Türkische Soldaten legen auf deutsche Frontex-Patrouille an

  • Beamte der deutschen Bundespolizei patrouillieren am vergangenen Dienstagabend an der griechisch-türkischen Grenze.
  • Sie sind für die europäische Grenzschutzagentur Frontex unterwegs.
  • Dann fällt plötzlich ein Schuss – und es bleibt nicht bei diesem Zwischenfall.
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Athen. Neue Spannungen an der Grenze zwischen den verfeindeten Nato-Partnern Griechenland und Türkei: Am Donnerstagabend näherten sich Kommandos der türkischen Gendarmerie in mehreren Schlauchbooten auf dem Grenzfluss Evros den griechischen Gewässern.

Sie feuerten Blendgranaten aufs griechische Ufer ab und gaben mehrere Feuerstöße aus automatischen Waffen ab.

Bereits zwei Tage zuvor, am Dienstagabend, hatte ein türkischer Grenzsoldat das Feuer auf eine Patrouille der Bundespolizei eröffnet. Über den Vorfall hatte zuerst der “Spiegel” unter Berufung auf ein internes Frontex-Papier berichtet. Das Bundesinnenministerium bestätigte laut “Spiegel” den Hergang.

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Bundespolizisten gingen in Deckung

Danach seien die Beamten der Bundespolizei in Deckung gegangen, als der Schuss fiel. Der türkische Soldat verfehlte sein Ziel, verletzt wurde niemand. Durch ihre Ferngläser sahen die Bundespolizisten, wie sechs türkische Soldaten auf der anderen Seite der Grenze in Stellung gingen und mit ihren automatischen Gewehren auf die deutsche Patrouille anlegten.

Athener Regierungskreise bestätigten dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) den Zwischenfall, der sich in der Nähe der kleinen Ortschaft Tychero ereignete. Er zeige, welche Seite die Spannungen im Grenzgebiet schüre.

Bereits im März gab es einen Zwischenfall: Damals verfolgten türkische Kampfjets ein dänisches Aufklärungsflugzeug, das im Rahmen eines Frontex-Einsatzes im Grenzgebiet unterwegs war.

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Die EU-Grenzschutzagentur Frontex unterstützt Griechenland seit mehreren Jahren mit technischer Ausrüstung und Patrouillen an der Grenze zur Türkei, um Übertritte irregulärer Migranten zu verhindern. Auch die Bundespolizei und deutsche Landespolizeien beteiligen sich aktuell mit etwa 80 Beamten an den Frontex-Einsätzen.

Tränengas und Wasserwerfer

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Seit März hat die Agentur ihre Präsenz weiter verstärkt, nachdem die Türkei Ende Februar Zehntausende Migranten in Bussen zur griechischen Grenze bringen ließ. Sie belagerten dort wochenlang den Grenzübergang Kastanies. Dabei kam es zu schweren Ausschreitungen. Die griechische Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen die Belagerer ein.

Nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes heizten türkische Kräfte die Spannungen systematisch an. Mit der Belagerung der griechischen Grenze wollte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan weitere Finanzhilfen der EU locker machen. Inzwischen haben die türkischen Behörden die Migranten wieder in Bussen von der Grenzregion ins Landesinnere zurückgebracht.

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