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Afghanistan: Präsident Ghani rechnet nicht mit Machtübernahme der Taliban

  • Die internationalen Truppen ziehen bald aus Afghanistan ab.
  • Die Gefahr einer Machtübernahme der islamistischen Taliban nach dem Abzug sieht der afghanische Präsident Aschraf Ghani nicht.
  • Er spricht sich für eine „Friedensregierung“ unter Einbeziehung der Taliban aus.
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Washington/Kabul. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani rechnet nach dem bevorstehenden Abzug der internationalen Truppen aus dem Krisenland nicht mit einer Machtübernahme der islamistischen Taliban. Ghani verneinte am Sonntag in einem Interview des Senders CNN die Frage, ob er glaube, dass seine Regierung dann wegen Angriffen der Extremisten unmittelbar zusammenbrechen könnte.

Der Präsident verwies darauf, dass afghanische Sicherheitskräfte bereits in den vergangenen zwei Jahren mehr als 90 Prozent aller Operationen ausgeführt hätten. Er fügte mit Blick auf die zugesagte nicht-militärische Unterstützung des Westens hinzu: „Unsere Partner lassen uns nicht im Stich.“

Plan für „Friedensregierung“

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Ghani sagte, die Taliban und ihre Unterstützer in Pakistan müssten sich nun entscheiden, ob sie „glaubwürdige internationale Akteure“ werden oder ob sie Chaos wollten. „Die Hauptausrede, dass dies ein Krieg ist, um die internationalen Streitkräfte aus Afghanistan herauszubekommen, ist vorbei. Es gibt keine religiöse Rechtfertigung für den Krieg. Eine politische Lösung ist ein Muss.“

Ghani sprach sich für eine „Friedensregierung“ unter Einbeziehung der Taliban aus, die für eine kurze Übergangszeit bis zu einer international überwachten Wahl herrschen solle. Er betonte, er sei bereit dazu, seine eigene Amtszeit dafür zu verkürzen.

Ghani: Taliban müssten Frauenrechte akzeptieren

Ghani sagte, die militant-islamistischen Taliban müssten Frauenrechte akzeptieren. Alles andere wäre „hinsichtlich der Menschenrechte eine der größten Ungerechtigkeiten der Geschichte“. Der Präsident sprach sich dafür aus, dass Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Truppen „permanent neutral“ werde. Damit solle verhindert werden, dass das Land wieder „ein Schlachtfeld für Stellvertreterkriege in der Region“ werde.

Die Nato hatte am vergangenen Mittwoch entschieden, bis zum 1. Mai den Abzug aus Afghanistan einzuleiten. Zuvor hatten sich die USA als größter Truppensteller auf den 11. September als Abzugstermin festgelegt – den 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Kaida in den USA. Die Bundeswehr soll schon bis Mitte August abgezogen werden. Deutschland stellt mit 1100 Soldaten nach den USA das zweitgrößte Kontingent in der etwa 10.000 Soldaten starken Nato-Truppe in Afghanistan.

RND/dpa

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