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  • Trumps Amtszeit ist vorbei: So reagiert die deutsche Presse auf den Machtwechsel, US-Präsident Biden und Vizepräsidentin Harris

Presse zur Amtsübergabe in den USA: „Der amerikanische Albtraum, er ist vorbei“

  • Nach vier Jahren hat die Amtszeit von Donald Trump geendet.
  • Joe Biden löst ihn als US-Präsidenten ab – mit Kamala Harris als erster Frau und Schwarzer im Amt des Vizepräsidenten an seiner Seite.
  • In der nationalen Presse spiegelt sich Erleichterung wider.
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Berlin. Der Machtwechsel in den USA ist vollzogen: Joe Biden ist neuer Präsident der Vereinigten Staaten. Kamala Harris steht ihm fortan als Vizepräsidentin zur Seite – die erste Frau, Schwarze und amerikanische Asiatin in diesem Amt. Die Amtseinführung der beiden setzte zugleich einen Schlusspunkt unter die Zeit von Donald Trump im Weißen Haus. Dieser hatte bis zuletzt fälschlicherweise von einer manipulierten Wahl gesprochen und war noch vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit aus Washington abgereist. So kommentiert die nationale Presse den Machtwechsel:

Die Neue Osnabrücker Zeitung sieht den größten Irrtum der US-Geschichte zum Ende gekommen:

„Mit dem Amtseid von Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geht der wohl größte Irrtum in der Geschichte der USA zu Ende. Donald Trump hat zu keiner Zeit allen Ansprüchen seines Amtes genügt, ist selbst nach seiner Wahlniederlage im November noch irrlichternd durch das Weiße Haus getobt und gebarte sich realitätsferner denn je. Der Gipfel seiner Ignoranz war sein Fortbleiben bei der Vereidigung seines Nachfolgers. Joe Biden muss nicht nur die Scherben wieder einsammeln, die Trump wie ein Elefant im Porzellanladen angerichtet hat. Nein, er muss sie auch wieder zusammenfügen, ein zerrissenes Volk einen und versöhnen.“

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+++Verfolgen Sie hier im Liveblog alles rund um die Amtseinführung von Biden und Harris+++

„Der amerikanische Albtraum, er ist vorbei“, schreibt die Augsburger Allgemeine:

„Dieser Tag bedeutet nicht nur für die USA eine Zäsur. Natürlich wird mit dem neuen Präsidenten nicht mit einem Fingerschnippen wieder alles gut. Biden wurde vor allem deshalb gewählt, weil er nicht Trump ist. Doch das reicht für den Augenblick. Bis jetzt hat er jedenfalls schon einmal vieles richtig gemacht: Er versöhnt, statt zu hetzen. Er hat ein Kabinett berufen, das die Vielfalt des Landes widerspiegelt. Er hat ein Programm angekündigt, das Amerika wieder zum verlässlichen Partner werden lassen kann. Biden sucht das Gute in seinen Mitmenschen, während Trump stets das Schlechteste vermutete. Der amerikanische Albtraum, er ist vorbei.“

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Joe Biden in Antrittsrede: „Werde der Präsident aller Amerikaner sein“
1:51 min
Der neue US-Präsident Joe Biden hat das Land in seiner Antrittsrede zur Einheit aufgerufen.  © Reuters
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Die Freie Presse (Chemnitz) kommentiert, für Jubel und Entspannung bleibe Biden keine Zeit:

„Vor allem aber dürften die USA in den nächsten Jahren eine Art Testlabor der liberalen Demokratie werden: Wie viel Polarisierung kann eine Demokratie auf Dauer aushalten? Für Jubel oder auch nur Entspannung bleibt vom ersten Tag an für Bidens Team keine Zeit. Die Geister von Wut, Chaos und Gewalt sind immer noch wach, sehr wach. US-Präsident Biden wird mit Optimismus und Mut dagegenhalten.“

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Auch Biden drohe ein Fortdauern der erbittert geführten Kulturkämpfe, meint der Kommentator der Nürnberger Nachrichten:

„Jahrzehntelang hat er sich um Zusammenarbeit mit den Republikanern bemüht, Ideologie ist ihm stets fremd gewesen. Deshalb taugt Biden nur bedingt als Hassfigur für Amerikas Rechte. Ängste wie auf Barack Obama, einen Schwarzen mit muslimisch klingendem Namen, lassen sich auf ihn jedenfalls nicht projizieren. Und dennoch droht Biden, was Obama erlebte: eine Total-Opposition der Republikaner im Kongress – und ein Fortdauern der erbittert geführten Kulturkämpfe um Waffen, die Rechte von Minderheiten und die Geschichte des Landes.“

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Amtseinführung mit Social Distancing. Blick von oben auf die Inauguration.  @ Quelle: Carolyn Kaster/AP/dpa

Die Heilung wird Zeit brauchen, schreibt der Kommentator der Mittelbayerischen Zeitung:

„Da die Wunden tief sind, wird die Heilung Zeit brauchen. Aber der Prozess hat an diesem Mittwoch begonnen. Joe Biden ist als Versöhner und Tröster der richtige Mann an der Spitze der USA im richtigen Moment. Hoffentlich hat er Erfolg und macht Amerika wieder großartig.“

Der Kommentator der Stuttgarter Nachrichten meint, Biden habe in seiner Rede richtigerweise die Einheit des Landes zum Anliegen gemacht:

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„Alles auf Anfang? Schön wär’s. Doch leider stand die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden allzu sehr unter den Vorzeichen dessen, was derzeit Amerikaner von Amerikanern trennt. Und negativ abstrahlt auf die meisten parlamentarisch-demokratisch geprägten Gesellschaften in der Welt. Völlig richtig hat Biden die Einheit des Landes in seiner Antrittsrede als das große Anliegen seiner Amtszeit gesetzt. Und klugerweise von vornherein darauf verwiesen, dass es viel Zeit brauchen wird, um die Spaltung zu überwinden. Das sollte auch in Deutschland nicht überhört werden, wo merkwürdigerweise neue US-Präsidenten immer wieder mit messianischen Erwartungen überhäuft werden. Biden kann sich bemühen, Wunder wirken kann er nicht.“

Ab sofort gilt „Make America fair again“, schreibt die Volksstimme (Magdeburg):

„Der neue US-Präsident Joe Biden soll Corona besiegen, die Demokratie stärken, die Amerikaner einen, die Völker verbinden und das Klima retten – unter anderem. Auf die neue Administration in Washington wird alles projiziert, was sich in vier misslichen Trump-Jahren an Gegensätzen in den USA verstärkt und neu aufgebaut hat. Ein bisschen viel für Biden, auch wenn die Regierung mit dem Zehn-Tage-Programm sofort voll durchstarten will. Zu Recht steht die Corona-Bekämpfung an erster Stelle. Das Land aus dem Würgegriff der Seuche zu befreien kann Vertrauen auch bei politischen Gegnern schaffen. Ermutigend sind die Signale über den Atlantik. Deutschland, von Trump fast zum Paria-Staat herabgestuft, wird wieder als Partner gesehen. Joe Biden ist – bedingt durch Lebensalter und Aufgabenfülle – ein Mann des Übergangs. Dennoch legt er ein beeindruckendes Tempo vor. Statt ‚Make America great again‘ gilt ab sofort ‚Make America fair again‘.“

RND/dpa/cz

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