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Nach Drohung der Türkei: Athen reagiert mit neuen Rüstungsplänen

  • Im Streit um die Hoheitszonen im Mittelmeer wird der Ton zwischen Griechenland und der Türkei immer rauer.
  • Der türkische Staatschef Erdogan wirft den Griechen “Piraterie” vor und droht mit Krieg, Athen reagiert auf die Drohungen mit neuen Rüstungsplänen.
  • Profitieren könnte von neuen griechischen Waffenkäufen vor allem die französische Rüstungsindustrie.
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Athen. Kein Tag vergeht ohne neuen Schlagabtausch zwischen den verfeindeten Nato-Partnern Griechenland und Türkei. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte jetzt in einer Rede in der Schwarzmeerstadt Giresun Griechenland der “Piraterie” und des “Banditentums” im Mittelmeer.

Die Türkei werde das “nicht tolerieren”, drohte Erdogan. Anlass des Ausbruchs waren Medienberichte, die zeigen, wie griechische Soldaten in Kampfanzügen auf der kleinen Insel Kastelorizo von Bord eines Fährschiffs gehen.

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Gasstreit: Die zentrale Rolle von Kastelorizo

Kastelorizo liegt nur zwei Kilometer vor der türkischen Südküste. Die neun Quadratkilometer große Insel, auf der knapp 500 Menschen leben, ging mit dem Pariser Friedensvertrag von 1947 von Italien an Griechenland über, muss aber nach Artikel 14 Absatz 2 des Vertrages demilitarisiert sein. Dessen ungeachtet hat Griechenland seit vielen Jahren Soldaten auf Kastelorizo stationiert.

Die Insel spielt auch im Gasstreit zwischen Griechenland und der Türkei eine zentrale Rolle. Griechenland beansprucht unter Berufung auf die Uno-Seerechtskonvention für Kastelorizo, wie für alle seine Inseln, eine eigene Wirtschaftszone. Die Türkei betrachtet dagegen die Umgebung der Insel als eigenes Gebiet und sucht dort seit einigen Wochen mit dem Forschungsschiff “Oruc Reis” nach Erdgasvorkommen.

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Aber es geht um mehr als Bodenschätze unter dem Meeresgrund. Erdogans Koalitionspartner Devlet Bahceli, Chef der ultranationalistischen Partei MHP, meldete am Wochenende türkische Ansprüche auf zwölf Ägäisinseln an, darunter Kos, Rhodos und Kastelorizo. Auch der türkische Vizepräsident Fuat Oktay fordert den Anschluss der Inseln an die Türkei: Man werde die Landkarten, auf denen sie als griechisch verzeichnet sind, “zerreißen”, kündigte Oktay an.

So reagiert Griechenland auf die Drohungen

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Griechenland reagiert jetzt auf die Drohungen mit neuen Rüstungsplänen. Finanzminister Christos Staikouras kündigte diese Woche an, das Land könne einen Teil seiner Liquiditätsreserven von rund 36 Milliarden Euro für eine “Stärkung der militärischen Abschreckung” aufwenden.

Davon dürfte vor allem die französische Rüstungsindustrie profitieren. Der französische Präsident Emmanuel Macron ist der engste Verbündete Griechenlands im Konflikt mit der Türkei. Macron hatte in den vergangenen Wochen Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge ins östliche Mittelmeer beordert, um Griechenland zu unterstützen.

Nach griechischen Medienberichten verhandelt die Regierung jetzt über den Kauf von 18 französischen Rafale-Kampfjets. Auch die bereits länger geplante Beschaffung französischer Fregatten für die Kriegsmarine könnte wieder auf die Tagesordnung kommen.

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