Debatten zu ermöglichen, den Kandidaten die Mikrofone abzudrehen. "Praktisch hätte der Präsident, selbst wenn sein Mikrofon abgeschaltet gewesen wäre, weiterhin unterbrechen können", sagte er der "New York Times". Zudem: "Zu viele Menschen vergessen, dass diese beiden Kandidaten die Unterstützung von Dutzenden Millionen Amerikanern haben."

Trump erklärt sich zum Sieger

Er zeigte sich “enttäuscht” über den Verlauf der Debatte. “Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde.” Auf die Frage, was er gefühlt habe, als er die Kandidaten zu weniger Unterbrechungen aufforderte, antwortete der Moderator: “Verzweiflung.”

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Wallace kommt vom Trump-freundlichen Fernsehsender Fox News, ist aber als unabhängig respektiert. Den Moderatoren der nächsten Debatten - Steve Scully vom Sender C-Span und Kristen Welker vom Sender NBC - riet Wallace zu einer schnelleren Reaktion, als es bei ihm der Fall war. “Ich hatte diese Vorwarnung nicht.”

Trump erklärte sich selber zum Sieger. "Wir haben die Debatte gestern Abend nach jedem Maßstab mühelos gewonnen", sagte er am Mittwoch. Mit Blick auf Biden fügte der Präsident hinzu: "Ich denke, dass er sehr schwach war. Er sah schwach aus, er jammerte." Trump sagte, er wolle auch die nächsten zwei TV-Debatten gegen Biden bestreiten. Sollte sein Herausforderer nicht teilnehmen wollen, sei das dessen Entscheidung.

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Trump sagte, er habe "ungefähr sechs" Umfragen gesehen, die ihn als Sieger bei der Debatte gesehen hätten. Es war unklar, auf welche Erhebungen er sich bezog. In manchen Twitter-Umfragen - die ohne wissenschaftliche Grundlage als unzuverlässig gelten - lag Trump zwar vorne. In Blitzumfragen der Sender CBS und CNN hielt dagegen eine Mehrheit Biden für erfolgreicher bei der Debatte als Trump.

Biden schrieb auf Twitter: "Letzte Nacht hat untermauert, warum ich in dieses Rennen eingestiegen bin: Wir befinden uns in einem Kampf um die Seele dieser Nation - und es ist ein Kampf, den wir gewinnen müssen."

Mehr als 73 Millionen Menschen sahen die Debatte in den USA

In den USA sahen nach Angaben des Instituts Nielsen mehr als 73 Millionen Menschen die Debatte im Fernsehen. Das waren weniger Zuschauer als 2016, als schätzungsweise 84 Millionen Menschen die erste Debatte zwischen Trump und der demokratischen Kandidaten Hillary Clinton schauten. Nielsen erfasst allerdings nicht alle Online-Dienste, über die die Debatte gestreamt werden konnte.

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Trump nutzte einen Wahlkampfauftritt in Duluth im US-Bundesstaat Minnesota, um vor Anhängern seine Version der Debatte zu schildern und seine Angriffe auf Biden fortzusetzen. "Ich habe Joe Biden für seine 47 Jahre der Lügen, 47 Jahre des Verrats und 47 Jahre des Scheiterns zur Rechenschaft gezogen", sagte Trump zu Beginn seines Auftritts in Anspielung auf die lange politische Karriere seines Kontrahenten. "Joe Biden ist zu schwach, um dieses Land zu führen."

Die TV-Debatte am Dienstagabend in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio war die erste zwischen Trump (74) und Biden (77). Zwei weitere Debatten sind für den 15. Oktober in Miami (Florida) und am 22. Oktober in Nashville (Tennessee) geplant. Die Vize-Kandidaten Mike Pence (Republikaner) und Kamala Harris (Demokraten) treffen am 7. Oktober in Salt Like City im US-Bundesstaat Utah aufeinander.

RND/dpa

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