US-Truppenabzug aus Afghanistan: Pentagon-Chef verteidigt Pläne

  • Eine Ankündigung aus dem Pentagon sorgt für Diskussionen: Die USA wollen im Nahen Osten weitere Truppen abziehen.
  • Das könnte mit etlichen Sicherheitsrisiken einhergehen, kritisieren Republikaner und Demokraten.
  • Der neue US-Verteidigungsminister Christopher Miller verteidigt seinen Kurs.
Anzeige
Anzeige

Washington. Nach massiver Kritik aus dem In- und Ausland hat der amtierende US-Verteidigungsminister Christopher Miller die Pläne für einen Teilabzug der USA aus Afghanistan und dem Irak bekräftigt. Man sei sich bewusst, dass ein solcher Übergang mit Risiken behaftet sei, sagte Miller am Mittwoch am Militärstützpunkt Fort Bragg. Die Truppenreduzierung werde aber so vonstatten gehen, dass die Soldaten und Soldatinnen vor Ort ebenso geschützt würden wie die hart erkämpften Fortschritte, die sie dort erzielt hätten.

Miller, der seit der Entlassung von Mark Esper durch Präsident Donald Trump vergangene Woche kommissarisch das Pentagon leitet, hatte am Dienstag angekündigt, dass die USA ihre Truppenpräsenz in Afghanistan und im Irak bis Mitte Januar - also bis kurz vor dem Amtsantritt des gewählten Präsidenten Joe Biden - auf jeweils 2500 Einsatzkräfte verringern wollten. Aktuell sind mehr als 4500 US-Soldaten in Afghanistan und 3000 im Irak. Die übrigen Nato-Bündnispartner, die in Afghanistan mit den USA zusammenarbeiten, äußerten Sorge über einen überhasteten Abzug. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte, es bestehe die Gefahr, dass Afghanistan erneut zum Rückzugsgebiet internationaler Terroristen werde.

Miller betonte, die USA würden mit harter Hand zurückschlagen, sollten Extremisten versuchen, den Truppenabzug auszunutzen. „Wir werden nicht zögern, wieder eine Abschreckung herzustellen und jegliche Bedrohung zu besiegen“, sagte Miller.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Der republikanische Senator Ben Sasse, Mitglied im Geheimdienstausschuss des Senats, erklärte, die „Jungs“ zurück nach Hause zu bringen, lese sich als Schlagzeile zwar gut. Das sei aber nicht, was passiere. „Nach diesem Rückzug werden immer noch amerikanische Truppen in Irak und Afghanistan sein.“ Die wichtigste Frage sei, ob diese noch in der Lage seien, Terrorgruppen wie Al-Kaida oder den Islamischen Staat daran zu hindern, „amerikanisches Blut“ zu vergießen - oder ob die verbleibenden Soldaten Terroristen ausgeliefert seien, wenn diese wieder Boden gewönnen.

Nato warnte vor Abzug der Truppen

Der frühere Verteidigungsminister Chuck Hagel hatte in einem Interview kritisiert, dass Präsident Donald Trump die Entscheidung über eine Reduktion der Truppenstärke nicht seinem Nachfolger Joe Biden überlassen hat. Dessen Regierung müsse die Konsequenzen tragen, sagte der Republikaner. Der Teil-Abzug stärke die Taliban in Afghanistan. „Das wird für die afghanische Regierung nicht gut ausgehen.“

Zwei Abgeordnete des Repräsentantenhauses forderten am Mittwoch in einem Brief an Außenminister Mike Pompeo und den kommissarischen Verteidigungsminister Miller Antworten, wie sich der Truppenabzug auf die Lage in beiden Ländern auswirken werde. Jeder Truppenabzug, der nicht genau die Lage vor Ort berücksichtige, sei unklug, erklärten die beiden Veteranen, der Demokrat Seth Moulton und der Republikaner Adam Kinzinger. Sie äußerten sich zudem besorgt über vermehrte Aktivitäten des IS in Afghanistan sowie des Iran im Irak.

Anzeige

Eine Abberufung von US-Diplomaten im Irak oder Afghanistan wurde bislang nicht bekanntgegeben. Im Kongress gibt es deshalb Sorgen, dass ein umfangreicher Truppenabzug die Sicherheit der Botschaften in Bagdad und Kabul gefährden könnte. In der Nähe der US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad waren am Dienstag Raketen eingeschlagen. Ob es einen Zusammenhang zu den US-Abzugsplänen gab, war unklar.

RND/AP

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen