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  • Trumps letzter Amtstag: Hinterlässt der US-Präsident seinem Nachfolger eine schriftliche Aufmunterung oder bricht er eine weitere Tradition?

Trumps Abgang könnte noch eine Präsidenten-Tradition beenden

  • Es ist Brauch geworden, dass der US-Präsident an seinem letzten Amtstag seinem Nachfolger eine kleine schriftliche Aufmunterung hinterlässt.
  • Ob Trump sich daran halten wird?
  • Es wäre nicht die erste Tradition des Amtes, mit der er bricht.
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Washington. Am 20. Januar könnte ein 32 Jahre alter Brauch im Weißen Haus zu Ende gehen. Seit Ronald Reagan haben alle scheidenden Präsidenten ihrem Nachfolger eine kurze Notiz auf dem Schreibtisch des Oval Office hinterlassen. Bei Donald Trump aber steht zu befürchten, dass er darauf verzichten wird, nachdem er bereits angekündigt hat, der Vereidigung seines Nachfolgers Joe Biden fernzubleiben.

Viele Traditionen im Weißen Haus haben schon zu Beginn etwas Gravitätisches - diese allerdings hat eher ironische Anfänge. Als Reagan 1989 aus dem Amt schied, griff er sich ein Briefpapier mit Karikaturen von Sandra Bonyton unter dem Motto „Lass Dich nicht von den Truthähnen deprimieren“ und schrieb eine Notiz für seinen Nachfolger George H.W. Bush. Die Zeichnungen zeigten eine Horde Truthähne, die einen stolzen Elefanten erklimmen, das Wappentier der Republikaner, der Partei Reagans und Bushs. Bush werde womöglich hin und wieder das Bedürfnis haben, die Vorlage zu benutzen, schrieb Reagan und bedauerte das Ende der gemeinsamen Mittagessen an jedem Donnerstag mit seinem bisherigen Vize Bush.

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Würde statt Bitterkeit

Vier Jahre später musste Bush seinen Schreibtisch für den Demokraten Bill Clinton räumen. Am 20. Januar schluckte er seine Bitterkeit herunter und hinterließ Clinton einen handschriftlichen Brief auf dem Schreibtisch, der bis heute als Beispiel eines würdevollen Abgangs gilt.

„Als ich gerade dieses Büro betrat, empfand ich das gleiche Gefühl des Staunens und des Respekts, das ich vor vier Jahren empfand“, schrieb Bush auf dem offiziellen Briefpapier des Weißen Hauses. Clinton werde das auch so gehen. Es werde sehr harte Zeiten geben und die Kritik, die Clinton dann entgegenschlage, werde dieser womöglich für unfair halten. „Lassen Sie sich nicht von den Kritikern entmutigen oder vom Kurs abbringen“, schrieb Bush. Und weil der Erfolg Clintons im Amt ab jetzt auch der Erfolg des ganzen Landes sei, drücke er ihm ganz fest die Daumen und wünsche viel Glück.

Clintons Frau Hillary gab später zu, ihr seien bei der kurzen Lektüre die Tränen gekommen. Der Historiker Mark Updegrove urteilte, Bush habe hier gezeigt, worum es im Präsidentenamt gehe, nämlich zuerst an das Land zu denken.

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Anfang 2001 gab Clinton die Präsidentschaft an Bushs Sohn George W. weiter. Und auch er verfasste einen Brief. Die Bürde des Präsidentenamtes sei schwer, aber sie werde auch oft übertrieben, schrieb er. „Die pure Freude, das zu tun, was Sie als richtig erkannt haben, ist unbeschreiblich.“

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Bushs Töchter schrieben Brief an Obamas Töchter

Wieder acht Jahre später schrieb der jüngere Bush seinem Nachfolger Barack Obama ein paar Aufmunterungen. „Kritiker werden toben. Ihre "Freunde" werden Sie enttäuschen, aber was auch geschieht, Sie werden beflügelt sein vom Wesen und Mitgefühl der Leute, die Sie führen“, versicherte George W. Bush. Seine erwachsenen Zwillingstöchter Jenna und Barbara rieten Obamas damals noch halbwüchsigen Kindern Malia und Sasha in einem eigenen Schreiben, einmal das Geländer an der Treppe zum Solarium herunterzurutschen.

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Obama erinnerte seinen Nachfolger Trump 2017 daran, dass das Präsidentenamt nur auf Zeit vergeben wird. „Das macht uns zu Hütern solcher demokratischen Einrichtungen und Traditionen wie Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, gleicher Schutz und Bürgerrechte, für die unsere Vorfahren gekämpft und geblutet haben“, schrieb Obama. „Es liegt an uns, diese Instrumente unserer Demokratie mindestens ebenso stark zu hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben.“

Dass die Tradition eines Briefs an den gewählten Nachfolger mit Trump enden wird, glaubt Historiker Updegrove nicht. Selbst wenn dieser gar nichts schreiben sollte, sei damit zu rechnen, dass Biden den Brauch wieder aufnehmen werde. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass er dies tun wird.“ Der gewählte Präsident habe als Obamas Vize und in 36 Jahren im Senat einen Sinn für Tradition und Überparteilichkeit entwickelt.

RND/AP

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