Türkei: Mafiaboss wirft Regierung Korruption vor - Erdogan wittert „hinterhältige Operation“

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei.

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei.

Ankara. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Korruptionsvorwürfe eines Mafia-Paten gegen Regierungsmitglieder zurückgewiesen. Erdogan erklärte am Mittwoch, der verurteilte und flüchtige Sedat Peker wolle mit seinen Anschuldigungen die Türkei und die Regierung untergraben. Peker hat in einer Serie von Videos in den vergangenen Wochen immer wieder schwere Vorwürfe gegen Mitglieder der Regierungspartei erhoben, darunter Korruption, Drogenschmuggel und die Vertuschung eines Mordes.

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Peker, der in Dubai vermutet wird, hat bisher keine Dokumente vorgelegt, die seine Vorwürfe beweisen. Die richteten sich gegen Innenminister Süleyman Soylu, den Sohn des früheren Ministerpräsidenten Binali Yildirim und einen verurteilten früheren Innenminister sowie dessen Sohn, der Abgeordneter der regierenden AKP ist. Die Videos, die unter anderem bei YouTube Aufrufzahlen in Millionenhöhe erzielten, führten zu Forderungen nach Soylus Rücktritt und einer Untersuchung der Vorwürfe durch die Staatsanwaltschaft.

Erdogan: „Hinterhältige Operation“

Erdogan sprach am Mittwoch von einer „hinterhältigen Operation“, die sich gegen die Türkei und gegen die türkische Regierung richte. Er kündigte an, Mitglieder von kriminellen Banden unnachgiebig zu verfolgen, um sie der türkischen Justiz zu übergeben.

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In seinem jüngsten Video vom Sonntag erklärte der 49 Jahre alte Peker, der in der Türkei bereits mehrfach im Gefängnis saß, Yildirims Sohn Erkam sei nach Venezuela gereist, um dort mögliche Schmuggelrouten für Drogengeschäfte zu erschließen. Der ehemalige Regierungschef wies das scharf zurück und erklärte, sein Sohn, Inhaber einer Reederei, habe Schutzkleidung und Corona-Tests nach Caracas gebracht.

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Die Videos von Peker enthielten wichtige „Geständnisse“ über die Beziehungen zwischen Mafia und Staat und müssten von unabhängiger Seite untersucht werden.

Der Bandenchef behauptete auch, er habe enge Beziehungen zu Innenminister Soylu unterhalten, der ihm einen Leibwächter organisiert und über die Ermittlungen gegen seine Leute informiert habe. Soylu habe ihn außerdem um Hilfe im Ringen mit einer rivalisierenden Gruppe innerhalb der AKP gebeten, die von Erdogans Schwiegersohn angeführt werde. Der Minister wies die Anschuldigungen in Fernsehinterviews zurück und reichte Klage gegen Peker ein. Erdogan erklärte, er stehe fest zu Soylu und Yildirim.

Schwere Vorwürfe gegen früheren Innenminister Agar

Der ehemalige Innenminister Mehmet Agar und sein Sohn Tolga sollen nach den Worten von Peker einen verdächtigen Todesfall vertuscht haben. Peker erklärte, Tolga Agar, ein Abgeordneter der AKP, sei in den Tod einer kasachischen Studentin verwickelt, die ihn interviewt habe. Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung sei ihr Tod als Suizid ausgegeben worden. Der Abgeordnete bestreitet die Angaben.

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Peker soll im vergangenen Jahr aus der Türkei geflohen sein, nachdem er von einer geplanten Polizeioperation gegen seine Gruppe erfahren hatte. Unklar ist, warum der Mafiapate, der Erdogan in der Vergangenheit mit politischen Veranstaltungen unterstützt und dessen Gegner bedrohte, sich gegen die Regierung wendete. Peker erklärte, er sei gezwungen zu reden, weil seine Ehefrau und seine beiden Töchter während einer Razzia in ihrem Haus misshandelt worden seien.

RND/AP

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