Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Streit um Ägäisinseln

„Wir kommen plötzlich über Nacht“: Erdogan droht Griechenland mit Invasion

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat Griechenland mit einem militärischen Angriff.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat Griechenland mit einem militärischen Angriff.

Seit Jahrzehnten streiten Athen und Ankara um die Wirtschaftszonen und Hoheitsrechte in der Ägäis. In den vergangenen Monaten eskalierte der Konflikt. Die türkische Regierung wirft Griechenland vor, es verstoße mit der Stationierung von Truppen auf den ostägäischen Inseln gegen den Vertrag von Lausanne, der 1923 die Grenzen zwischen beiden Ländern und die Demilitarisierung bestimmter Inseln regelte. Die Türkei argumentiert, damit verliere Griechenland die Hoheitsrechte über Inseln wie Rhodos, Kos, Lesbos, Chios und Samos.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nun geht Erdogan einen Schritt weiter. Auf einer Technikmesse in Samsun warf der türkische Präsident Griechenland vor, es halte die ostägäischen Inseln „besetzt“. Das sei für die Türkei nicht akzeptabel. Erdogan kündigte an: „Wenn die Zeit kommt, werden wir tun, was nötig ist.“ Der türkische Staatschef drohte: „Wir können plötzlich über Nacht kommen.“

Türkei probte bereits die Invasion

Das griechische Außenministerium reagierte am Samstagabend mit einer Erklärung auf Erdogans Rede. Darin heißt es, Griechenland werde der Türkei „nicht auf dem Weg der täglichen Drohungen folgen“. Das Ministerium kündigte an, man werde die Partner und Verbündeten Griechenlands über „die provozierenden Erklärungen“ der türkischen Seite unterrichten, „damit klar wird, wer den Zusammenhalt der Nato in dieser besonders gefährlichen Phase gefährdet“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Griechenland rechtfertigt die Stationierung von Militär auf den ostägäischen Inseln mit dem Recht auf Selbstverteidigung und verweist auf die Bedrohung durch die Türkei, die an ihrer Ägäisküste die größte Landungsstreitmacht im Mittelmeer aufgebaut hat.

Erdogan äußert sich empört über Griechenlands Regierungschef Mitsotakis

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich empört über eine Warnung aus Griechenland vor Waffenverkäufen in die Region geäußert.

Erst im Juni beobachtete Erdogan an der türkischen Ägäisküste gegenüber der griechischen Insel Samos ein Manöver, bei dem türkische Landungstruppen die Invasion einer imaginären Insel übten. Im Juli posierte Erdogans ultranationalistischer Koalitionspartner Devlet Bahceli mit einer riesigen Landkarte, auf der die gesamte Osthälfte der Ägäis als türkisches Staatsgebiet dargestellt war, einschließlich der dort gelegenen Inseln wie Samos, Kos, Rhodos und Kreta.

Konflikt schwelt bereits seit Jahrzehnten

1996 gerieten Griechenland und die Türkei im Streit um die unbewohnten Imia-Felseninseln in der Ägäis an den Rand eines Krieges. Der damalige US-Präsident Bill Clinton konnte die Krise in nächtlichen Telefonaten mit Athen und Ankara gerade noch entschärfen. Im Sommer 2020 kam es erneut zu gefährlichen Spannungen, als die Türkei mit dem Forschungsschiff „Oruc Reis“ in Seegebieten auf Erdgassuche ging, die nach der UN-Seerechtskonvention Griechenland als Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) zustehen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Sehnsucht nach Frieden eint die meisten kirchlichen Gemeinden, ob in Deutschland, der Ukraine oder Russland.

Den Krieg einfrieren, wieder mit Russland verhandeln: Wie realistisch sind diese Forderungen?

In offenen Briefen und TV-Sendungen sprechen sich Politiker, Künstler und Intellektuelle gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und für Friedensverhandlungen aus – zuletzt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Wir haben seine zentralen Thesen mit drei Experten aus verschiedenster Perspektive auf Umsetzbarkeit und Stichhaltigkeit geprüft.

Auf dem Höhepunkt der Krise lagen die Kriegsflotten beider Länder gefechtsbereit einander gegenüber. Unter Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Nato wurde ein drohender militärischer Konflikt abgewendet.

Erdogan warnt Griechenland

Jetzt verschärfen sich die Spannungen erneut. Am vergangenen Wochenende hatte die Türkei Griechenland eine „feindliche Aktion“ gegen türkische Kampfflieger vorgeworfen. Dabei sollen die griechischen Streitkräfte türkische Kampfflugzeuge im internationalen Luftraum über der Ägäis mit dem Zielradar eines Luftabwehrsystems verfolgt haben. Griechenland dementierte die türkische Darstellung, das System sei nicht aktiviert worden.

Hauptstadt-Radar

Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Regierungsviertel. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

In Anspielung auf den Vorfall sagte Erdogan am Samstag bei seiner Rede in Samsun: „Hey Griechenland, wenn du zu weit gehst, wirst du einen hohen Preis bezahlen.“ Der türkische Staatschef ermahnt die Griechen, die Geschichte zu studieren. „Wir haben Griechenland nur einen Rat zu geben: Vergesst Izmir nicht!“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Türkische Truppen eroberten im September 1922 das historisch griechisch geprägte Smyrna, das heutige Izmir, an der heutigen türkischen Ägäisküste. 40.000 Menschen kamen bei der Eroberung ums Leben, Hunderttausende flohen aus der brennenden Stadt übers Meer nach Griechenland.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Top Themen

Krieg in der Ukraine
 

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken