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Trump und die Desinfektionsmittel: Ärzte entsetzt – Spott und Häme auf Tiktok

  • Mit seinen jüngsten Aussagen zur Bekämpfung von Corona hat sich Donald Trump um Kopf und Kragen geredet.
  • Mediziner und Katastrophenschützer sind aufgebracht, Spaßvögel im Netz entzückt.
  • Nur einer scheint langsam den Spaß zu verlieren: der US-Präsident selbst.
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Washington. So langsam scheint der US-Präsident die Lust zu verlieren. Seitdem die Corona-Krise die USA in voller Härte trifft, hält Donald Trump täglich eine Pressekonferenz ab. Meistens handelt es sich um abendfüllende Veranstaltungen, auf denen vor allem der “Commander in chief” das große Wort führt. Doch in der Nacht zu Samstag (MEZ) dauerte sein “Corona-Briefing” nur 21 Minuten. Und Fragen waren auch nicht mehr erlaubt.

Wahrscheinlich saß dem “stabilen Genie” (Trump über Trump) noch sein Auftritt vom Vortag in den Knochen. Oder genauer: die Reaktionen darauf. Trump hatte darüber philosophiert, ob man Corona nicht mit starkem Licht bekämpfen könnte, das man “irgendwie in den Körper” von Patienten leitet. Dann forderte er seine medizinische Beraterin Deborah Birx auf, zu untersuchen, ob man Patienten nicht Desinfektionsmittel spritzen könnte. Bleich- und Desinfektionsmittel können Viren abtöten – aber nur auf Oberflächen oder in der Luft. Hätte er den Gesichtsausdruck von Birx gesehen, hätte er ahnen können, was für einen gefährlichen Unsinn er gerade von sich gibt.

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Trumps Haussender Fox News ließ Trumps Äußerungen erst einmal unkommentiert stehen. Erst Stunden später warnte er seine Zuschauer davor, sich Infektionsmittel zu spritzen oder zu trinken.

Die politische Konkurrenz reagierte umgehend. Der mutmaßliche Trump-Herausforderer und ehemalige Vizepräsident Joe Biden schrieb auf Twitter: “Ich kann nicht glauben, dass ich das sagen muss, aber bitte trinken sie kein Bleichmittel.”

Vor drei Wochen war ein Mann gestorben, nachdem er gemeinsam mit seiner Frau zur Corona-Prävention Bleichmittel getrunken hatte. Und auch diesmal reagierten offenbar viele Menschen auf die Aussagen Trumps. So erklärte beispielsweise die Krisenmanagementbehörde des Bundesstaates Maryland, zahlreiche Anrufe mit Fragen zum Einsatz von Desinfektionsmitteln gegen Covid-19 erhalten zu haben. Die Behörde warnte, Desinfektionsmittel sollten “unter keinen Umständen” geschluckt oder in den menschlichen Körper gespritzt werden. Ähnlich äußerten sich viele Mediziner.

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Das Netz reagiert mit Spott, Ironie und Sarkasmus

Trotzdem der Gefährlichkeit von Trumps Aussagen können viele Amerikaner nur noch mit Spott, Ironie und Sarkasmus auf dessen Einlassungen reagieren. Beispielsweise dieser Twitterer, der sein Cocktailrezept für einen “Trumptini” verrät.

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Oder Matt Leventhal, der leer gekaufte Supermarktregale für Bleichmittel zeigt und ironisch fragt: “Welche Geschmacksrichtung ist am besten?”

Zu einem Internethit hat sich auch das Tiktok-Video dieser Dame entwickelt, die die Originalaussagen Trumps auf ihre eigene Weise interpretiert.

Trump selbst war wohl doch nachhaltig beeindruckt von der Kritik von Ärzten, Behörden oder Twitterer. Er erklärte, seine Aussagen seien nur sarkastisch gemeint gewesen. “Ich habe eine sarkastische Frage an Reporter wie Sie gestellt, nur um zu sehen, was passiert”, sagte er zu Journalisten im Weißen Haus. Millionen TV-Zuschauer dürften das etwas anders in Erinnerung haben.


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