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Türkische Polizei nimmt massenhaft angebliche Terrorverdächtige fest

  • Fast vier Jahre ist der Putschversuch in der Türkei nun her, und noch immer setzt Präsident Erdogan seine “Anti-Terror”-Razzien fort.
  • Nun hat die Polizei 72 Personen festgenommen.
  • Sie sollen angeblich mit dem Prediger Fethullah Gülen in Verbindung stehen, den Erdogan für den Putschversuch verantwortlich macht.
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Athen. Fast vier Jahre nach dem Putschversuch in der Türkei setzt Staatschef Recep Tayyip Erdogan seine “Säuberungen” unvermindert fort. Am Dienstag verhaftete die Polizei bei “Anti-Terror”-Razzien in 35 Provinzen 72 Personen. Die meisten sind Angehörige des Militärs. Ihnen werden angebliche Verbindungen zu dem Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Erdogan sieht in dem Geistlichen, der seit 1999 im Exil in den USA lebt, den Drahtzieher des Putschversuchs vom 15. Juli 2016. Die Staatsanwaltschaft in Istanbul hatte Anfang der Woche Haftbefehle gegen insgesamt 118 mutmaßliche Gülen-Anhänger erlassen. 98 der Beschuldigten sind aktive Militärs. Nach 46 Gesuchten wurde am Dienstag noch landesweit gefahndet.

Bei dem Putschversuch, der von einer Gruppe türkischer Luftwaffenoffiziere angeführt wurde, kamen 251 Menschen ums Leben, fast 2000 wurden verletzt. Präsident Erdogan entkam den Aufständischen nur knapp. Er konnte in letzter Minute aus seinem Urlaubsort Marmaris nach Istanbul fliehen. Erdogan bezeichnete wenig später den Putschversuch als “Geschenk Allahs”. Er hat seine Macht seither weiter gefestigt. Erdogan ließ 19.397 mutmaßliche Verschwörer aus den Streitkräften entfernen. Etwa 150.000 Staatsbedienstete wurden entlassen. Gegen 600.000 Personen leitete die Justiz im Zusammenhang mit dem Putschversuch Ermittlungen ein. Bisher wurden rund 80.000 Menschen angeklagt, nahezu 50.000 politische Gefangene sitzen in Haft.

USA lehnen Gülens Auslieferung ab

Gülen, mit dem Erdogan bis etwa 2012 eng zusammenarbeitete, bestreitet die Putschvorwürfe. Der 79-Jährige steuert aus seinem Wohnsitz bei Saylorsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania ein weltweites Netz von Stiftungen und Bildungseinrichtungen. Die Türkei bemüht sich in den USA um die Auslieferung des Geistlichen. Die amerikanische Justiz lehnt bisher jedoch eine Überstellung an die Türkei ab, da es keine belastbaren Beweise für eine Beteiligung Gülens an dem Putschversuch gebe.

RND

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