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35 Jahre nach Tschernobyl: Die Atomkraft ist nicht zu bändigen

  • Vor 35 Jahren ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.
  • Doch die Toten und die schwer erkrankten Menschen von Tschernobyl und auch von Fukushima, die verstrahlten Landschaften – all das hat vielerorts nicht zu einem Umdenken geführt.
  • Doch man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Atomkraft ist nicht zu bändigen, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Als am 26. April 1986 das Atomkraftwerk von Tschernobyl explodiert, konnte die Welt das noch auf die Probleme einer sozialistischen Mangelwirtschaft unter den Bedingungen des kalten Kriegs schieben. Bei der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima am 11. März 2011 zog dieser bequeme Erklärungsversuch aber nicht mehr. Selbst einem technologisch hoch entwickelten Land wie Japan gelang es nicht, die Gefahren der Atomkraft zu bändigen.

Es war Bundeskanzlerin Angela Merkel, die daraus die richtigen Schlüsse zog. Die Physikerin war bis zum Unfall in Fukushima selbst glühende Verfechterin der Nuklearwirtschaft. Ihre schwarz-gelbe Koalition hatte 2010 den von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossenen Atomausstieg wieder aufgehoben.

Doch auf der Pressekonferenz kurz nach der Katastrophe in Japan war der Kanzlerin ihr Entsetzen anzusehen. Einige Tage später handelte sie gewohnt pragmatisch: Der Ausstieg vom Ausstieg wurde rückgängig gemacht.

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Wie sieht die Welt heute aus? In 31 Ländern laufen rund 440 Reaktoren. Mehr als 50 Meiler sind im Bau. Die Toten und die schwer erkrankten Menschen von Tschernobyl und Fukushima, die verstrahlten Landschaften – all das hat vielerorts nicht zu einem Umdenken geführt. Die Verfechter der Atomenergie können sich sogar bestätigt fühlen, wenn selbst Klimaaktivisten die Atomkraft als Bestandteil eines kohlenstofffreien Energiemixes loben.

Doch man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Atomkraft ist nicht zu bändigen. Das mag auf dem Papier gelingen, in der der Praxis ist es aber unmöglich. Das verbleibende Risiko mag winzig klein sein – doch es bleibt für eine dicht besiedelte Erde immer zu hoch.

Nicht zu vergessen: Die Nuklearwirtschaft ist immer auch Grundlage für die Produktion von Kernwaffen. Die Konsequenz kann nur heißen: Ausstieg aus der Atomkraft – und zwar weltweit und für immer.

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