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Trump und Greta: Weder Ignoranz noch Panik tragen zur Lösung bei

  • Das Weltwirtschaftsforum in der Schweiz wird Zeuge eines Duells: Älterer, selbstgerechter Mann gegen junge, anklagende Frau; Kohlefan gegen Klimaschützerin.
  • US-Präsident Donald Trump und die Klimaaktivistin Greta Thunberg stehen für einen gespaltenen Zeitgeist.
  • Doch die Herausforderungen des Klimawandels lassen sich weder mit Ignoranz noch mit Panik bewältigen, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Theaterregisseure dürften beim Blick auf den Schweizer Alpenort Davos vor Neid erblassen. Dort ist es den Organisatoren des Weltwirtschaftsforums gelungen, das Drama der Gegenwart auf die Bühne zu bringen. In den Hauptrollen: Donald Trump und Greta Thunberg.

Der US-Präsident und die schwedische Schülerin lieferten sich, wenn auch nicht von Angesicht zu Angesicht, ein ideologisches Duell: Älterer, selbstgerechter Mann gegen junge, anklagende Frau. Nationalist gegen Mahnerin zur internationalen Zusammenarbeit. Kohlefan gegen Klimaschützerin. Was sie als existenzielle Gefahr für die Menschheit ausmacht, verbrämt er als apokalyptisches Geraune.

Trump und Thunberg stehen für einen gespaltenen Zeitgeist. Sie verkörpern zwei Extreme. So vermag keiner von ihnen für den Umgang mit dem Klimawandel jene Orientierung zu geben, die nicht zuletzt die in Davos versammelte Wirtschaftselite bitter nötig hat. Die Erderwärmung ist ein Problem, ein großes sogar. Doch weder Ignoranz noch Panik tragen zu dessen Lösung bei.

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Am Thema vorbei

Trumps Rede verfehlte klar das Thema der Veranstaltung. Da mochten Einladungskarten, Einspielfilme und Redner noch so oft vor Artensterben, Meeresmüll und Konflikten um Wasser und Ackerland warnen – den US-Präsidenten ficht das nicht an. Klimaschutz ist für Trump kein Thema. Und wenn doch, dann bloß, um seine umweltbewegten Kritiker als „radikale Sozialisten“ und Untergangsapologeten zu beschimpfen, wie er es in Davos tat.

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Sein eigentliches Publikum saß nicht im Saal. Trump sprach zu den US-Wählern. Die irrwitzige Aneinanderreihung seiner vermeintlichen Rekordleistungen auf dem US-Arbeitsmarkt, der Wirtschaft und im internationalen Handel war der leicht durchschaubare Versuch, den für ihn ungünstigen Nachrichten daheim etwas entgegenzusetzen.

Am Dienstag begann das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump: Neue Erkenntnisse zum Treiben seiner Leute in der Ukraine lassen den Präsidenten in keinem guten Licht dastehen. Davos kam ihm gelegen, um die Kritik in Washington mit einem Übermaß an Selbstlob zu kontern.

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In den USA hat Trump eine Vielzahl von Umweltschutzmaßnahmen seines Vorgängers Barack Obama rückgängig gemacht. Naturschutzgebiete dürfen ausgebeutet werden, Auflagen zur Förderung von Erdöl und Erdgas werden gelockert. Trump glaubt, dass er damit der Wirtschaft nützt. Doch womöglich liest er die Zeichen der Zeit falsch.

Zuletzt häufen sich Indizien für ein Umdenken von Investoren. Der Klimawandel gilt plötzlich als Bedrohung für die Rendite. Versicherer sehen sich immer größeren Kostenrisiken ausgesetzt. Immer mehr Kapitalgeber fordern daher ein Umlenken der Finanzströme weg von der Förderung fossiler Brennstoffe. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock will vorangehen und rät auch sämtlichen Weltkonzernen zu mehr Nachhaltigkeit in den Bilanzen.

Die Wirtschaft entdeckt das Klima

Und nun wirbt auch das Weltwirtschaftsforum in Davos – seit einem halben Jahrhundert Pilgerstätte des globalen Kapitalismus – für grüne Geschäfte. Daraus spricht die Einsicht in die Notwendigkeit einer klimapolitischen Sensibilisierung der Wirtschaft. Mit dem Pflanzen von Bäumen, wozu sich die Konzernchefs verpflichten wollen, ist es aber gewiss nicht getan. Aufforstung in fernen Ländern verleitet zum Weiter so daheim, ist schlecht zu kontrollieren und zeugt von neokolonialem Denken.

Dass nicht zuletzt dank ihres Protests das Klima ins Zentrum der wirtschaftspolitischen Debatte gerückt ist, darf Greta Thunberg freuen. Es ist nicht so, dass „praktisch nichts“ passiert, wie die Schwedin kritisiert. Thunbergs Ungeduld ist berechtigt – sie verstellt jedoch den Blick auf politische Weichen, die jetzt gestellt und hoffentlich bald zur CO2-Reduktion führen werden.

Die EU will den Beweis erbringen, dass klimafreundliche Technologien Wohlstand und soziale Sicherheit mehren können. Mächtige US-Bundesstaaten wie das progressive Kalifornien, aber auch das konservative Texas haben das ökonomische Potenzial Erneuerbarer längst erkannt – Trump zum Trotz. China treibt den Wettbewerb um grüne Technologien massiv voran.

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Zu grünen Geschäften ist es gewiss noch ein weiter Weg. Gut, dass die Wirtschaft jetzt drüber spricht. Besser, wenn sie schon bald danach handelt.